Berliner Passagen | 02.04.06

Die Passagen in Paris, so heißt es, hätte Georges Eugène Haussmann, damals Präfekt der Stadt, nicht nur bauen lassen, um Durchbrüche und Querverbindungen zu schaffen, sondern vor allem auch, um die Effizienz des Barrikadenbaus auszuschalten. Die Franzosen, so sieht man heute wieder, sind ja ein revolutionslustiges Volk. Nicht nur Passagen ließ Haussmann anlegen, eigentlich hat er die ganze Stadt umgekrempelt. Mit bemerkenswerter Rücksichtslosigkeit schuf er Sichtachsen und entfernte jede mittelalterliche Spur aus der Seine-Metropole. Im 20. Jhd. haben die europäischen Städte dann ganz auf Sichtachsen gesetzt. Nicht nur im Osten Berlins wurden nach dem Krieg alle Straßen so breit angelegt, dass schon ein ICE vom Himmel fallen müsste, um darauf zur Straßensperre zu werden. Wie einst die Passagen sind auch die Straßen sehr praktische Querverbindungen, allerdings sind sie in Längsrichtung das genaue Gegenteil. Berlins Straßen sind zu breit, das weiß jeder, der schon mal versucht hat, eine zu überqueren. Am Berliner Dom gibt es seit einiger Zeit wieder eine Passage. Sie ist mustergültig, wohl die passagigste Passage der ganzen Stadt. Drinnen befinden sich Cafés, Springbrunnen und ein ganzes Rudel bunter Buddy-Bären. Vom nicht weit entfernten Marx-Engels-Forum kann man geradewegs durch sie durchblicken und was man sieht ist - eine Wand. Na ja, Berlin ist eben verbaut, doch in die andere Richtung funktioniert der Blick. Der Baustil tut der Stadt gut.