- INTERIM -
Hilfe und Selbsthilfe e.V.

 

Sucht in Sehnsucht verwandeln

Wer seine Sehnsucht verdrängt, der wird süchtig. Sucht ist immer verdrängte Sehnsucht. Advent wäre die Zeit, unsere Süchte wieder in Sehnsucht zu verwandeln. Jeder von uns kennt Süchte, innere Abhängigkeiten. Da sind nicht nur die in die Augen fallenden Süchte wie Alkoholismus, Drogensucht, Medikamentenabhängigkeit, Arbeitssucht, Beziehungssucht, Sexsucht, Spielsucht. Sobald wir abhängig werden von einem Verhalten oder von einem Ding, bildet sich in uns eine Suchtstruktur aus. Wir können ohne das Verhalten oder ohne das bestimmte Ding nicht mehr sein. Die Kunst bestünde darin, dass wir unsere Süchte genau anschauen und die Sehnsucht darin entdecken, die uns zeigt, dass unser Verhalten über das Alltägliche und Banale hinausweist. Letztlich steckt darin die Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit, die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Das ist aber keine fehlerhafte oder ungesunde Entwicklung, kein Ausdruck von Unreife oder Regression. Es zeigt etwas anderes, nämlich eine Ahnung davon, dass wir uns nur dann dem Kampf des Lebens stellen können, wenn wir Gott als das Geheimnis wahrnehmen, das in uns wohnt.

Aus: Anselm Grün, Weihnachten - einen neuen Anfang feiern, Freiburg 1999