- INTERIM -
Hilfe und Selbsthilfe e.V.

 
 

Was ist eine Sekte ?

Welche Kriterien sind für unsere Arbeit bei INTERIM ausschlaggebend ?

15 Orientierungspunkte zur Beurteilung einer Gemeinschaft

Möglichkeiten der Differenzierung

 

Was ist eine Sekte?

Immer wieder werden wir von verunsicherten oder interessierten Menschen gefragt, was eine Sekte sei bzw. was wir von INTERIM darunter verstehen. Aussteiger aus den verschiedensten Gemeinschaften wollen Gewißheit darüber, daß ihre Entscheidung, eine gewisse Gruppe verlassen zu haben, richtig war. Eltern, die Kinder, oder Menschen, die einen Bekannten in "so einer komischen Gruppe" haben, möchten gern klare Auskünfte und wissen, ob sie sich Sorgen machen müssten oder nicht. Erstaunt und manchmal irritiert hören dann Fragende in Gesprächen mit uns, daß wir in der Regel nicht so einfach eine Gemeinschaft als Sekte bezeichnen oder eine Gemeinschaft einfach von jeglichem Bedenken freisprechen können. Einer eindeutigen Antwort auf die Frage, welcher Gemeinschaft man sich denn nun anschließen könnte (nachdem man eine "Sekte" verlassen habe), bleiben wir häufig mit dem Verweis auf die Eigenverantwortlichkeit und die Bedürfnisse des Suchenden sowie der Erläuterung einiger Orientierungspunkte schuldig.

Nun gibt es Definitionen darüber, was eine Sekte sei bzw. nicht sei, wahrscheinlich so viele, wie es Menschen gibt, die sich mehr oder weniger intensiv mit dieser Thematik beschäftigen. Nicht nur Theologen äußern sich zum Thema. Auch Psychologen und Soziologen definieren bzw. beschreiben das Phänomen.

Bis heute ist zu diesem Thema wahrlich viel geschrieben und diskutiert worden. In einigen kirchlichen und freikirchlichen Kreisen ist man noch häufig der Ansicht, daß das Phänomen "Sekte" etwas sei, das a) weit von einem selbst und der eigenen Gemeinschaft entfernt und b) klar definierbar sei. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages hat der Begriffsbestimmung ein eigenes Kapitel in ihrem Abschlußbericht gewidmet, mit dem Ergebnis: "Die unterschiedliche Herkunft und der unterschiedliche Gebrauch des Begriffs "Sekte" macht seine Verwendung außer in klar umrissenen Zusammenhängen (etwa theologischer oder religionswissenschaftlicher Art), sehr problematisch. Zur Abgrenzung von "konfliktträchtigen" gegenüber "nicht konfliktträchtigen" Gruppen ist er kaum geeignet. Er gibt zudem nichts her zur Kennzeichnung konkreter Konflikte." (Drucksache 13/10950; S.19) In der Publikation der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport des Landes Berlin "??? ,Sekten‘ ??? Risiken und Nebenwirkungen – Informationen zu ausgewählten neuen religiösen und weltanschaulichen Bewegungen und Psychoangeboten" wird auf die Schwierigkeiten eingegangen, die der Gebrauch des Begriffs Sekte für eine weltanschaulich neutrale Stelle mit sich bringt. 1

Nun meinen wir von INTERIM nicht, auch noch einen Artikel zur Begriffsbestimmung beitragen zu müssen und zu können. Vielmehr möchten wir auf die beiden erwähnten Veröffentlichungen und auf das Buch "Was ist eine Sekte?" von Dr. Hansjörg Hemminger verweisen, in welchem er u.a. versucht zu verdeutlichen, daß die Grenzen zwischen dem, was "Sekte" ist bzw. nicht ist, oftmals sehr fließend und wandelbar sind. Jede Gemeinschaft, die sich einer absoluten Wahrheit verpflichtet fühlt, trägt, lt. Hemminger, latent das Potential in sich, zu "versekten". Auf der anderen Seite können aber auch Gemeinschaften aufgrund von bestimmten Einflüssen und Entwicklungen "entsekten". Deshalb ist es unseres Erachtens notwendig, sich von pauschalen Verurteilungen und festgelegten Feindbildern zu verabschieden. (siehe auch "Möglichkeiten der Differenzierung")

Besonders bei sehr dynamischen Gemeinschaften, in denen die Lehre und die Praxis sehr wandelbar sind und innerhalb der eigenen Bewegung sehr variieren können, wie z.B. in der christlich-charismatischen Bewegung, ist es entscheidend, aktuelle Entwicklungen und Ausprägungen zur Meinungsgrundlage (bei aller notwendigen Berücksichtigung historischer Ereignisse) zu machen.

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Welche Kriterien sind für unsere Arbeit bei INTERIM ausschlaggebend?

Zuerst einmal möchten wir darauf hinweisen, daß es das Kriterium und die Ansicht bei INTERIM nicht gibt. Jeder von uns bringt unterschiedliche Erfahrungen und Schwerpunkte der Betrachtung mit. Wie bereits angedeutet, ist es z.B. entscheidend für die Beurteilung einer Gruppe, ob man nun etymologische, religionswissenschaftliche, theologische, sozialpsychologische oder allgemeine gesellschaftliche Kriterien zum Maßstab macht. Es liegt in unserem Selbstverständnis begründet, daß wir weder dogmatisch noch allgemein verbindlich aus der Position des "Wir wissen wie und was." an diese Thematik herangehen wollen und können. Aufgrund unserer bisherigen Arbeit sowie den Erkenntnissen der oben erwähnten Veröffentlichungen meinen wir aber sagen zu können, daß es, anstatt von einer Sekte zu sprechen, besser ist, von dem Konfliktpotential bzw. der Konfliktträchtigkeit einer Gemeinschaft oder Glaubensüberzeugung zu sprechen (siehe Abschlußbericht der Enquete-Kommision). Dabei versuchen wir zu berücksichtigen, daß persönliche Überzeugungen und jede Form religiöser Hingabe, die sich nicht mit dem gesellschaftlichen Konsens decken, Konflikte mit sich bringen 2 können. Doch fragen wir immer, ob bestimmte Konflikte sein müssen. Immerhin leben wir in Deutschland in einer Gesellschaft, die in Art.4 ihres Grundgesetzes jedem Bürger das Recht auf Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit zuspricht und von daher eine Kontrolle oder positive bzw. negative Sanktionierung eines bestimmten Glaubens seitens des Staates ausgeschlossen ist. Es ist für das Leben in unserer Gesellschaft erst einmal unerheblich, ob jemand Moslem, Katholik, Protestant oder Zeuge Jehovas ist.

Einige Gemeinschaften, die sich in diesem Grundrecht beschnitten sehen und dieses immer wieder lautstark und medienwirksam einklagen, vergessen manchmal, daß die Väter des Grundgesetzes jedoch vor den Art. 4 einen Art. 1 gesetzt haben, in dem es heißt: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." und daß in Art. 2 die freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit (was auch den persönlichen Glauben beinhaltet) an die Unverletzbarkeit der Rechte anderer gebunden ist.

