Mittsommer | 25.06.06
Nun ist das Jahr schon wieder halb um, die Tage werden kürzer, in einem halben Jahr ist Weihnachten. Bekanntermaßen bin ich kein Freund der Sommersonnenwende. Die einzig akzeptable Ausnahme stellen die Feste dar, mit denen im Baltikum und in Skandinavien Mittsommer gefeiert wird. Die Menschen in Lettland beispielsweise, deren Mentalität für gewöhnlich so nordisch wie leidenschaftslos ist, tauchen einmal im Jahr kollektiv in den Zauber alter Mythen ein. Geradezu besessen von der Magie des Volksglaubens wird immer in der Nacht zum 24. Juni, am Namenstag von Johannes dem Täufer, 'Jani' gefeiert. Die lettischen Städte sind dann wie leer gefegt, weil alle aufs Land fahren und ein Fest begehen, das irgendwas mit Lagerfeuer zu tun hat, mir Käse essen und Grillen und vor allem mit sehr viel Bier. Ferner werden einige Kränze aus Blumen geflochten, die aufzusetzen und später rückwärts an Eichen zu werfen sind. Das Feuer darf erst bei Sonnenuntergang entzündet werden und schlafen ist erst nach Sonnenaufgang erlaubt. Aus sicheren Quellen weiß ich, dass das eine harte Nacht für die lettische Telefonzeitansage ist. Es klingt bizarr, doch tatsächlich ist das Fest von so vielen Bräuchen durchzogen, die keiner mehr wirklich versteht, dass vor allem versucht wird, alles irgendwie in einer Nacht zu schaffen. Dennoch, und das ist das Wichtigste, die Letten lieben ihr 'Jani' und wissen ohne Zweifel wie man feiert. Mehr aus Lettland, genauer aus Riga hier » |