italien | 25.09.05
Es gibt ziemlich viel, was ich an Italien schätze und was, nach meiner Meinung, sofort eingeführt gehört. Eine Kostprobe: Espresso-Bars mit entsprechend gutem Kaffee, Pizza mit Anchovis, die Einsicht, dass Sahnesoße an Spaghetti Carbonara nichts verloren hat, südländische Lebensfreude inklusive besserem Wetter und Mittelmeer, etwas weniger Gründlichkeit, ausschweifende Mahlzeiten nach 23 Uhr, die Toskana, jede Menge alte Steine und ein gerüttelt Maß 'Old Europe'! Was ich jedoch ganz und gar nicht schätze, ist die korrupte italienische Regierung und die Wahlfrequenz, die dort bis vor einigen Jahren herrschte. Ungefähr fünfzig Regierungswechsel in fünfzig Jahren - das muss denen erst einmal jemand nachmachen.
Mit dem Verschwinden der Wahlplakate in Berlin und dem Ende der penetranten (und wie sich gezeigt hat außerdem völlig überflüssigen) Prognosen ist nämlich, wie es aussieht, noch gar nichts gewonnen. Die Unsicherheit bleibt und, egal welche Kombination sich nun zum Regieren zusammenfindet, es bleibt ein fahler Nachgeschmack und der Verdacht, dass das nicht lange halten wird. Meinetwegen können wir ab nächste Woche alle Italienisch sprechen. Ich mag diese vokalreiche Sprache, obwohl meine Aussprache eher 'ridicola' ist. Aber jedes Jahr wählen gehen, ohne etwas zu bewirken, möchte ich nicht. |