Potsdamer Platz | 21.03.06

Als Symbol war der Potsdamer Platz schon immer gut, nur das, wofür er steht, ändert sich immer wieder. In den 20er Jahren hieß es, wenn man die Stadt wirklich erleben will, dann solle man, am besten nachts und mit dem Omnibus, zum Potsdamer Platz fahren und sich ins Nachtleben stürzen. Wie jeder weiß, stand hier seit 1924 die erste Berliner Ampel und im nahen Vox-Haus begann im Jahr 1923 die Geschichte des deutschen Rundfunks. Bis 1940 war der Platz einer der beliebtesten Europas. Nachdem er im Krieg vollkommen platt gemacht worden war, litt die Beliebtheit, nachvollziehbarerweise. Es folgte ein Jahrzehnte langer Schlaf. Der Platz wurde zum Symbol für das geteilte Berlin, ein Maueridyll, öde, verwüstet und leer. Das nahe gelegene Kulturforum, mit Philharmonie, Staatsbibliothek, Gemäldegalerie und Nationalgalerie, konnte die Gegend nur geringfügig beleben. Und dann der Mauerfall. Plötzlich wird der Platz zum Symbol für die Wende. Roger Waters führt 1990 ganz in der Nähe 'The Wall' auf, angeblich das größte Konzert der Rockgeschichte. Nun, 15 Jahre später, hat der Platz ein völlig anderes Gesicht. Das, was noch vor einigen Jahren die größte Baustelle Europas war, wirkt jetzt tatsächlich ein wenig mondän. Geht man durch die Straßenschluchten, darf man sich bis zur nächsten Häuserecke kurz mal wie in New York fühlen. Plötzlich findet hier ein Stück 'neues Berlin' statt, solange jedenfalls, bis es etwas neueres gibt und nach dem Potsdamer Platz kein Hahn mehr kräht.