Potsdam | 12.10.05
Potsdam muss auch mit rein in den Koffer. Nicht weil es plötzlich eingemeindet wurde, was auch wirklich nicht gut wäre, sondern weil ich so viel Zeit dort verbringe. Manche behaupten, Potsdam würde unter der Nähe zu Berlin leiden, weil Berlin mit seiner Kneipenvielfalt und dem großen kulturellen Angebot der Stadt ein Nischendasein bescheren würde. Doch positiv gewendet, liegt genau hier Potsdams Chance. Abgesehen davon, dass es auch hier unzählige Kneipen gibt, befindet es sich dicht an der Großstadt und ist doch außen vor. Nicht nur die vielen Schlösser und Gärten hinterlassen Eindruck, sondern die Stadt als Ganzes, inklusive ihrer Scheußlichkeiten. Oft sind wir durch Potsdam gelaufen, haben uns die Parks wie auch die Innenstadt mit den niedrigen alten Häusern und Villen angesehen. 'Hier ist der Himmel so nah', hat ein Freund mal gesagt. Als ich vor einem halben Jahr aus New York City zurückkam, wo vor lauter Wokenkratzern nie die Sonne scheint, merkte ich, dass es genau diese Nähe ist, die Potsdam so besonders macht. Mit eingeschlossen ist die Tatsache, dass fast hinter jedem Baudenkmal eine Ost-Platte hervorragt, die den Himmel wieder in weite Ferne rücken lässt. Das Durcheinander an Baustilen verwirrt das Auge und macht die Stadt einzigartig. Als ich Anfang der 90er Jahre das erste Mal in Potsdam war, glich die Stadt einem Trümmerfeld. Heute strahlt sie einen unvergleichlichen Charme aus, den ich nicht mehr missen möchte.
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