Moskau | 11.08.06

Das Café Moskau in der Karl-Marx-Allee war eines von sechs Nationalitä-tenrestaurants im Berliner Osten. Bis zu 160 Mitarbeiter sollen hier gearbeitet haben. Ich kann mir lebhaft das Schild im Eingangsbereich vorstellen: 'Sie werden platziert!' und im Abseits eine ganze Bastion gelangweilter Kellner und Köche. Das ist allerdings Geschichte, genauso wie die fünf anderen Städterestaurants. Doch im Gegensatz zu den Häusern 'Budapest', 'Warschau', 'Bukarest', 'Sofia' und 'Prag' ist das 'Moskau' zu einer Art Kultobjekt geworden. Aus irgendeinem Grund ist es trotz jahrelangem Leerstand dem Abriss entgangen und sie haben auch keinen McDonalds daraus gemacht.

Auch der Sputnik befindet sich noch auf dem Dach - und der ist echt! Also so gut wie echt. Als das Haus in den 60er Jahren seine Türen öffnete, überreichte die sowjetische Botschaft den originalgetreuen Nachbau als Einweihungsgeschenk. Damals war noch alles anders: Die angehenden russischen Kosmonauten waren noch echte Helden und Kalte Kriege waren noch richtig kalt. Doch das Zeichen für den Vorsprung der Russen im All auf dem Dach des Café Moskau ist geblieben. Wenn die Sonne auf den kleinen Sateliten scheint, dann glänzt er fröhlich vor sich hin und man kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass so ein kleines Metallding ein so großes Aufsehen erregt hat.