Strausberger Platz | 29.06.06

Am Strausberger Platz beginnen die berühmten Stalinbauten der Karl-Marx-Allee, die der italienische Architekt Aldo Rossi einmal als die "letzte große Straße Europas" bezeichnet hat und für die Gabriel Garcia Márquez nur die Worte "Kitsch", "überwältigend" und "geschmacklos" fand. Die Zitate zeigen, was sowieso jeder weiß: Zeitgeist bleibt Zeitgeist. Jedoch: der Ort hat Geschichte. Bevor die 'Große Frankfurter Straße' im Jahr 1701 vom Markgrafen Albrecht Friedrich von Schwedt in eine Lindenallee zu seinem Schloss in Friedrichsfelde umgewandelt wurde, tagte im Bereich des heutigen Strausberger Platzes das Berliner Hochgericht. Die hier gefällten Urteile wurden gleich vor Ort durch Hängen, Rädern oder Lebendigbegraben vollstreckt. Bekanntestes Opfer war der in Kleists Novelle verewigte Hans Kohlhase, der hier im Jahr 1450 am Rad starb. Wenn ich die Platz heute überquere oder umfahre, dann erinnere ich mich vor allem an die Aufmärsche zum 1. Mai in der DDR. Hier befand sich immer der 'Stauraum' für die Demonstranten, die dann gut sortiert und enthusiasmiert an den Tribünen des Zentralkomitees im vorderen Teil der Karl-Marx-Allee vorbei zu marschieren hatten. Auch alles schon lange vorbei. "Auf'm Strausberger Platz treff ick meinen Schatz" sang Nina Hagen einst. Und ganz nebenbei bemerkt: Das italienische 'Nouvelle Cuisine'- Restaurant mit dem schönen Namen Noi Quattro» auf der nord-westlichen Ecke des Platzes kann nur großartig genannt werden.