Oh tannenbaum | 27.12.05
Bei meinen Eltern zu Hause steht ein prächtiger Tannenbaum, doch kann ich mich an Jahre erinnern, lange vor dem goldenen Westen und seinen billigen Nordmanntannen, in denen wir bis zu drei Bäume hatten, die alles andere als formschön waren. Der gekaufte Wald auf dem Balkon bot nämlich die Chance, durch das handwerklich begabte Familienoberhaupt aus drei Krücken einen Baum basteln zu lassen, der wenigstens von einer Seite gut aussah, was vollkommen reichte. Dazu wurden zwei der lustig vor sich hin nadelnden Fichten zunächst zusammengebunden, womit der so entstandende Baum schon doppelt soviele Äste wie vorher (also zehn) hatte. Danach wurden an den ganz kahlen Stellen Löcher in den Stamm gebort, um noch einige Äste von Baum Nr. 3 nachzustecken. Das Ergebnis war dann schon ziemlich grün, passte aber in keinen Baumständer mehr, weshalb mit einem kleinen Hackebeil nachgeholfen werden musste. Auch wies der Baum nun nach oben starkes Übergewicht auf und drohte umzufallen. Daher wurde er mit Strippe an den Griffen der Sprelakart-schrankwand fixiert. Fertig geschmückt und mit ordentlich Lametta behangen sah er dann schon recht weihnachtlich aus. Obwohl alljährlich das baldige Umfallen des Baumes prophezeit wurde, ist dieser Fall nie eingetreten. Dass wir den mutierten Dreifachbaum nach so viel Stress nicht schon zu Silvester wieder abbauen wollten, ist verständlich, aber eine andere Geschichte, die mehr zum Frühlingsanfang gehört.
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