frauenkirche | 01.11.05
Am Sonntag fand in Dresden die Weihung der Frauenkirche statt. Ein für mich durch und durch bewegendes Ereignis. Dabei kann ich gar nicht genau sagen warum. Sämtliche religiösen Rituale sind mir fremd, die Reihenfolge der Gesänge und Gebete ist mir schleierhaft und obendrein suspekt. Mir ist klar, dass es sich um eine Kirche handelt und nicht etwa um ein politisches Symbol. Und doch bewegte mich wohl eher etwas Weltliches. 1991 war ich erstmals nach der Wende in Dresden. Damals war die Frauenkirche noch ein Trümmerfeld und es sprach nicht besonders viel dafür, dass sich das ändern würde. An sich war das auch in Ordnung, weil kaum jemand mehr den Steinhaufen als Kirche kannte. Erst 10 Jahre später stand ich wieder auf dem Platz vor der Frauenkirche. Nun war er voll mit Regalen, in denen Steine sortiert waren. Der Anblick der halben Kirche raubte mir den Atem. Ich fühlte mich ins 18. Jahrhundert versetzt. Dass man heute noch so bauen kann, war mir neu. Jedes der verbauten Sandsteinornamente ist eine Einzelanfertigung und damit ein Kunstwerk für sich. Die Ehrgeiz, mit dem der Aufbau betrieben wurde, machte mich sprachlos. Mein seither letzter Besuch war im Juli diesen Jahres. Die Kuppel der nun fertiggestellten Kirche war schon von weitem zu sehen. Um nichts Geringeres als ein Wahrzeichen handelt es sich. Dass die Kirche, jenseits aller Symbolträchtigkeit, irgendwann ein ganz normales Gotteshaus wird, ist zu bezweifeln. Vielleicht ist das aber auch gut so.
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