Koffer zu | 23.09.06

Der Koffer ist voll. Ich hab alles reingestopft, was mir eingefallen ist und nun - wie angekündigt - mache ich ihn zu. Sicher, da wäre noch Platz für viele Geschichten, davon gibt es ja immer genug. Das bisschen Berlin, das ich beschrieben habe, irgendwo zwischen Mitte und Friedrichshain, hin und wieder auch in Potsdam, ist ja gar nicht repräsentativ. Muss es auch nicht sein, ist ja mein Koffer.

Das Jahr ist um. Wieder liegt ein Wahlkampf hinter uns. Frühling, Sommer, Herbst und Winter wiederholen sich zuverlässig. Die anderen, fehlenden Monate auch. Im Lidl gibt es schon wieder Pfefferkuchen, die Bären am Köllnischen Park rüsten sich für den Winterschlaf und aus dem Loch in der Berliner Mitte wächst ein unsägliches Monsterhaus. Das Berolinahaus erstrahlt in neuem Glanz und der Schatten vom Franz Biberkopf auf dem Pflaster des Alexanderplatz ist kaum mehr zu ahnen. Zum Jahreswechsel habe ich mich gefragt, wo ich sein werde in einem Jahr. Jetzt, wo der Herbst begonnen hat, wartet in Rostock eine Wohnung auf mich und dann noch das, was gemeinhin 'neue Herausforderungen' genannt wird. Ich blicke mit gemischten Gefühlen auf die neue Stadt, mit dem Herzen und einem Fuß immer in der 'alten' - was ein ziemlich komisches Bild ist. Klar, ich freu mich auf die Ostsee. Aber wirklich weg werde ich kaum sein. Schließlich hab ich noch einen Koffer in Berlin.