Jahresringe | 30.01.06
Berlin hat Jahresringe, z.B. die nicht mehr vorhandenen Stadttore, die alten Vorstädte, den S-Bahnring, das frühere Umland, die Platten usw. Ein grünes Band auf dem Stadtplan markiert die Grenzen des 19. Jhd. Einmal durch die Innenbezirke ziehen sich zahlreiche Friedhöfe, aufgelockert von den Brachflächen ehemaliger Brauereien. Eine erklärbare Symbiose: 1771 verbot Friedrich Wilhelm I. aufgrund übervoller Kirchhöfe und einem Problem, das man nur als schlechten Geruch bezeichnen kann, jegliche Bestattungen innerhalb der Stadt. Die Friedhöfe kamen also 'raus' und zwar nur dahin, wo das schutzbedürfte Grundwasser sehr tief lag. Aufgrund seiner Tiefe war das Wasser sehr hochwertig, weshalb sich hier ab ca. 1850 zahlreiche Brauereien ansiedelten. Jede hatte ihren Biergarten, bestens geeignet, um nach dem Begräbnis das Fell der Verstorbenen zu versaufen. Auch die großen Kopfbahnhöfe, gebaut um 1851, die sich sämtlichst am Stadtrand befanden, waren ein Grund für den Brauereibau 'außerhalb'. Im Nordosten kam den Brauern schließlich auch die Friedrichshöhe entgegen, ein natürlicher Berg, der jedem Radfahrer auf Landsberger oder Prenzlauer Allee gut bekannt sein dürfte. Er war ideal, um natürliche Keller anzulegen. Mit den Brauhäusern zogen die Lebenden in die Nähe der Totenäcker. Die Industrialisierung brachte Wohnviertel für die Arbeiter - die berühmten Mietskasernen. So war die Eingemeindung bis 1861 nur eine logische Konsequenz. Noch ein Jahresring...
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