1000 wahlplakate | 17.09.05
Die Straßen verkommen zur Galerie. Nur ist es leider keine Kunst, die sich dem Betrachter aufdrängt, sondern es sind Wahlplakate. Der Wahlkampf war kurz und heftig. Hinter dem medienkonsumierenden Durchschnitts-bürger liegen so viele Lektionen im Verfassungsrecht, dass dieser sich gar nicht mehr ohne Grundgesetz aus dem Haus trauen dürfte. Die Menschen auf den Plakaten schauen auf den Menschen auf der Straße und sagen: 'Wähl mich!' Und der Mensch auf der Straße fragt sich: 'Warum eigentlich?' In meinem Wahlkreis im Berliner Friedrichshain bleibt sowieso wieder nur die Wahl der Qual: Der Kandidat der SPD hat einen unaussprechlichen Namen und sieht aus wie seinerzeit Günther Wallraff als er den Türken mimte. Diese Reduzierung ist natürlich dumm, aber drängt sich auf. Der Kandidat der FDP lässt unweigerlich die Frage aufkommen, seit wann eigentlich Kinder gewählt werden dürfen. Der CDU-Mann verzichtet weitgehend auf Bilder, was daran liegen könnte, dass seine Chancen in diesem Wahlkreis gleich Null sind. Außerdem sieht er aus wie ein Gebrauchtwagenhändler. Der Wahlkampf der PDS ist leider (fast) personenfrei. Auf den meisten Plakaten nur Lafontaine und Gysi. Dabei böte die Bürgermeisterin und PDS-Direktkandidatin einen durchaus sympatischen Anblick. Und die Grünen: Ströbele! Ohne Kommentar. Morgen wird es also spannend und ganz vorbei ist es dann auch noch nicht. Aber, Gott sei Dank, der Plakatmüll wird erstmal verschwinden. |