Das bedeutet, daß ich mein Recht auf Glaubensfreiheit soweit wahrnehmen kann und darf, wie ich die Rechte und die Würde anderer Menschen nicht verletze. Wenn es also hier und da Kritik an einzelnen Gemeinschaften gibt, richtet sich diese häufig nicht gegen den Glauben als solchen (obwohl diese Gruppen dies gern so darstellen), sondern gegen doktrinäre und totalitäre, teilweise krankmachende und in Abhängigkeiten führende Strukturen und Methoden. (Oder sollen wir, um es an einem extremen Beispiel zu verdeutlichen, die rituelle Tötung oder Verstümmelung von Menschen zulassen und wegschauen, nur weil die Anhänger einer Gemeinschaft diese Handlungen damit begründen, daß sie Teil ihres Glaubens seien?)

Aber wieder zurück zur Ausgangsfrage. Dadurch, daß wir anstatt von "Sekte" von einem "konfliktträchtigen Potential" einer Gemeinschaft oder Glaubenspraktik sprechen, können wir Merkmale bestimmter Gruppen beschreiben, die a) teilweise aus anderen weltanschaulichen oder religiösen Traditionen stammen ohne ihnen unsere "christliche Sektendefinition" überzustülpen und ohne b) die Anhänger zu etikettieren. Dies hilft uns auch dabei, Nichtbetroffenen verständlich zu machen, daß die Bedürfnisse sich einer solchen Gruppe anzuschließen oder das Leiden und die Probleme, die Menschen eventuell aufgrund der Zugehörigkeit erleben, oft sehr ähnlich sind, unabhängig vom weltanschaulichen Hintergrund der jeweiligen Gemeinschaft. Zwar äußern wir uns, gerade bei Gemeinschaften mit christlichem Anspruch aus einer persönlichen Betroffenheit heraus immer wieder auch zu Fragen des christlichen Glaubens, doch beanspruchen wir dabei nicht den klerikalen Richterstuhl (bei aller Leidenschaft in der Auseinandersetzung). Alles Wissen ist Stückwerk und menschliches Leben und Erleben so unterschiedlich und vielfältig, daß wir nicht umhin können, auch "Kurioses" und vielleicht "Fremdartiges" teilweise "wertfrei" stehenzulassen und uns letzter Urteile zu enthalten.

Ein für uns weiterer wichtiger Punkt ist der, daß es vorkommen kann, daß Krisen und Schwierigkeiten, die während oder im Anschluß an die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft auftreten, nur sekundär mit dieser zusammenhängen bzw. schon mit in die Gemeinschaft hinein genommen wurden oder sogar mit Hilfe dieser Gemeinschaft gelöst werden sollten. Zwar gilt unser Beistand immer den Rat- bzw. Hilfesuchenden, doch müssen wir uns im Interesse der Sachlichkeit und Fairneß - und auch im Interesse der Ratsuchenden selbst - um eine differenzierte Sichtweise bemühen und uns von pauschalen Stigmatisierungen bestimmter Gemeinschaften und Vereinfachungen bei der Problemanalyse fernhalten. Was hilft es z.B. einem Menschen zu wissen, daß die Gruppe X eine Sekte war und er nun froh sein kann, sich von dieser getrennt zu haben, ohne die Bedürfnisse und biographischen Muster zu erkennen, die ihn, bei aller Manipulation, hineingehen ließen? Es geht doch bei dem Neuanfang nach der Gruppe nicht nur um das Wissen darüber, daß diese "falsch" war, sondern auch um die Vermeidung der Wiederholung in neuem Gewand und um eine Lebensqualitätsverbesserung.

Hier sehen wir von INTERIM eine der wichtigsten Aufgabe bei der Unterstützung Betroffener und in der präventiven Arbeit. Es geht eben nicht nur darum, zu wissen, was man nicht möchte, sondern auch um das Erkennen möglicher Alternativen und um neue Handlungsstrategien. Aus diesem Grunde treffen sich seit Beginn dieses Jahres einzelne Teilnehmer unseres Selbsthilfegesprächskreises zu einem separaten Glaubensgesprächskreis. Dieser Kreis ist ein ergänzendes Angebot für Menschen, die ganz gezielt über ihren Glauben, ihre Gotteserfahrungen und ihre Erlebnisse in bestimmten Gemeinschaften sprechen möchten. Im Gegensatz zum Selbsthilfegesprächskreis, in dem es weitestgehend weltanschaulich neutral zugeht und theologische bzw. speziell christliche Themen nicht oder kaum angesprochen werden, bietet der Glaubensgesprächskreis dazu die Möglichkeit. Er versteht sich dabei weder missionarisch, noch als verlängerter Arm eines bestimmten Bekenntnisses, noch möchte er ein eigenes Sinnangebot darstellen. Wie im Selbsthilfegesprächskreis sind die Achtung und Wertschätzung der einzelnen Teilnehmer untereinander das tragende Fundament, das auch Unterschiede aushält und Spannungen zuläßt. Im Sinne einer INTERIM-Lösung können hier Menschen, die sich (noch) keiner neuen Gemeinschaft anschließen möchten, mit anderen, die ähnlich enttäuschende Erfahrungen mit Gemeinden oder Glaubensformen gemacht haben, Gedanken austauschen und reden. Hier sprechen die Teilnehmer u.a. über Erwartungen und Enttäuschungen, über Vertrauen und Mißtrauen, über Ängste und Hoffnungen, über Vergangenes und Zukünftiges, über "gute" und "schlechte" Gottesbilder, aber auch über Manipulation und geistlichen Machtmißbrauch.

Dieser Gesprächskreis ist nur eine von vielen denkbaren Möglichkeiten, Betroffenen Räume zu schaffen, offen und ehrlich über Gott, die Welt, sich selbst und die eigenen Erfahrungen zu reden, ohne Angst haben zu müssen vor Ausgrenzung oder Abwertung, damit sie gemeinsam und selbstbestimmt nach neuen individuellen Wegen suchen können.

Diese Bemerkungen möchten wir vorangestellt haben, bevor wir nun versuchen zu verdeutlichen, woran wir von INTERIM uns bei der Beschreibung eines eventuellen Konfliktpotentials einer Gemeinschaft orientieren.

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15 Orientierungspunkte zur Beurteilung einer Gemeinschaft

In der Frage nach Merkmalen einer möglichen Konfliktträchtigkeit folgen wir hauptsächlich den Ausführungen Dr. Hemmingers, nach denen folgende Merkmale auf eine solche hinweisen und zu Problemen im Innern und mit der Außenwelt führen können:

  1. ein Monopolanspruch auf die Wahrheit gegenüber anderen Gemeinschaften der gleichen Tradition (Wahrheitsbesitz für die eigene Gruppe)

Die Anhänger glauben, das Ursprüngliche, das Verlorengegangene oder das bisher Unbekannte entdeckt zu haben oder wiederherzustellen. Ob es sich dabei um eine Gemeinschaft handelt, die sich auf die Bibel beruft und der Meinung ist, sie allein hätte den wahren christlichen Glauben oder den Psychoseminaranbieter, der behauptet, nur seine Therapieform würde den Menschen helfen oder den hinduistischer Guru, der seine Meditationstechnik als alleinigen Weg zur Erleuchtung anpreist ist unerheblich. Sie alle verbindet die Ansicht, daß andere Gruppen des selben weltanschaulichen Kontextes (hier: Christentum, Psychologie, Hinduismus) im Irrtum, ohne Wahrheit, verblendet oder abgefallen sind.

