golm | 23.11.05

'Studieren in Potsdam' - das löst unmittelbar Assoziationen von sonnigen Seminarpausen aus, die man Kaffee trinkend in einem königlichen Garten verbringt, immer in hochherrschaftlicher Atmosphäre versteht sich. Die Realität ist etwas anders: Die Universität hat ihren Hauptstandort tatsächlich am Neuen Palais und nutzt die ehemaligen 'Communs', die früheren Wohngebäude der Hofkavaliere. Der Platz dort ist allerdings sehr begrenzt und wird hauptsächlich vom Rektorat, einigen Dekanaten und sehr viel Verwaltung eingenommen. Den Rest der Uni, d.h. die meisten Studenten und die 'sterblichen' Mitarbeiter, hat man in Babelsberg und in Golm untergebracht. Golm besticht gleich durch Zweierlei: Tristesse und Abgelegenheit. Der heutige Campus der Human- und Geisteswissen-schaftler entstand in den 1930er Jahren als Kasernenbau für die Spionageabwehr der Nazis. Admiral Canaris nebst Untertanen residierte hier und das Ganze war streng geheim. Ebenso geheim war die Nutzung durch die Stasi in den Nachkriegsjahren, die hier eine Kaderschmiede für juristischen Nachwuchs führte. Heute bemüht man sich redlich, die Nazi- und Stasi-Erinnerung wegzusanieren. Trotzdem versprüht Golm ungefähr so viel Scharm wie eine Lungenentzündung: Man will es eigentlich nur loswerden. Es heißt, unser Fachbereich soll in naher Zukunft ans Neue Palais ziehen. Man darf gespannt sein, ob die Mitarbeiter des Studiengangs das denkwürdige Ereignis noch vor der Rente erleben.