Stadtmauer | 04.09.06
Berlin hat eine Stadtmauer - aber das weiß keiner. Besser gesagt: Es hat Stadtmauerreste, und zwar aus dem 13. Jahrhundert. Die Stadtmauer aus dem 20. Jahrhundert, von der es auch noch Reste gibt, kennt natürlich jeder. Die 'neue' Stadtmauer liegt aber nicht so idyllisch, sondern an einer Straße, die man nur Autobahn nennen kann und ihr zu Füßen wachsen auch keine wilden Rosen. Die alte Stadtmauer, und um die geht es hier, liegt in dem ältesten und leider unbekanntesten Viertel Berlins. In das Karree zwischen Grunerstraße, Stralauer Straße und dem S-Bahn-Viadukt verirrt sich kaum ein Berliner und schon gar kein Tourist. Hier befinden sich auch das Berliner Amtsgericht mit dem sagenhaften Treppenhaus, die Klosterkirchenruine» und das angeblich älteste Berliner Restaurant 'Zur letzten Instanz', welches direkt an die Mauerreste herangebaut wurde. Ferner das Podewilsche Palais, früher Haus der jungen Talente, und die ganz und gar leere Parochialkirche mit dem im Krieg amputierten Turm. Die Stadtmauer - die erste - wurde um 1250 errichtet. In den folgenden Jahrhunderten hat man sie immer wieder ausgebessert, bis sie, das Los aller Stadtmauern teilend, der expandierenden Stadt im Weg stand. Sie verfiel und wurde im 17. Jahrhundert geschleift. Geblieben sind die Reste in der Littenstraße und einige Straßennamen: Wallstraße, Niederwallstraße und Oberwallstraße erinnern an den Verlauf der Mauer.
|