  1. ein Monopolanspruch auf Rettung, Erlösung oder Heil (Heilsbesitz für die eigene Gruppe)

Der zweite Punkt ergibt sich zwangsläufig aus dem ersten. Da andere Gruppen die Wahrheit nicht haben oder kennen, kennen sie auch nicht den Weg zur Rettung. Die Bindung an die einzig wahre Gemeinschaft ist der einzige Weg. Deshalb kann man sich auch nicht von der Gemeinschaft trennen, wenn es Schwierigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten gibt, ohne sein Heil zu verlieren. Dies nötigt Menschen dazu, in einer Gemeinschaft zu bleiben und in dieser mehr oder weniger gut zu funktionieren, auch wenn sie sich nicht mehr wohl fühlen oder diese lieber verlassen würden. Die Angst vor der Vernichtung und dem Ausgegrenztsein vom Heil ist vorprogrammiert und manchmal die einzige Triebfeder, in der Gruppe zu bleiben. Der Glaube ist dann nicht eine positiv nach vorn gerichtete Hoffnung, sondern auf die Vermeidung des Furchtbaren gerichtet. Dies gilt übrigens nicht nur für religiöse Gruppen. Auch Psychoseminaranbieter u.a. säkulare Gruppen haben solche oder ähnliche "Lehrpunkte". Der Unterschied besteht nur in einem anderen Verständnis von "Heil" und "Unheil", was in diesen Gruppen z.B. innerweltlich psychologisch, materiell oder familiär verstanden werden kann.

  1. Größenideen, irreale Machbarkeitsvorstellungen und überwertige Ideen (Recht und Macht exklusiv für die eigene Gruppe)

Hierbei geht es u.a. um irreale Heilungs-, Erfolgs- oder Wohlstandsversprechen. Das Gefühl, nicht mehr ohnmächtig vom Schicksal hin- und hergeworfen zu werden, sondern dank der neuen Erkenntnis oder mit Hilfe der göttlichen Macht Einfluß zu haben auf das eigene und das Leben anderer Menschen, auf Gesundheit, Glück und Erfolg fasziniert. Vertreter solcher Ansichten argumentieren häufig, daß man nur die richtige Technik, den richtigen Glauben, die richtige Lehre haben muß (welche dann immer genau die des Redners ist), und schon ist der Erfolg zwangsläufig. Werden die Erwartungen jedoch nicht erfüllt, leidet der Betroffene häufig unter starken Schuld- und Angstgefühlen, denn solche Vorstellungen üben einen enormen Erfolgsdruck aus und bergen die Gefahr in sich, die Realität verleugnen zu müssen. Tritt der Erfolg nicht ein, ist nicht die Technik, die Lehre oder der Glaube falsch, sondern der einzelne, der dann nicht richtig geglaubt oder die Technik nicht richtig angewandt hat. Gibt es keine sichtbaren Gründe für das Versagen, sind angebliche Bindungen, verborgene Sünden aus diesem oder dem vorherigen Leben oder unbewußte Blockaden schuld. Niemals jedoch läßt der Repräsentant eines solchen Systems Kritik an diesem zu. Somit sind das System und sein Repräsentant immer die Gewinner. Die Hilfesuchenden, da sie keine echte Hilfe bekommen, sind die Verlierer, denn sie haben nicht nur weiterhin mit ihrem Problem zu kämpfen, sondern zusätzlich auch noch Angst-, Schuld- und Versagensgefühle.

  1. eine Schwarz-Weiß-Strukur des Denkens, die Aussagen in absolut richtig und falsch trennt (keine Teilwahrheiten)

Mehrdeutigkeit von Situationen belastet 3, während Eindeutigkeit entlastet. Fast alle Menschen streben aus dem labilen Zustand der Mehrdeutigkeit in den (zumindest scheinbar) stabilen der Eindeutigkeit. Ist eine Gruppe durch ihre Lehren in der Lage, etwa durch eine einleuchtende Interpretation der Gegenwart, eine eindeutige Lösungsstrategie für Probleme anzubieten, die vielleicht zu einer Krise geführt haben, wird man ihr folgen, wenn es ihr nur gelingt:

  1. andere Alternativen als minderwertig zu denunzieren,
  2. konkurrierende Analysen als unzutreffend zu behaupten,
  3. das Krisenbewußtsein zu steigern und
  4. die Repräsentanten des bestehendes Zustands als überlebt zu karikieren.

Zwar gibt es durchaus Fragen, die eine eindeutige Beantwortung zulassen, doch gibt es, nicht nur im Bereich des Glaubens, immer wieder auch Thematiken, in denen ein "sowohl als auch" oder ein "im Prinzip schon, aber ..." notwendig sind, um der Alltagsrealität gerecht zu werden. Unsere Welt läuft eben nicht immer nach der Regel: A geht B voraus, und dann folgt automatisch C. Das Sprichwort: "Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt." findet in vielen Erfahrungen der Menschen seine Bestätigung. Ebenso sind ethische oder Schuldfragen manchmal nicht in monokausalen Zusammenhängen erklärbar, aus denen sich dann ein für immer richtiges bzw. falsches Verhalten definieren ließe. Man vernachlässigt die Komplexität und Vielgestaltigkeit der Welt und ihrer Zusammenhänge, wenn man meint, auf alles eine eindeutige Antwort geben zu können. Es gibt eben nicht nur Freund oder Feind, sondern auch Bekannte, nicht nur Gut oder Böse, sondern auch Neutrales, nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern auch Grau, nicht nur Richtig oder Falsch, sondern auch das "kleinere Übel".

Auch vergessen die Vertreter solcher Denk- und Glaubenssysteme, daß Gewichtung von Fakten und ihre Interpretation sowie die Wahrnehmung viel mit der eigenen Person, eigenen Vorurteilen und Erfahrungen zu tun haben. Eine objektive, alles berücksichtigende Beschreibung eines Stückes Schokolade scheint schon unmöglich (Inhaltsstoffe, chemische und technische Prozesse bei der Herstellung, Auswirkungen des Verzehrs auf Körper und Seele, Histori-sches und Sozioökonomisches, ...). Aber Gott und die Welt, Unsichtbares und Transzendentes meint man in einfachen Sätzen und in Schwarz und Weiß definieren zu können?

  1. eine Vision vom kurz bevorstehenden Weltuntergang und der exklusiven Rettung in der eigenen Gruppe

Im Zusammenhang mit den vorher genannten Punkten geht es hier um das Ansprechen starker emotionaler Ängste, aus denen man bei Bedarf eine gut motivierte Gemeinschaft formen kann, die bereit und Willens ist, alles einzusetzen, um der vermeintlich herannahenden Katastrophe zu entgehen bzw. diese zu überleben. Eingesetzt werden dann finanzielle Mittel zur Förderung der Idee oder zur Unterstützung des Meisters bei seiner wichtigen Aufgabe, Zeit, um andere Menschen "zu retten" (missionieren) und menschliche Arbeitskraft, um alles für das Ende vorzubereiten. So läßt sich zum Beispiel feststellen, daß der Missionseinsatz und der -erfolg ansteigen, wenn man seinen Anhängern vermitteln kann, daß das Ende "nahe herbei gekommen ist." Dabei ist der Einsatz für die Anhänger jedoch nicht nur wichtig zur Errettung "verlorener" Menschen, sondern er dient häufig der Erarbeitung des eigenen Heils. Immerhin muß der Anhänger beweisen, daß er der Führung und ihrer Vision geglaubt und alles gegeben hat, was in seinen Kräften stand. Angst ist zwar keine gute, aber eine starke Motivation.

