Hitzewelle | 21.07.06

Berlin im Sommer: Die Hitzewelle ist da. Tag für Tag wird es wärmer. Stunde um Stunde heizt sich die Luft mehr auf, kriecht in den Asphalt und in die Wände. Selbst in der Nacht, die doch eigentlich Abkühlung bringen soll, sind beinahe 30 Grad. Wenn es so lange nicht geregnet hat und die Temperaturen so hoch sind, wird die Stadt sehr, sehr langsam. Ganz Berlin bewegt sich in Zeitlupe. Die Menschen kämpfen sich durch die Straßen, als bewegten sie sich durch Berge von Styroporflocken. Langsam, bedächtig, schwer atmend. Das Hupen und Bremsenquietschen der Autos scheint aus einer anderen Welt zu kommen. Die Menschen hinterlassen tiefe Fußspuren im geschmolzenen Asphalt. Die Wasserfontainen der Springbrunnen verdunsten in der Luft, noch bevor sie sich im Brunnen sammeln können. Trockenheit wie in der Sahara. Mit der Hitze kommen die Gerüche. Sie sammeln sich in den Straßen, in den Höfen, in den Treppenhäusern. Die Stadt stinkt zum Himmel. Die Menschen sehnen sich nach frischer Luft. Man möchte die dicke Sommerluft nehmen, sie wie ein Taschentuch zusammenfalten und einfach einstecken, um endlich mal wieder durchatmen zu können. Mit großem Jubel werden wir den ersten Sommerregen begrüßen. Er wäscht die dicke Luft vom Himmel und lässt sie in den Gullys verschwinden. Nach drei Tagen Dauerregen findet der Berliner sein Temperament wieder und schimpft über den schlechtesten Sommer seit Menschengedenken.