glienicker brücke | 18.01.06

'Der Blick von der Glienicker Brücke,' so soll Alexander von Humboldt gesagt haben, 'wetteifert mit den schönsten Punkten der Welt.' Bedenkt man, dass die heutige gewöhnungsbedürftige Stahlkonstruktion erst im Jahr 1907 gebaut wurde, kann man ihm Glauben schenken. Die Aussicht ist wirklich einzigartig. Zu Humboldts Zeiten war die Bücke zunächst noch aus Holz. 1834 wurde sie von einer Steinbücke abgelöst, die Karl Friedrich Schinkel entworfen hatte und die in jeder Hinsicht postkartentauglich war.

Heute ist die Brücke nicht nur wegen der sie umgebenden Landschaft berühmt, sondern vor allem dafür, dass sie bis vor 15 Jahren die Staatsgrenze zwischen Westberlin und der DDR markiert hat. In der Mitte sollen Agenten der deutschen Geheimdienste ausgetauscht worden sein. Besonders wenn die Brücke in tiefem Nebel liegt, was sie aufgrund des sie umgebenden Wassers oft tut, kann man sich das lebhaft vorstellen. Wie in einem James-Bond-Film muss es hier zugegangen sein. Vermutlich gibt es nur deswegen soviele fotografierende Japaner auf der Brücke.

Davon abgesehen ist dies heute wieder ein überaus friedlicher Ort. Der eine oder andere Spaziergang hat mich an der Brücke vorbeigeführt und jeder hat auf besondere Weise zum Seelenfrieden beigetragen. Das ist viel unspektakulärer als Agentengeschichten, führt aber dazu, dass der alte Humboldt letztlich doch recht behalten hat.