  1. ein weltanschaulich begründetes magisches Denken

Magisches Denken ist vielen Menschen (nicht nur) aus der eigenen Kindheit bekannt. "...in dieser frühen Zeit (Vorschulalter) (sind) Symbole von dem, was sie darstellen, noch nicht wirklich getrennt .... In magischer Weise sind die Symbole mit dem, wofür sie stehen, verbunden. Ein bildlich dargestelltes Tier kann deshalb ebenso Angst einjagen wie ein lebendiges Tier." 4 Auch wenn viele Christen dieses magische Denken weit von sich weisen, ist es doch in verschiedenen christlichen Gemeinden im Glaubenssystem zu finden, so z.B. im Taufverständnis (Der Moment der Taufe ist der Moment der Rettung.), im Abendmahlsverständnis (Der Moment der Einnahme von Wein und Brot ist der Moment der Sündenvergebung.) 5 oder auch im Gebetsverständnis (Gebet als Zauberspruch oder "Gott kann ohne mein Gebet nicht handeln."). So normal magisches Denken in der kindliche Entwicklung auch ist, so normal sollte es jedoch auch sein, diese Form des Verstehens der Welt und der Bedeutung von Symbolen "hinter sich" zu lassen. Zwar neigen auch Erwachsene immer wieder zu magischem Verstehen und Deuten, doch sollte dies nicht zur alltäglichen Norm werden.

Magisches Denken bedeutet aber auch, allen Dingen und Ereignissen eine "tiefere" oder "höhere" Bedeutung zuzusprechen. Fährt einem z.B. morgens der Bus weg, "hat Gott das so eingerichtet" oder es ist eine "Anfechtung vom Teufel". Diese Art Interpretation von Umweltereignissen ist stark egozentrisch oder narzistisch geprägt. Alles was geschieht, hat mit dereigenen Person zu tun. Man ist wichtig und Gott lenkt alle Ereignisse um einen herum. Man selbst steht im Zentrum und alles was geschieht, soll einem etwas sagen.

Dieses Denken gedeiht u.a. auf dem Boden der irrealen Machbarkeitsvorstellungen und der überwertigen Ideen und hat nur bedingt mit einem vertrauensvollen Glauben an Gott zu tun, der degradiert es doch das Göttliche dazu, die eigene Person bei der Selbstbespiegelung zu unterstützen oder ein übersteigerten Selbstwertgefühl zu bestätigen. Zwar gibt es hier und da Menschen, die ohne größere Probleme in solcher Art und Weise "glauben", doch kann es, wenn diese Deutungen lehrmäßig zur verbindlichen Norm einer Gemeinschaft gemacht werden, bei manchen Personen Konflikte (nicht nur) im innerpsychischen Bereich auslösen und sogar zu Wahnvorstellungen und starken Ängsten führen.

  1. starre Geschlossenheit nach außen hin, ungewöhnliche Gruppenkohäsion

"Eine radikale ... Gruppe präsentiert sich beim ersten Kennenlernen in der Regel als eine soziale Einheit, deren Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl von der Unverbindlichkeit und Uneinigkeit anderer Gemeinden und Kirchen absticht. Fachlich gesagt: Die Gruppenkohäsion ist stark, die gegenseitige Verantwortung hoch entwickelt, wer dazugehört, hat keine Isolierung oder Vereinsamung zu befürchten. Ein solches Gemeinschaftserlebnis wirkt besonders anziehend, wenn man in Beziehungsproblemen und Kontaktschwierigkeiten steckt, wenn die bisherige Gemeinde scheinbar nicht helfen kann, wenn man sich dort unverstanden fühlt. Die Möglichkeit, durch die starke Gruppenkohäsion äußere und innere Ängste zu kompensieren oder eine angeschlagene Identität zu stützen, ist attraktiv. ... (Man) tauscht ... allerdings i.d.R. nur kurzfristige gegen langfristige Probleme aus. Die überstarke Identifikation mit der Gruppe geht auf Kosten der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Es kommt zur Entfremdung von den eigenen Ideen, Wahrnehmungen und Gefühlen zugunsten der Gruppeneinflüsse, bis hin zur Entfremdung vom eigenen Körper. Beim seelisch gesunden Menschen muß die Fähigkeit, auf andere zu hören, im Gleichgewicht stehen zur Fähigkeit, auf sich selbst zu hören. ... Man sollte die durch die starke Gruppenkohäsion erzeugte Nestwärme auch nicht mit Nächstenliebe verwechseln. Reife Liebe setzt eine eigene Identität voraus. Sie setzt voraus, daß es einen Abstand zwischen Ich und Du gibt, aus dem heraus das Ich sich dem Du frei nähern kann. ... Distanzlose Nähe, die zur Abwehr unbewußter Ängste dient, ist keine Nächstenliebe." (Hemminger)

  1. ein Unterschied zwischen "innerer Wahrheit" und Außendarstellung (doppelte Wahrheit)

Fragt man Vertreter einiger elitärer Gemeinschaften direkt, ob sie der Meinung seien, daß nur sie die Wahrheit besitzen und nur durch sie die Menschen gerettet werden können, hört man oft zur Überraschung Antworten wie: "Das können wir nicht beurteilen. Gott richtet die Herzen der Menschen und nur er entscheidet darüber, ob ein Mensch richtig mit ihm steht oder nicht." Das klingt weder elitär noch rechthaberisch. Ganz im Gegenteil. Das klingt bescheiden und demütig und führt den Fragenden häufig zu dem Schluß: "Na so schlimm kann die Gruppe ja nicht sein." Ungeachtet dieser Aussagen liest man aber in internen Schulungs- oder Lehrmaterialien solcher Gemeinschaften, daß alle anderen Organisationen oder Gruppen ohne Wahrheit, ohne Geist, gottlos oder in der Hand des Verderbers seien. Die nach außen dargestellte Toleranz und Demut entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Lüge und Maskerade.

Leider gilt dies auch für einige Prediger und Leiter innerhalb der charismatischen Bewegung. Sie trachten zwar vordergründig nach ökumenischen Beziehungen zu Gemeinschaften anderer Konfessionen und geben sich den Anschein der Toleranz und Brüderlichkeit. Nach Aussagen ehemaliger Mitglieder solcher Gemeinschaften wird aber innerhalb einiger charismatischen Leiterkreise und Gemeinden für eine notwendige Erweckung der anderen Gemeinden gebetet (eine charismatische natürlich), so daß das Ziel dieser ökumenischen Zusammenarbeit die Charismatisierung anderer Gemeinden zu sein scheint. Die Einteilung in eine Zwei-Klassen-Christenheit, mit geistgetauften und unerweckten Christen, ist noch immer anzutreffen. Diese doppelten Wahrheiten kennen häufig nur Insider oder ehemalige Mitglieder. Der unvoreingenommene, manchmal naive Beobachter wird von der Fassade der Freundlichkeit und Akzeptanz getäuscht und meint in den Äußerungen der Aussteiger nur verletzte Gefühle und private Rache zu entdecken. Zu unserem "Glück" gibt es aber auch Prediger, die ihr Denken nicht verleugnen und offen davon sprechen, daß Christen, denen bestimmte Geistesgaben fehlen, dumm sind. So äußerte sich vor kurzem hier in Berlin ein amerikanischer Heilungsevangelist.

