Es werde Licht | 18.05.06
Die Laternen an der Karl-Marx-Allee sind in einem beklagenswerten Zustand. Seit vielen Jahren gammeln sie fröhlich vor sich hin. Der Beton bröckelt und beinahe wöchentlich werden die Laternen auf die im Bild dargestellte Weise 'zurückgebaut' und durch Provisorien ersetzt, die mehr nach Bürgerkrieg als nach 'Weltstadt' aussehen. Über fünfzig Jahre alt sind die Kandelaber, ebenso alt wie die Stalinbauten der Straße, die sie beleuchten sollen. Die Betonmasten sind bis zu neun Meter hoch, tragen zwei oder vier Leuchten und selbst ihre Verzierung folgt dem russischen Zuckerbäckerstil. Es heißt, man hätte sogar Meißner Porzellan beim Bau verwendet. Nach jahrelangen Diskussionen über die Frage, wer nun eigentlich für die Sanierung der Laternen zuständig ist, will man dem Verfall nun zu Leibe rücken. Im Frühjahr dieses Jahres hat der Senat sechs Millionen Euro für die Sanierung bereit gestellt. Für eine originalgetreue Restaurierung reicht auch das nicht, aber wenigstens sollen die Leuchten irgendwann wieder so aussehen wie vor fünfzig Jahren. Der Auftrag für die Erneuerung der immerhin 215 Kandelaber soll öffentlich ausgeschrieben werden. Es wird wohl nur wenige Jahrzehnte, vielleicht auch nur Jahre dauern, bis die Laternen der Karl-Marx-Allee nach zahlreichen Verfahrensfehlern, Neuausschreibungen, Gerichtsverhand-lungen und Insolvenzen im alten Lichte erstrahlen. Hoffentlich halten die Häuser so lange.
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