radtour | 16.10.05
Vor einigen Tagen führte reine Trägheit mich nach Zehlendorf. Am Bahnhof Wannsee war ich einfach zu faul die S-Bahn zu wechseln. 'Fährst du eben andersrum', dachte ich mir und eilte geradewegs in die Falle. In Zehlendorf war nämlich vorerst Schluss. Bauarbeiten, so hieß es, und man solle auf die nächste Bahn warten. Auch dazu konnte ich mich nicht durchringen. Und weil ich mein Fahrrad dabei hatte, nahm ich den Weg eben so in Angriff. Beim Marathon, so die Überlegung, schaffe ich es schließlich sogar zu Fuß bis nach Zehlendorf und wieder zurück. Nach gut fünfzehn Minuten, ich war noch nicht wirklich weit gekommen, sah ich wie 'meine' S-Bahn mich überholte. Nun gut, um Zeit ging es hier auch nicht mehr. Zehlendorf zeigte sich idyllisch. Dort sieht alles so aus, als wäre es seit Jahrzehnten unberührt. Die Straßenschilder sind ganz verblasst. Am Botanischen Garten vorbei fuhr ich bis nach Steglitz und bog gerade noch rechtzeitig vor der Autobahn in die Schlossstraße ab. Vorbei an der Ampel, an der mich im letzten Sommer beinahe ein Auto umgenietet hätte, als es trotz Rotlicht vorbeischoss. Rheinstraße, Hauptstraße, Innsbrucker Platz - die Luft über der B1 wurde knapp. Über die Kolonnenstraße abgebogen Richtung Kreuzberg zur Bibliothek am Blücherplatz, die ich freilich erstmal finden musste. Nach einer knappen Stunde war ich zu Hause im Friedrichshain. Nun kenne ich dieses Stück Westen ein bisschen besser. Ob es dadurch schöner geworden ist, weiß ich noch nicht.
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