  1. eine totalitäre Innenstruktur der Gruppe mit "steiler" Hierarchie

"Wenn der Esoterisch-Eingeweihte mit seinem geistigen Führungsanspruch über Wissen zu verfügen glaubt, das die Geheimnisse des gesamten Universums umfaßt, dann ist dieser geistigen Führungsanspruch auch unbegrenzt, total, totalitär."6 Das es durch solche Strukturen zur Entmündigung und Entwertung des einzelnen Mitgliedes kommt, verwundert nicht."Kurz: Es scheint zweifelhaft, daß aus esoterischer Tradition ... demokratisches Denken abgeleitet werden kann. Entscheidend ist deshalb, was heutige Esoteriker konkret aus dieser Weltanschauung machen."7

Führungsansprüche, die sich aus einem geistlichen, spirituellen oder psychologischen Wissen ableiten, gibt es natürlich nicht nur in der Esoterik. Der Kanal Gottes, das alleinige Sprachrohr Christi, die einzig wahre Gemeinde, der Entwickler der richtigen Technik zur Lösung deiner Probleme, der Entdecker uralten Wissens, sie alle sind Vertreter eines totalitären, nicht hinterfragbaren (weil von Gott oder anderen übersinnlichen Wesen gestiftet und durch die "Erfahrung vieler bestätigt") und im ureigensten Sinne des Wortes undemokratischen Denksystems, daß den einzelnen entmündigt und der Leitung ein Macht- und Entscheidungsmonopol zuspricht, daß letztendlich bis in die intimsten und privatesten Bereiche der menschlichen Existenz hineinreicht. Hierarchien in diesen Gemeinschaften sind nicht organisatorische Hierarchien zum Zwecke der Aufgabenteilung und -deligierung, sondern Erleuchtungs- oder Salbungshierarchien. Je höher jemand in der Hierarchie steht, desto näher ist er dem Göttlichem, je weiter ist er in der Persönlichkeitsentwicklung, desto heiliger und erleuchteter ist er.

In einigen christlichen Gemeinden werden solche Hierarchien mit einer "Discipleship"-Doktrin begründet. Neulinge werden als "Babys" oder "Babychristen" bezeichnet. Das Verständnis, das die Leitung von "den Neuen" hat, kommt hier deutlich zum Ausdruck. Unmündig und unwissend ist das neue Mitglied, deshalb muß es "an die Hand genommen" werden. Aus diesem Grund wird es auch ganz stark in Beziehungen und Kreise eingebunden. Daß dem Neuling dadurch weder Zeit noch Raum bleibt, das Geschehen kritisch zu reflektieren, ist der Führung nur Recht. Dem Neuen wird häufig ein "Freund" an die Seite gestellte, der oft Lehrer und Wachhund zugleich und selbst einem "großen Bruder" unterstellt ist, dem er Rechenschaft geben muß über Erfolge und Mißerfolge seines Schützlings.

  1. Personenkult um die Zentralgestalt der Gruppe, Entpersönlichung der Anhänger

Auch wenn Anhänger verschiedenster Gruppen immer wieder betonen, nicht Menschen, sondern Gott (oder dem Göttlichem) zu folgen, gibt es einen starken Personenkult um die Führungsfigur(en). Dabei geht es um mehr als bei dem Starkult eines Teenies. "... Der Ort des Personenkults ist die Psyche des Anhängers oder der Anhängerin, denn die scheinbaren Lichtgestalten (Prophetin, göttlicher Meister, "treuer Knecht" oder weiser Gottesmann) werden durch die individuellen und kollektiven Projektionen der Anhängerschaft erzeugt. In der Bindung an die projektiv erzeugten und verehrten "Überpersonen" wird die Daseinsohnmacht der sich hin gebenden "Unterperson" scheinbar aufgehoben. Die Meisterpersonen verkörpern die Macht über das eigene Leben, die man als Anhänger nicht hat und nicht haben kann. Sie verkörpern Zukunftsgewißheit, Trittsicherheit auf dem Lebensweg und Zielsicherheit an seinem Ende." (Hemminger)

Die Entpersönlichung des Anhängers ist die Kehrseite dieses Personenkults. Die Anhänger werden zu "Unterpersonen", die wenig gelten. Das Delegieren von Entscheidungen und Verantwortlichkeiten von unten nach oben ist eine von vielen Folgen. Unmündig und unwissend wie der Anhänger sich erlebt, tut er scheinbar gut daran, Entscheidungen denen zu überlassen, die schon weiter und weiser, geistlicher oder spiritueller sind.

Personenkult und Entpersönlichung sind Versuchungen, denen auch christliche Gemeinden erliegen können. Prominente Leiter und (besonders gesalbte) Prediger können leicht zu Projektionsflächen ihrer Anhänger werden. Auch Seelsorger sind dem ausgesetzt. Das "Sag mir doch, was ich machen soll." oder "Erbitte doch Gottes Willen für mein Leben." schmeichelt dem Seelsorger und gibt ihm das Gefühl von Bedeutsamkeit und Macht. Geht der Seelsorger auf diese Art der "Hilfe" ein und durchschaut er nicht die Mechanismen von Projektion und Abhängigkeit, hält er den Betroffenen in dieser Unmündigkeit und bindet ihn an die eigene Person. Denn das Fragen der Hilfesuchenden ist häufig weniger Ausdruck von Demut und einer situativen Ratlosigkeit. Vielmehr ist es oft Ausdruck von Minderwertigkeitsgefühlen und der Sehnsucht nach Abgabe von Eigenverantwortung. Dabei kommt es nicht selten vor, daß den Mitgliedern einer Gruppe oder den Anhängern eines Predigers diese Minderwertigkeitsgefühle erst durch die vermittelte Lehre und Praxis beigebracht werden. Dabei sollte doch gerade in christlichen Gemeinden solchen Entwicklungen entschieden entgegen gewirkt werden.8

  1. starke Kontrollbefugnisse der Führung, eine ausgeprägte Befehls-Gehorsams-Beziehung von oben nach unten und ein starker Zugriff der Führung auf die Gestaltung des Alltags bei den Anhängern

Da die Führung über das richtige Wissen verfügt und unterscheiden kann zwischen Heil und Unheil, Wahrheit und Irrtum, Menschlichem und Göttlichem, weiß sie natürlich auch, wie man dem entsprechend leben muß, welche Gesetze befolgt und welche Regeln eingehalten werden müssen um Gesundheit, das Heil oder das Göttliche zu erlangen bzw. zu behalten. Und die Führung sorgt natürlich dafür, daß diese Regeln eingehalten und durchgesetzt werden. Entscheidungen verlaufen immer von oben nach unten, von der Leitung zum Fußvolk.

Die Unwissenden müssen ja geführt werden und können nicht für sich alleine sorgen oder Entscheidungen selbständig treffen. Die Reglementierungen reichen von Speisevorschriften über Kleiderordnungen, von der Partner- über die Berufswahl, von Waschgewohnheiten über die Zeiteinteilung bis zu Vorschriften darüber, an allen Gruppenveranstaltungen teilzunehmen, welche Freunde "gut für dich sind" oder wo man leben und sich "für Gott einsetzen" soll. Und da die Einhaltung der Regeln am effektivsten kontrolliert werden kann, wenn man seinen Schützling 24 Stunden beaufsichtigt, wird ihm das Leben in einer WG "empfohlen".

