Zwischen den Jahren | 31.12.05

Weihnachten ist überstanden. Silvester schaffen wir auch noch. Was bleibt, sind haufenweise Verpackungsmüll, einige ausgesetzte Haustiere und jede Menge ausgesetzte Weihnachtsbäume. 'Zwischen den Jahren' hat meine Großmutter die Tage zwischen dem Weihnachtsfest und Silvester immer genannt. Und es stimmt, das ist eine seltsame Woche, in der man anders tickt als sonst. Im Fernsehen laufen ständig Jahresrückblicke, die nachdenklich stimmen. Man sitzt in einer Zeitblase, isst zu viel, sieht zu viel fern, geht zu spät ins Bett und schläft bis in den Nachmittag. Bis zum Silvestertag ist das Gehirn dann so lethargisch geworden, dass es ernsthaft glaubt, mit dem großen Böllerrumms um Mitternacht würde sich außer der Jahreszahl hinter dem Datum noch irgendwas ändern. Es fasst jede Menge gute Vorsätze, die man, sobald man wieder bei Verstand ist, verwirft. Trotzdem verderben sie einem das Jahr, weil sie ein schlechtes Gewissen verursachen. Der 1. Januar ist immer ein guter Tag für die Statistik. Niemals gibt es mehr Nichtraucher, gesünderes Essen und alkoholfreiere Getränke. Bis zum Ende des Monats hat sich alles wieder aufs Normalmaß eingepegelt. In dem Wissen, mich ganz klar 'zwischen den Jahren' zu befinden, habe ich mir vorsichtshalber gar nichts vorgenommen. Ich werde das Gleiche tun wie im letzten Jahr: 365 mal einen Tag älter werden. Aber trotzdem bin ich neugierig - mal sehen, wo ich sein werde, heute in einem Jahr.