oh tannenbaum | 15.11.05

Als ich am Donnerstag aus der Stadtbibliothek kam und ahnungslos über den Schlossplatz zum Lustgarten schlenderte, wurde ich Zeuge eines gar wunderlichen Schauspiels. Man stelle sich diese Konstellation vor: Ein frisch gefällter Tannenbaum (elend, riesig) auf einem Sattelschlepper (unförmig), diverse Kamerateams (frierend, gelangweilt), ein Weihnachtsmann (zur Unzeit) und ein Trompetenspieler (in barocker Tracht mit Puderperrücke, lächerlich - aber gut gelaunt und zynisch). All die Leute und wohl auch der Baum warteten auf die Ankunft eines großen gelben Kranwagen, der dann auch bald kam und dessen Aufgabe darin bestand, den Tannenbaum geschickt in die Vertikale und damit auf den Schlossplatz zu stellen. Er sollte einen würdigen Platz (a) auf dem Weihnachtsmarkt, der gerade auf dem Schlossplatz aufgebaut wird und (b) in der Tagespresse finden, die in den letzten Jahren nur Hohn und Spott über die Berliner Weihnachtstannen ausgegossen hat. Ich habe nicht gewartet, bis das tote Stück Holz steht und weiß daher nicht, ob er gut aussieht oder krückig. Auf dem Sattelschlepper gab er jedenfalls ein jämmerliches Bild ab. Unmittelbar stellt sich die Frage, warum man die Berliner nicht vorher informiert hat, damit sie das seltsame Szenario beobachten können. Logische Antwort: Weil niemand etwas verpasst hat, auch wenn oder gerade weil die Presse dabei war. Quintessenz: Der lästernde Trompeter, die Situation offenbar genau erfasst hatte, war toll...