  1. innere Überwachungs- oder Spitzelsysteme, geheimdienstähnliche Methoden gegen äußere Gegner

Dieser Punkt ist Folge und Ausdruck des Mißtrauens der Führung gegenüber den eigenen Mitgliedern (Welches Menschenbild liegt solchen Auswüchsen zugrunde?). Sündenlisten oder Inhalte vertraulicher Seelsorgegespräche, die "nach oben" weitergereicht werden (müssen) gehören ebenso dazu wie ausgebaute Spitzelsysteme. Jeder ist für jeden in der Gruppe verantwortlich. Richtlinien wie: "Verschweigst du die Sünden der anderen, so ist es, als hättest du sie selbst begangen." sind Grundlage für gegenseitige Denunziationen. Das schafft eine At-mosphäre des Mißtrauens und erstickt jegliche Opposition im Keim. Orwell läßt grüßen. Äußere Feinde und Kritiker werden durch gezielte Maßnahmen, Propaganda und Polemik unglaubwürdig und mundtot gemacht. Es wird versucht, Schwachstellen bei Kritikern zu entdecken. Gefragt ist dann alles, was man gegen diese einsetzen kann, um sie zu erpressen, lächerlich zu machen oder sie ihren Familien und Freunden zu entfremden.

  1. ein starkes Elite- und Sendungsbewußtsein der Gruppe, Selbstidealisierung und Dämonisierung anderer

Minderwertigkeitsgefühle gegenüber der Führung und der Außenwelt werden häufig mit einem starken Elite- und Sendungsbewußtsein kompensiert. "Mit uns gehörst du zu den Auserwählten, du bist nun etwas ganz Besonderes." Du gehörst nun zum "einzig wahren Meister", "zur einzig wahren (oder zur besseren, weil geisterfüllten) Gemeinde", hast das einzig "wahre Wissen" oder bist Teil des "großen kosmischen Plans." Solche Sätze aus dem Munde eines höheren Gruppenmitglieds sind Öl auf die Wunden der Demütigungen und Ablehnungen, die das Mitglied innerhalb der Gruppe (und außerhalb) erleidet. Versteht es sein Leben vor der Gruppe als sinn- und geistlos und fürchtet es, in diesen Zustand wieder zurückzufallen, ist es bereit, sich dem Streß innerhalb der Gruppe auszusetzen und so manche Demütigungen zu ertragen sowie nach außen einiges aufzugeben, z.B. die Beziehung zu den Eltern oder den alten Freunden, die berufliche Karriere oder eigenes Familienglück. Vermittelt wird von der Führung auch häufig das Bewußtsein, als Träger der Wahrheit, des Geistes oder als Erfüller des göttlichen Plans andere mit diesen Erfahrungen und Ansichten beglücken zu müssen. Schließlich hat man als Übermittler des einzig wahren Glaubens und Mitglied der einzig rettenden Organisation eine Verantwortung für die Mitmenschen. Das eigene subjektiv erlebte Sendungsbewußtsein wird dabei häufig durch den Zwang zur Mission, welcher durch die Gruppe explizit oder "durch die Blume" vermittelt wird, verstärkt. Es fällt diesen Leuten schwer zu glauben, daß andere ohne ihre Wahrheit glücklich (oder gar "gerettet") sein könnten.

Dabei werden im gleichem Atemzug, wie sich die Gruppe verherrlicht (in aller demütigen Bescheidenheit natürlich, denn daß sie besser sind, kommt ja von Gott 9), andere Organisationen herabgewürdigt oder dämonisiert. Kritiker und Außenstehende haben nicht einfach nur eine der eigenen Meinung entgegenstehende Ansicht. Solches Denken würde die eigene herausragende Position nicht stark genug betonen. Der Kontrast zwischen gerettet und nicht gerettet, zwischen geisterfüllt und geistlos, zwischen Wahrheit und Lüge wäre nicht stark genug. Also werden diejenigen, die nicht zur eigenen Gruppe gehören als zum Teufel gehörig, verblendet oder als satanisch beschrieben. Vor diesem schwarzen Hintergrund leuchtet dann das eigene Grau so hell, als wäre es Weiß. Und man ist um so glücklicher, dieser wahren Gemeinde anzugehören und fürchtet sich um so mehr davor, etwas zu tun, zu sagen oder zu denken, was die Führung veranlassen könnte, einen aus dieser rettenden Arche wieder auszustoßen. Die Angst vor dem Ausschluß und dem Leben "da draußen" ist manchmal nach vielen ernüchternden Jahren der Zugehörigkeit die einzige Motivation, sich weiterhin in der Gruppe zu engagieren.

  1. Verschwörungsdenken, Flucht in eine Märtyrerrolle

Aufgrund des Schwarz-Weiß-Denkens und der starken Dämonisierung anderer, verwundert es nicht, wenn konfliktträchtige Gruppen geheime Machenschaften ihrer Feinde überall zu erkennen meinen. Alle haben sich scheinbar gegen die Wahrheit und die Auserwählten zusammengetan und arbeiten, offiziell oder im Verborgenen, gegen diese zusammen. Bücher wie "Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert" (inzwischen verboten) sind Auswüchse solchen Denkens im esoterischen Bereich. Zur Folge haben solche Ansichten dann, daß das Mitglied noch mehr an die Gruppe gebunden wird. Denn wem kann es noch "da draußen" vertrauen? Damit verbunden ist häufig die Flucht in eine Märtyrerrolle. Man leidet nicht aufgrund der Gruppenzugehörigkeit oder des eigenen Fehlverhaltens gegenüber anderen, die man mit der eigenen Überheblichkeit und Arroganz vor den Kopf stößt. Man leidet, nach Ansicht der Gruppe, aufgrund des Umstands, daß alle Wahrheitssucher, alle Erleuchteten, alle wahren Christen verfolgt und ausgestoßen werden müssen. Eigenes Verschulden und eigene Anteile bei der zunehmenden Entfremdung vom Elternhaus und alten Freunden und Kritik Außenstehender weist man strikt von sich. Man erklärt den Gruppenmitglieder und Außenstehenden nicht ohne einen gewissen Stolz, daß Gott (die Geschichte, das Schicksal oder der Meister) diese Opfer verlange, um den Glauben seiner Kinder zu prüfen und daß sie erst durch dieses Leiden wahre Zeugen (Zeuge = griech. "martys", davon abgeleitet "Märtyrer") der Wahrheit würden.

