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Hilfe und Selbsthilfe e.V.

 

Der Mond war es nicht
Studie widerlegt angeblichen Einfluß auf die menschliche Gesundheit

Wer hätte das gedacht: Der Mond hat doch keinen Einfluß auf die menschliche Gesundheit. Das meinen zumindest der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder und der Linzer Chirurg Michael Schardtmüller in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift für Anomalistik. Klingt banal, doch ein einträgliches Esoterik-Geschäft lebt von der gegenteiligen Überzeugung. Immerhin 10,5 Prozent aller Deutschen glauben an einen Einfluß des Mondes auf die menschliche Gesundheit, ergab 1999 eine repräsentative Umfrage, die das Freiöl-Institut für Hautforschung in Nürnberg in Auftrag gegeben hatte.

Für die beiden Wissenschaftler Grund genug, sich des Themas mit gängigen statistischen Methoden anzunehmen. Sie untersuchten die Daten von 228 Operationen in Abhängigkeit von der Mondphase und stellten fest, daß es keinerlei Zusammenhang zwischen der Zahl der Komplikationsfälle und der Mondphase gibt. Auch auf die Genesungszeit war kein Einfluß des Mondes festzustellen. »Alles Unsinn und unnötige Angstmache«, lautet das Fazit der Untersuchung. In populären »Mond-Ratgebern« ist in den vergangenen Jahren immer wieder davor gewarnt worden, sich bei Vollmond operieren zu lassen. Besonders der Millionen-Bestseller »Vom richtigen Zeitpunkt« der Autoren Johanna Paungger und Thomas Poppe hat in jüngster Zeit entsprechende Warnungen verbreitet. »Unzählige Patienten, die vor ohnehin belastenden Eingriffen stehen, wurden dadurch zur Vollmondzeit immer wieder zusätzlich verunsichert und versuchten, kurzfristig eine Verlegung des Operationstermins zu erreichen«, so Wunder, der auch Geschäftsführer des Vereins Forum Parawissenschaften e.V. ist. Der Soziologe hält die sensationsheischenden Warnungen für »abenteuerlich und ethisch unverantwortlich«. (wop)

Die Studie, die den lyrischen Titel »Moduliert der Mond die perioperative Blutungsgefahr und andere Komplikationsrisiken im Umfeld von chirurgischen Eingriffen?« trägt, ist im Internet abrufbar unter:
http://www.forum-parawissenschaften.de

Quelle: Junge Welt vom 26.01.02