Döblin & Biberkopf| 22.01.06

'Die Elektrischen fahren über den Platz die Alexanderstraße herauf durch die Münzstraße zum Rosenthaler Tor. Rechts und links sind Straßen. In den Straßen steht Haus bei Haus. Die sind vom Keller bis zum Boden mit Menschen voll. Unten sind die Läden. Destillen, Restaurationen, Obst- und Gemüsehandel, Kolonialwaren und Feinkost, Fuhrgeschäft, Dekora-tionsmalerei, Anfertigung von Damenkonfektion, Mehl und Mühlen-fabrikate, Autogarage, Feuersozietät.'

Da läuft er vorbei, der Franz Biberkopf aus Berlin Nordost, früher Zementarbeiter, dann Möbeltransporteur, jetzt, im Jahr 1927, Zeitungs-händler. Gerade aus dem Knast ist er raus. Drin war er, weil er seine Braut erschlagen hat, ausversehen. Geschworen hat er, dass er anständig sein will. Aber der Weg dahin ist weit und steinig. Führt kreuz und quer durch die Berliner Mitte und immer wieder über den Alexanderplatz.

Fast könnte man denken, er streicht da heute noch umher, irgendwo zwischen dem Kaufhaus und dem Bahnhof, Hände in den Taschen, Kragen über den Ohren. 'Franz Biberkopf', möchte man ihm mit Döblins Worten zurufen, 'sieh dich vor!' Doch er würde nur sagen: 'Nee, nee! Wen geht das was an?' Er würde seinen Alex gar nicht wieder erkennen und wundern würde er sich, wenn er an der Fassade des ehemaligen 'Haus der Elektrotechnik' die Zitate aus 'seinem' Buch liest.