  1. finanzielle, berufliche oder familiäre Abhängigkeiten

Als letzten Punkt möchten wir noch kurz diese "ganz weltlichen" Abhängigkeiten erwähnen. Es ist verständlich, daß, wer sich einer Idee hingibt, auch bereit ist, finanzielle Mittel einzusetzen. Das wissen die Leiter nur zu gut, und fordern höchsten Einsatz. Möglicherweise verschulden sich Mitglieder, um die Preise für Seminare, Schulungen oder überteuerte WG-Mieten zu zahlen (900,- bis 1000,-DM für 12 m2 sind keine Seltenheit). Wer ein anderes Mitglied der Gruppe heiratet, hat es um so schwerer, sich von der Gruppe wieder zu trennen, da er mit diesem Schritt wahrscheinlich auch seine Familie verlieren würde. Häufig arbeiten Mitglieder "ehrenamtlich" für ihre Gruppen. Die Führung zahlt für ihre Mitarbeiter weder Renten-, noch Krankenkassenbeiträge. Scheidet das Mitglied aufgrund verschiedener Umstände aus (Krankheit, Alter, Trennung von der Gruppe), steht es mittellos da und manchmal bleibt ihm der Weg zum Sozialamt nicht erspart. Und es bleibt festzustellen, daß die in der Gruppe gemachten Abschlüsse und Titel (Bibel- und Mitarbeiterschulen, "psychologischer Lebensberater", "Kommunikationstrainer",...) außerhalb der Gruppengrenzen häufig nicht anerkannt werden und deshalb eine berufliche Neuorientierung notwendig wird. Auch diese Abhängigkeiten können Grund dafür sein, warum viele Menschen bestimmte Gemeinschaften, trotz genügender negativer Erfahrungen, nicht oder nur sehr zögerlich verlassen. Die Angst, beruflich, finanziell und sozial vor dem Nichts zu stehen und die Furcht davor, sich eingestehen zu müssen, daß "das alles umsonst war", daß man nach 5, 10 oder gar 20 Jahren der Zugehörigkeit zur Elite wieder in die "hintere Reihe" des normal Sterblichen treten muß, der sein berufliches Leben, seine sozialen Kontakte und seine finanzielle Grundsicherung wieder neu aufbauen und organisieren muß, sind teilweise so groß, daß man lieber weiter in der Gruppe bleibt und sich bemüht, einigermaßen über die Runden zu kommen.

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Möglichkeiten der Differenzierung

Nun weisen nicht alle Gemeinschaften, die als "Sekte" oder konfliktträchtige Gruppe bezeichnet werden, die gleichen oder alle 15 der genannten Merkmale auf. Deshalb sind auch nicht alle gleich "gefährlich". Aus diesem Grunde ist es notwendig, die verschiedenen Gemeinschaften und ihre jeweilige Konfliktträchtigkeit differenziert betrachten zu können.

Unseres Erachtens steht der Grad der Konfliktträchtigkeit einer Gemeinschaft u.a. in einem engen Verhältnis zu der Anzahl der konfliktträchtigen Merkmale, die diese Gruppe aufweist. Folgende Grafik soll dies etwas verdeutlichen:

Anhand dieser Darstellung soll veranschaulicht werden, daß das Vorhandensein einiger weniger Merkmale eine Gemeinschaft noch nicht unbedingt zu einer "gefährlichen Sekte" macht. Aber, und das muß deutlich gesagt werden, tragen schon diese wenigen Merkmale ein latentes Konfliktpotential in sich, das zwar, je nach Entwicklung, unbedeutend bleiben oder werden, aber auch stark und offen hervortreten kann. Die weitere Entwicklung einer Gemeinschaft hängt davon ab, ob noch andere konfliktträchtige Merkmale hinzu kommen oder ob eine positive Korrektur stattfindet.

Daß Entwicklungen in beide Richtungen möglich sind, beweisen die "Entsektung" und die ökumenische Öffnung der Weltweiten Kirche Gottes und der Adventisten, aber auch die "Versektung" einiger, bisher wenig konfliktträchtiger, esoterischer oder charismatischer Gruppen.

Weiterhin wird deutlich, daß die bis zu einem gewissen Grad latente und potentielle Konfliktträchtigkeit sehr plötzlich deutlich hervortreten und sich potenzieren kann. Der starke Anstieg der Konfliktträchtigkeit zwischen den Punkten 6 und 11 (nicht identisch mit den Aufzählungsnummern im vorherigen Abschnitt !) soll dies anschaulich machen. Das liegt möglicherweise daran, daß sich gewisse Merkmale gegenseitig bedingen. Glaubt man z.B. ersteinmal daran, daß die eigene Gemeinschaft die einzig wahre ist, glaubt man auch, daß nur sie den Weg zum Heil kennt, daß diese Gemeinschaft über allen anderen steht und diese anderen eben falsch, lau oder ohne Geist sind. Der Führer der eigenen Gruppe wird immer wichtiger und man hört auf ihn, wenn er etwas zur Gestaltung des Lebens sagt, wenn er Regeln aufstellt oder den bedingungslosen Einsatz fordert. Aus diesem Grunde ist es wichtig, immer aktuelle Entwicklungen einer Gemeinschaft zu betrachten und zu prüfen, welche Merkmale auf die Gruppe aktuell zutreffen und dann diese Ergebnisse zur Meinungsgrundlage zu machen.

Dies gilt, wie bereits erwähnt, umso mehr bei sehr dynamischen und heterogenen (in Lehre und Praxis nicht einheitlichen) Bewegungen, die geprägt sind von verschiedenen und immer neuen Ansichten und Schwerpunkten. So kann es z.B. innerhalb der charismatischen Bewegung vorkommen, daß einige Gemeinden oder Prediger die totale Heilung aller körperlichen und psychischen Leiden und Krankheiten versprechen, andere mehr betonen, daß Gott keine Gesundheitsgarantie gibt und deshalb handelt, wann und wie er will. Einige Gemeinden legen großen Wert auf ganz bestimmte Geistesgaben (die dann jeder haben muß), andere betonen die Vielfalt und respektieren Christen, die bestimmte Gaben nicht haben. Und es sollte berücksichtigt werden, daß das, was vor einem Jahr noch gültig war ("weil der Geist das wollte"), heute schon "Schnee von gestern" sein kann ("weil der Geist Neues bewirken möchte").

Ebenfalls ist erkennbar, daß, wenn erst einmal eine gewisse Anzahl von Merkmalen, und damit ein hohes Konfliktpotential erreicht ist, es kaum einen Unterschied macht, ob nun noch dieses oder jenes Merkmal hinzukommt. Von daher ist es für die Beurteilung einer Gruppe eher unerheblich, ob nun alle 15 Merkmale oder nur 13 auf diese zutreffen.

Die Grafik soll auch zeigen, daß die Übergänge zwischen stark konfliktträchtigen und weniger konfliktträchtigen Gruppen fließend sind. Der Zusammenhang zwischen dem Grad der Konfliktträchtigkeit und der Anzahl der Merkmale sollte deshalb nicht mechanistisch verstanden werden. Die Anzahl der vorhanden Merkmale dient lediglich der groben Orientierung und stellt keineswegs eine mathematische Formel dar (so nach dem Motto: bis 6 Merkmale ungefährlich, ab 7 Merkmale handelt es sich um eine Sekte).

Das bedeutet, daß eine Gemeinschaft, die "nur" 5 der 15 Merkmale aufweist, für den einzelnen ebenso konfliktträchtig oder noch konfliktträchtiger sein kann, wie für jemand anderen eine Gemeinschaft, die 12 Merkmale aufweist. Dies liegt unter anderem darin begründet, daß:

  1. die einzelnen Merkmale teilweise erhebliche qualitative Unterschiede in ihrer Konfliktträchtigkeit aufweisen,
  2. die Konfliktträchtigkeit eines Merkmals sehr individuell und subjektiv erlebt wird und
  3. die Gesamtkonfliktträchtigkeit mehr ist als die Summe der einzelnen Merkmale.

Auch die Zugehörigkeit zu einer nach der Darstellung nur latent oder potentiell konfliktträchtige Gemeinschaften kann für einen labilen, körperlich oder psychisch kranken Menschen unsagbares Leid bedeuten. Was einen emotional stabilen Menschen nicht aus der Bahn wirft, kann einen angeschlagenen Menschen in große Krisen stürzen.

