
Als John am Weihnachtsvortag im Park erwacht, ist es bereits geschehen: Seine Glücksbringer-Schuhe samt dort verstecktem Geld sind gestohlen. Dabei muss er nicht nur 300 $ an den nicht unbedingt feinen Jimmy the Warlock zurückzahlen, sondern John will sich seinen größten Wunsch erfüllen: Einmal, nämlich an seinem 21. Geburtstag, dem Tag seiner absoluten Volljährigkeit in den USA, für 300 $ im Luxushotel übernachten. Und sein Geburtstag ist am Weihnachtstag. Dabei will ihm Donner helfen, der sich immerhin mit jemand anderen eine Wohnung leisten kann und neu auf dem Strich ist – oder Unterhaltungsgewerbe, wie sie es gerne nennen. Alles, was sie noch machen müssen, sind ein paar Freier, die sie eher bestehlen als beglücken. Anstatt ihnen Geld zu geben, bieten Donners Eltern den beiden Jobs in einem Camelot-Vergnügungspark mitten in Missouri an. Wohin die Jungs am nächsten Morgen auch fahren wollen – und nocheinmal rund 300 $ benötigen. Wie die Dinge auf dem Straßenstrich so stehen, müssen die beiden mehr durch gewalttätige Zeitgenossen einstecken, als sie materiellen Gewinn herausziehen können. Doch Donner hilft John mehr, als dieser ahnt und anders, als John bereit ist, zu akzeptieren. Einem Happy End scheint nichts mehr im Wege zu stehen, würden sich die Freunde nicht noch um einen Abschiedsfreier streiten...
Auch
wenn Autor / Regisseur Scott Silver seit 1992 an Johns
arbeitet, kam ihm Bruce La Bruce mit seiner Version einer Santa
Monica Boulevard - Stricher-Orgie Hustler White um einige
Monate zuvor. Geschichte und Atmosphäre der beiden Filme sind allerdings
grundverschieden. Der höher budgetiert wirkende Johns
bietet ein Extrem-Umfeld für ein größeres Publikum mit
dem universellen Aufhänger einer Freundschaft. Zwar dreht sich die
gesamte Handlung um schwulen Sex, so wird sich trotzdem kein Szene-Schwuler
mit den porträtierten Freiern identifizieren wollen. Die anderen Schichten
der Story weisen zwar stets einen schwulen Flair auf, sind aber nicht schwulenspezifisch.
Die Grundlage des Stricherlebens in Johns besteht aus Gewalt,
Diebstahl und ausgemachten Patienten als Kunden und beschert somit Filmklischee
und Wahrheit in einem, wenn diese Wahrheit auch nur eine Teilwahrheit ist
und der Rest sich nicht wiederspiegelt. Dies kann dem Film natürlich
nicht angelastet werden, besteht hier schließlich kein Anspruch auf
Vollständigkeit und sind die Darstellungen selbst zu authentisch gelungen,
etwa des gehörgerätigen Tatter-Opis, der unvermittelt zuschlagen
kann. Allein der Konflikt des Films, der die (Un)Möglichkeiten von
Freundschaftsbeziehungen unter Strichern untersucht, ist eine Rarität
in diesem Genre. Eine Weihnachtsgeschichte wahrhaftig, in der bewusst kein
weihnachtliches Gefühl aufkommen soll – nicht zuletzt dank des Kameraveteranen
Tom Richmond mit seinem erhitzten, dreckigen und ausgewaschenen
Blick auf den Weihnachtstag in Hollywood. Tatsächlich, bis in die
letzte Konsequenz, ein Midnight Cowboy der 90er, wie bereits
die Los Angeles Times urteilte.