Wolkenkratzer | 15.06.06

Am 1. Mai 1931 wurde in New York City im Stadteil Manhatten das damals höchste Hochhaus der Welt eingeweiht. Das Empire State Building hat 102 Stockwerke und seine Höhe beträgt 381m. Rechnet man die Antenne mit, sind es sogar 443m. Das ist bis zum heutigen Tage mehr als beachtlich. Auf den Tag genau 50 Jahre danach, am 1. Mai 1951, präsentiert Berlin ein seltsames und durchaus unangemessenes Déjà-vu. Am 'Kampftag der Arbeiterklasse' wird hier der Grundstein für ein symbolträchtiges Projekt gelegt. An der gleichen Stelle, an der einst ansässige Weber ihre Stoffe zur Bleiche ausgelegt haben, soll das erste Wohnhochhaus im östlichen Nachkriegsberlin entstehen. In nur neun Monaten Bauzeit wird das Hochhaus errichtet. Für den Architekten Henselmann bedeutet dies den Durchbruch, er wird später die gesamte Stalinallee konzipieren.

Okay, man muss einsehen, dass Berlin und New York zweierlei sind. Bei uns werden kleinere Brötchen gebacken und niedrigere Hochhäuser gebaut. Das 'Hochhaus' an der Weberwiese zählt nur 9 Etagen und misst 35m. Jedoch, und das haben wir New York voraus, ist die Gegend um das Hochhaus an der Weberwiese ein Kleinod. Im Viertel um die Gubener Straße - genauer: zwischen Karl-Marx-Allee und Marchlewskistraße - dürfte das Haus, obwohl an einigen Stellen sanierungsbedürftig, einer der schönsten Wohnorte im Berliner Friedrichshain sein.