Quelle: http://www.dhm.de/ausstellungen/pdr/

Palast | 04.01.06

Im Palast der Republik gehen die spärlichen Lichter aus. Es gab schon jede Menge 'letzte Gelegenheiten', ihn von innen zu sehen, überboten jeweils von einer 'allerletzten', doch dieses Mal scheint es ernst zu sein. Der Presse kann man wahlweise entnehmen, dass der Abriss doch nicht so teuer werden soll oder dass er noch viel teurer wird als geplant. Die kupferfarbene Ruine im Stadtzentrum löst gemischte Gefühle aus. Die Jahre, in denen sie das Haus entkernt, 'saniert' und vorzugsweise haben vergammeln lassen, sind nicht spurlos vorüber gezogen. Die Erinnerungen lassen sich dennoch nicht wegdiskutieren: Mein Entzücken beispielsweise, als ich etwa 5-jährig kurz nach der Eröffnung des Hauses, das ich sofort als Lampenladen identifizierte, soviel Rolltreppe fahren durfte wie ich wollte. Später waren wir manchmal in der Disco unten im Keller, da gab es Video und Westmusik. Es gab eine Bowlingbahn, in der es nie freie Plätze gab, ein Theater, wo es schon eher ging, einen Konzertsaal, in dem ich nur einmal war, und viele Restaurants und Cafés. Am faszinierendsten (trotz oder wegen ihrer unglaublichen Kitschigkeit) fand ich immer die fast 6 m hohe Glasblume im Foyer. Ich frag mich wirklich, wo die geblieben ist... Der Abriss ist beschlossene Sache. Die Hoffnung, dass wegen des Ungleichgewichts der Spreeinsel dann der Dom versinken wird, wird sich nicht erfüllen. Berlin wird eine große Wiese mehr bekommen, denn wir sind zwar Papst, aber nicht Kaiser und außerdem zu pleite für ein Schloss.