Herbstspaziergang | 08.12.05

Obwohl es bereits geschneit hatte, kann man in Potsdam immer noch den Herbst erleben. Und zwar besonders dort, wo man es zunächst gar nicht erwartet: Lässt man nämlich den hässlichen Golmer Campus hinter sich, erlebt man sein blaues (Herbst-)Wunder. Auf der anderen Seite der Bahngleise betritt man ein Niemandsland, welches das wirkliche Dorf Golm ist. Hier gibt es: eine verlassene Dorfstraße, eine Backsteinkirche aus dem 19. Jahrhundert und unmittelbar daneben die nur noch als Kapelle für den Friedhof genutzte alte Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Ferner ein Hotel mit Kneipe, einige Häuschen, den unvermeidlichen Plattenbau am Dorfende und eine Buswendeschleife. Letztere sind in brandenburgischen Döfern immer ein sicheres Zeichen dafür, dass die Welt nun endgültig zuende ist. So auch hier: Es folgt ein Bauernhof mit jeder Menge Kleinvieh und dem obligatorischen Gestank. Ein idyllischer Weg über die Wiesen führt nun bis zum See. Hier angekommen, hat man bereits so viel Engergie getankt, dass man keine Lust mehr verspürt, sich aufzuregen, dass das ganze Ufer mit Bungalows zugebaut ist. Man ahnt den See, doch sieht ihn nicht. Wenn der Campus Golm einst ein Stasi-Gelände war, dann kann man sich leicht vorstellen, wem die Bungalows am See gehörten und wohl immer noch gehören. Hier endet der Weg und es bleibt nur der Rückweg und das Gefühl, etwas Besonderes entdeckt zu haben, das von den tausenden Golm-Studenten nur sehr wenige sehen.