2by4
 
USA, 1997, 90min
Regie: Jimmy Smallhorne
Cast: Kimberly Topper, Marian Quinn, Jimmy Smallhorne
 
Wer sich den Luxus leisten kann, nicht unbedingt wissen zu müssen, worum es in einem Film geht, der und dem legen wir ans Herz, so wenig wie möglich über diesen Film im Vorfeld des Kinobesuches zu lesen. Nicht weil sich die Überraschungen die Klinke in die Hand geben, sondern weil der Film mit einer rohen Ehrlichkeit sein Ziel verfolgt, die mindestens ebenso das Publikum ergreift. Der Film ist eine Entdeckungsreise des Protagonisten über sich selbst und die ZuschauerIn tut gut daran, sich stets auf dem selben Wissenslevel zu befinden wie der immigrierte irische Bauarbeiter in New York, Johnny Maher. Für alle anderen nun unsere Besprechung:
 
Irischer Einwanderer erlebt in den nächtlichen Straßen der Bronx inmitten seiner sexuellen Identitätsfindung das Wachwerden alter Dämonen aus der Kindheit

Johnny genießt mit seiner Funktion als Vorarbeiter in der Baufirma seines Onkel Trump hohes Ansehen, ebenso wie in der irischen Gemeinde der nördlichen Bronx, in der er teilweise drogen- und alkoholunterstützt bis spät in die Nacht versackt. Seine Freundin liebt er, aber irgendwie wird Johnny, im Schlafe zunehmend durch Schrecken zerrüttet, unruhig. Die neuen Lederhosen zeigen bei Nachtschwärmern auf dunklen Straßen ihre Wirkung, oder sucht Johnny bereits die Nähe anderer Männer? Eines Nachts wird er Zeuge einer halb-anonymen Nummer seines Onkels auf der Baustelle, was seine Dämonen nur noch mehr aus der Verdrängung hervorzuholen scheint. Nur warum, ist Johnny noch nicht klar.

Der Versuch eines Beziehungsgebildes mit Christian droht aus unersichtlichen Gründen zu scheitern und seine Freundin Maria verzweifelt an der undurchdringlichen Mauer des Schweigens ihres immer mehr in Mitleidenschaft gezogenen Lovers...

 
Ob es um die Beziehungs- oder Kommunikationsunfähigkeit geht, das erschütternde nächtliche Hochschrecken oder etwa den traumatischen Absturz durch den Katalysator Droge, welcher gleichzeitig die Tür zum Unterbewusstsein unumgänglich eintritt, die schauspielerische und inszenatorische Virtuosität Smallhorns kommt einem Unikat gleich. Wenn der Oscar tatsächlich mehr wäre als bloßer Schein für die Befriedigung der Hollywood-Studios, Jimmy Smallhorn müsste fraglos der Academy Award für sowohl den besten Regisseur als auch für den besten Schauspieler zugesprochen werden.

2 by 4 ist mit Abstand der beste schwule Film seit Lilies (die deutschen LeserInnen seien daran erinnert, dass Lilies zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels bereits fast zwei Jahre alt ist), wahrscheinlich einer der drei bedeutendsten dieses Jahrzehnts. Und dies, obwohl 2 by 4 überhaupt nicht speziell an ein schwules Publikum gerichtet ist und sogar eine intensiv ambivalente schwule Sexszene enthält – ebenfalls so grandios wie nie zuvor in Szene gesetzt. Ein Meilenstein ist 2 by 4 vielleicht noch stärker für den männerzentrierten Missbrauchsfilm, soweit dieses Genre derzeit überhaupt richtig existiert.

 
ki, Park City – Berlin
Foto ©: Electric Head Productions
 
Deutschland: ?
US: ?
GB: ?
Frankreich: ?
 
gesehen während des:
Sundance Film Festival 1998
gelaufen während des:
8. Internationalen SchwulLesbischen Filmfestival - Verzaubert 1998
English version
 
Filmdaten:

Offizieller Link: Nicht vorhanden oder nicht bekannt.
 
copyright: Queer View, 6. April 1998