Apfeltraum | 07.10.05
Berlin hat die Olympischen Spiele im Jahr 2000 nicht bekommen. Dafür aber etliche Sportstätten, die die Stadt nun vor Finanzierungsprobleme stellen. Das Areal im Prenzlauer Berg, auf dem sich das Velodrom und die Schwimmhalle befinden, sieht von oben aus, als wären dort zwei Ufos gelandet. Oder noch besser: vom Himmel gefallen und daher, plumps, im Erdboden versunken. Die beiden Sporthallen, von oben nur als ein rundes und ein viereckiges Etwas erkennbar, befinden sich unter der Erde. Nur die Dächer gucken raus und glänzen außerirdisch. Rings herum ist eine große Wiese, auf der hunderte Apfelbäume stehen. Im Frühling bilden sie ein Blütenmeer, doch wegen ihrer Winzigkeit gelingt es ihnen im Sommer kaum, ein wenig Schatten zu spenden. Auf der Liste der schattenlosesten Orte der Stadt, steht diese Wiese, nur knapp geschlagen vom Maifeld, auf Platz zwei. Im Winter pfeift der Wind über die Ebene und nur den ganz und gar schwarzen Raben, die hier überwintern, geht es dann richtig gut. Zur Zeit sind, wie in jedem Herbst, die Äpfel reif. Man kann sie essen - Großstadtäpfel frisch vom Baum! Sie sind klein, steinhart und hinterlassen ein unangenehm pelziges Gefühl im Mund. Trotzdem sind die unteren Zweige immer abgeerntet, weil dies ein diebisches Vergnügen bereitet. Ob das wirklich so gedacht ist, weiß ich nicht. Aber mir haben diese Äpfel bislang noch nicht geschadet, weshalb ich sie weiter pflücken werde, bevor die anrückenden Krähenschwärme alles wegfressen.
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