zerschossen | 03.02.06

Die Museumsinsel hat es schwer erwischt im Krieg. Zu beinahe 70 Prozent, so sagen Statistiker, wurde das heutige Weltkulturerbe in den letzten Kriegstagen zerstört. Was das wirklich bedeutet, vermag keine Statistik auszudrücken. Man kann es sich aber anschauen, immer noch, mehr als 60 Jahre danach. Nicht viel besser als den Museen erging es den umliegenden Gebäuden. Das Haus in der Dorotheenstraße, gegenüber vom Pergamon-Museum sieht aus wie ein Schweizer Käse. Das, was wie eine Vielzahl von Einschüssen wirkt, stammt von den Splitterbomben, die sie im Häuserkampf am Kriegsende verwendeten. So sagt man jedenfalls. Lange sechs Jahrzehnte hat das Haus auf seine Sanierung gewartet. Während meiner end- und vor allem fruchtlosen Versuche, an der Humboldt-Universität zu studieren, befand sich hier die Bibliothek des Instituts. Schon an der hölzernen Haustür bekam ich immer einer trockenen Mund, ob der mich erwartenden Büchermassen und wegen der Aussicht auf die düstere Kammer. Die meterhohen Wände voller (wie mir schien) uralter Bücher waren mir suspekt. Noch weniger gefielen mir die wackeligen Leitern, auf die man steigen musste, um an eines der verstaubten Exemplare in Mittelhochdeutsch zu gelangen. Die Bibliothek ist ist schon lange an einen schöneren und helleren Ort umgezogen. Und ich habe mich derweil mit sämtlichen Buchverleihstätten arrangiert. Ärger ist nicht ausgeschlossen, dann aber nicht wegen Dunkelheit.