Leninplatz | 16.12.05

Der Platz am Fuße dieser Hochhäuser hieß in der DDR Leninplatz und darauf stand ein riesiges Lenindenkmal aus rotem Granit. Als ich fünf war, stand ich das erste Mal staunend am Fuße des Giganten und fragte mich, wie oft ich wohl auf meine eigenen Schultern steigen müsste, um ihm an die Nase fassen zu können. 15 Jahre später ist das Denkmal nur noch halb so hoch, Kopf und Schultern fehlen. Die Demontage findet synchron zum Rückbau des Arbeiter-und Bauernstaates statt. Im Film 'Good bye Lenin' sieht man den halben Lenin am Hubschrauber hängend über die Karl-Marx-Allee fliegen. Das ist ein sehr symbolisches Bild, doch allein der Kopf des Denkmals war so groß und schwer - das hätte jeden Hubschrauber schlagartig in Richtung Boden befördert. Der alte Leninplatz heißt jetzt Platz der Vereinten Nationen. Das ärgert die Anwohner, denn das passt auf keinen Briefumschlag. Früher haben ein paar Spaßvögel immer die Schilder überklebt. Eine zeitlang hieß der Platz jeden Morgen 'Ritter-Runkel-Platz', doch man hat sich daran gewöhnt. Das Denkmal hat man übrigens im Gosener Forst vergraben, was die Symbolik des Ganzen nur unterstreicht. Das ist deutsche Vergangenheitsbewältigung in Reinkultur. Ich gehe stark davon aus, dass das Granit unverwüstlich ist und sie das Denkmal in einigen tausend Jahren wiederfinden werden. Man wird es dann als Zeugnis einer untergeganenen Kultur missverstehen und ihm, gleich dem Pergamonaltar, ein eigenes Museum bauen.