Zusammenfassend können wir sagen, daß

  1. nicht alle Gruppen alle und die gleichen Merkmale aufweisen und gleich "gefährlich" sind,
  2. die Konfliktträchtigkeit individuell und subjektiv erlebt wird,
  3. eine latente und potentielle Konfliktträchtigkeit plötzlich offen hervortreten kann und
  4. Entwicklungen in die eine oder andere Richtung möglich sind.

Auf diesen letzten Punkt möchten wir an dieser Stelle nun noch etwas näher eingehen.

Vermutlich scheint es einen Zusammenhang zu geben zwischen der Wahrscheinlichkeit, daß eine Gruppe eine positive bzw. negative Veränderung erlebt und dem Grad der dogmatischen Geschlossenheit. 10

Je geschlossener das Weltbild der Gemeinschaft, je dogmatischer ihr Lehrgebäude, umso unwahrscheinlicher sind Schwankungen und Entwicklungen (in positiver wie in negativer Hinsicht) bzw. umso langsamer gehen Veränderungen vor sich. Es gibt Gemeinschaften, bei denen eine "Versektung" bzw. "Entsektung" in nächster Zeit sehr unwahrscheinlich scheint, da es kaum Bewegungen oder Änderungen in wichtigen Lehraussagen geben wird.

Je flexibler und undogmatischer dagegen eine Gemeinschaft ist, umso eher sind Veränderungen möglich. Von daher gibt es Gemeinschaften, die relativ schnell eine positive, aber auch eine negative Entwicklung nehmen könnten (oder sich dazwischen hin und her bewegen).

Deshalb plädieren wir auch für eine intensive und kontinuierliche Feldforschung. Es mag durchaus bei einzelnen Gruppen und Bewegungen genügen, z.B. 10 oder 20 Jahre alte Literatur als Grundlage für die eigene Meinung zu gebrauchen. Für die Beurteilung der meisten anderen Gemeinschaften oder Bewegungen erweist sich dies allerdings als nicht brauchbar und unseriös. Wer z.B. die Adventisten heute noch als "gefährliche Sekte" bezeichnet, hat die Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte verschlafen und bedient mehr die eigenen Klischees und Vorurteile, als daß er sich um eine fachliche Auseinandersetzung bemüht.

Zum Abschluß

Thema dieses Infobriefes war die Frage: "Was ist eine Sekte?" bzw. "Was verstehen wir von INTERIM darunter?". Wir hoffen, mit diesen Erläuterungen unsere Positionen etwas deutlicher gemacht und Fragenden und Betroffenen Orientierungspunkte an die Hand gegeben zu haben, mit denen sie sich etwas selbstbewußter und sicherer auf dem großen Markt der Religionen und Gemeinschaften, der zeitgeistlichen Strömungen und der neuen religiösen (u.a.) Bewegungen orientieren können. Natürlich sind noch viele andere Aspekte für eine differenzierten Auseinandersetzung im Problemfeld der sog. Sekten von Bedeutung, aber zur ersten Orientierung können die genannten genügen.

Bei aller berechtigter Kritik an konfliktträchtigen Gruppen, sollten wir aber bedenken, daß es dem einzelnen Mitglied a) häufig um echte Gotteserfahrungen und / oder die Lösung von Lebensproblemen geht, daß es b) Rechthaberei und Arroganz auch außerhalb solcher Gruppen gibt und daß c) "die Unterscheidungslinie zwischen Geist und Ungeist ... (häufig) mitten durch die Kirchen und Gemeinden (läuft), sie verläuft sogar mitten durch das eigene Herz." 11

Mathias Krase

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Fußnoten:
 
1 Dort heißt es: Es ist für eine staatliche Stelle nicht möglich, die polyvalente Bezeichnung Sekte ohne einschränkendes Attribut oder differenzierte Definition in ihre Sprache aufzunehmen, da das staatliche Neutralitätsgebot es nicht erlaubt, (1) den theologischen Sektenbegriff zu verwenden, der mit Sekte eine sich von einer Mutterreligion abgespaltene religiöse Gruppe mit von dieser abweichenden Lehre und Praxis in der Nähe einer Häresie bezeichnet. (2) Auch der soziologische Sektenbegriff, der Bezug nimmt auf Gruppen, die eine oft radikale Gegenkultur zu dem entwerfen, was sie an Wertorientierung und Lebensweise in unserer pluralistischen Gesellschaft umgibt. Damit schlösse man konfliktträchtige Gruppen aus, die gerade keine Gegenkultur entwerfen, sondern anerkannte Aspekte unserer Kultur (Leistung, Erfolg, Durchsetzungskraft) zur Heilslehre erklären." Weiter heißt es: "Der umgangssprachliche Sektenbegriff, der bei dem Wort Sekte autoritäre Gruppen unterschiedlichster Art meint und Merkmale wie gezielte Manipulation , hemmungslose Ausbeutung und inhumanen Umgang mit Anhängern mithört, bringt hier ebenfalls keine angemessene Einordnung. (Drucksache 13/2272; S.4)
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2 z.B. christliche Nächstenliebe vs. Jeder ist sich selbst der N ächste. oder das klösterliche Leben der Enthaltsamkeit, Entsagung und freiwilligen Armut vs. Konsum- und Karrierestreben. Auch die Wahl eines Lebenspartners kann z.B. zu Konflikten mit den eigenen Eltern oder dem bisherigen sozialen Umfeld führen.
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3 Hier sei nur an das Problem der Theodizee erinnert. Die Frage lautet: Wie kann ein liebender, gerechter und allmä chtiger Gott zulassen, daß unschuldige Menschen leiden? Die Beantwortung dieser Frage, ober besser gesagt, der Versuch der Beantwortung, hat viele Theologen und Philosophen beschäftigt. Auch biblischen Gestalten ist diese Frage nicht fremd (z.B.: Jer.12.1-3; Hab.1.1-4).
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4 Friedrich Schweitzer; Lebengeschichte und Religion - Religiöse Entwicklung und Erziehung im Kindes- und Jugendalter; Chr. Kaiser Gütersloher Verlagshaus; 3.Auflage 1994; S.192
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5 Dabei wird der Bildcharakter dieser Handlungen verkannt. Dem Bild (oder Hilfsmittel) selbst wird Kraft und Macht zugesprochen, es wird zum Heilsnotwendigen. An die Stelle des Glaubens an Gott tritt der Glaube an die Kraft und Notwendigkeit des Symbols (vergl. dazu 4.Mo. 21.4-9 und 2.Könige 18.1-4). Wenn sich an diesen Symbolen Heil und Unheil entscheidet (oder z.B. an der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinde), werden aus durchaus richtigen und guten Dingen (z.B. verbindliches Engagement) Götzen.
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6 in: Psychologie Heute 7/97, S.34
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7 a.a.O.
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8 vergl.1.Kor.1.12,13; 3.4,5 "Ich meine aber dies, daß unter euch der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere: Ich zu Apollos, der dritte: Ich zu Kephas, der vierte: Ich zu Christus. Wie? Ist Christus etwa zerteilt? Ist denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft? ... Denn wenn der eine sagt: Ich gehöre zu Paulus, der andere aber: Ich zu Apollos -, ist das nicht nach Menschenweise geredet? Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat ..."
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9 ... Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin, wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher ... (Lk. 18.9 - 14)
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10 genaue und in der Gruppe / Bewegung einheitliche Festlegung von zu glaubenden Lehrpunkten und nötigen Schritten zur Erlösung sowie eine starke Betonung der [reinen und wahren] Lehre
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11 Hemminger: Was ist eine Sekte; S. 160
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