zimmermannskunst | 09.09.05

'Am Alexanderplatz reißen sie den Damm auf für die Untergrundbahn. Man geht auf Brettern', schreibt Alfred Döblin 1929. 76 Jahre nachdem der arme Franz Biberkopf über den Alex gegangen ist, hat sich eigentlich nichts geändert. Schon den zweiten Sommer hintereinander ist der Alexanderplatz voller Löcher. Man läuft aber nicht auf Brettern, sondern wird im großzügigen Slalom um die Baustellen herumgeleitet. Sie bauen Fahrstühle zu den U-Bahntunneln ein, die sie damals gegraben haben.

Bretter gibt es auch wieder, allerdings in der Vertikalen, als Bretterzaun. Alles voll damit, der leerste und einst windigste Platz der Welt wurde in eine Art Irrgarten umgestaltet. Sie haben ganze Arbeit geleistet: Überall kleine Bretterzauninseln. Auch das Berolinahaus, das ja seit Jahren einen recht trostlosen Anblick bietet und langsam vor sich hingammelt, ist verbrettert. Seit einigen Wochen haben sie aber mit einer heftigen Sanierung begonnen. Das Kaufhof-Kaufhaus hat auch einen Zaun und breitet sich aus. An allen Ecken bauen sie an. Dabei wäre ein Abriss auch keine schlechte Alternative gewesen.

Wenn man früh aufsteht, kann man sehen, wie die Ratten, immer auf Nahrungssuche, über den Alex huschen. Spätestens mit dem Berufsverkehr verschwinden sie. Hinter die Bretterzäune natürlich, deren Zweckmäßigkeit offenbar nur die Nagetiere zu schätzen wissen.