Die nachfolgenden Informationen sind nicht als Konsumaufforderung zu verstehen!

Inhalantien/Schnüffelstoffe

Beschreibung

Inhalantien - auch Schnüffelstoffe genannt - sind leichtflüchtige Stoffe, die Dämpfe abgeben. Die Substanzen sind relativ leicht und günstig zu erwerben, so zum Beispiel in Form von Nitroverdünner, Nagellackentferner, Filzschreiber, Farb- und Haarsprays, Kraftstoffe, Flüssiggas, Klebstoffe, chemische Fleckenmittel, Poppers (Amyl-/Butylnitrit),  etc. Es zählen auch narkotisierende oder lokal betäubende Arzneimittel mit verschiedenen Inhaltsstoffen zu dieser Substanzklasse: Lachgas (Distickstoffmonoxid), Äther, Chloroform, Narkosegase, Wundbenzin, Desinfektionsmittel, hochprozentiger Alkohol.

Aufnahme, Abbau und allg. Wirkweise

Sie werden durch Inhalation über Mund oder Nase aufgenommen. Der Rausch setzt nach wenigen Sekunden ein und dauert bis zu 30 Minuten.

Die Stoffe haben chemisch gesehen sehr wenig miteinander zu tun, auch die Wirkmechanismen sind unterschiedlich. Die Wirkungen selbst lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Wirkung

Kurzfristige Wirkung auf das Erleben und Verhalten:
Zunächst treten Stimmungsänderungen bis hin zur Euphorie, aber auch Angstzustände, Veränderung der Farbwahrnehmung und akustischer Sinneseindrücke, Bewusstseinseintrübung, Erregung, Unruhe, Kontroll- und Koordinationsschwierigkeiten (v.a. verwaschene Sprache), Konzentrationsstörung auf

Physiologische Wirkung
Schmerzunempfindlichkeit, Schleimhautreizung, Übelkeit, Kopfschmerzen, verlangsamte Atmung, Kribbeln der Gliedmaßen; u.U. Husten, Nasenbluten, Hitzewallung, Krämpfe, Schwindel, „Wegtreten“ bis hin zur Bewusstlosigkeit 

Langzeitfolgen

Die psychologischen Langzeitfolgen bei Dauerkonsum sind:

Viele Inhalationsstoffe lösen die Zellmembranen von Gehirnzellen auf, so dass zuerst Funktionsausfälle entstehen und dann die Gehirnzellen absterben. Dies führt langfristig zu Demenz (massiver Intelligenzverlust). Außerdem ändert sich die Persönlichkeit. Die einzelnen Folgen aufzuzählen ist mühsam, weil es sehr viele und schwere sind.

Die physiologischen Folgen bei Dauerkonsum sind:
Bei chronischem Gebrauch kann es im Extremfall zur Lähmung lebenswichtiger Hirnzentren, Bewusstlosigkeit, Herz- und Atemstillstand bis hin zum Tod kommen. Es treten Nervenlähmungen auf und Muskelschwund, reduzierter Muskeltonus, reduzierte Muskelkraft, was in Bewegungsstörungen der Gliedmaßen sichtbar wird.
Jede Inhalation kann zu akuten Herzrhythmusstörungen mit Herzstillstand führen; wiederholte Inhalationen führen zu Lungenveränderungen und Atemproblemen. Allergien werden häufig ausgebildet. Manche Inhaltsstoffe sind stark krebserregend.

Suchtgefahr

Das Schnüffeln kann zu einer psychischen Abhängigkeit führen, die mit einer Toleranzentwicklung einhergeht; d.h., man braucht immer mehr und hängt dann stundenlang an einer Plastiktüte oder mit einem Tuch vor der Nase. Körperliche Entzugserscheinungen gibt es wohl eher nicht, aber bei der Vielfalt der Inhaltstoffe lässt sich keine klare Aussage treffen.

Wechselwirkungen

Mischkonsum erhöht die Belastung auf das Herz-Kreislaufsystem.
Alkohol, Opiate, Schlaf- bzw. Beruhigungsmittel verstärken die atemdepressive Wirkung, d.h. es kann zum Atemstillstand kommen. Also nicht kombinieren!
Niemals Poppers und Viagra konsumieren: ein lebensgefährlicher Blutdruckabfall kann eintreten.

Vorsichtsmaßnahmen

Risikofreien Konsum gibt es nicht, hier jedoch Maßnahmen zur Schadensbegrenzung:

  1. niemals konsumieren sollten Personen, die schwanger sind, einen Tauchunfall hatten, bei Hirndruckproblematik, mit Mittelohrentzündung, bei Atemleiden (z.B. Asthma), mit Herzproblemen, mit niedrigem Blutdruck, Glaukom, bei Epilepsie
  2. nie direkt aus einer Gasflasche, Kapsel o.ä. inhalieren
  3. möglichst im Sitzen inhalieren, dann gibt es bei Gleichgewichtsstörungen keine zu harte Landung
  4. Wichtig: zwischendurch normale Luft atmen, d.h. Sauerstoff tanken
  5. Meist sind die Stoffe leicht entzündlich, also Vorsicht mit brennenden Kippen, Feuerzeugen, etc.
  6. Konsumiere nicht alleine
  7. Hände weg vom Steuer nach Konsum

Im Notfall!

Bei einer Überdosis können Gase durch bewusste Hyperventilation (gesteigertes Ein- und Ausatmen) schneller aus dem Körper befördert werden.
Bei Augenkontakt oder Kontakt mit Schleimhäuten: mit viel Wasser ausspülen (mindestens 5 Minuten lang) und dann zum Arzt gehen.

Bei Verschlucken sofort den Notarzt rufen und kein Erbrechen hervorrufen: die meisten Inhalantien sind ätzend. Bei Erbrechen verätzen sie die Speiseröhre und den Mund ein zweites Mal. Kommt es zum Erbrechen, später zum Arzt gehen oder Arzt rufen und Situation beschreiben.

Bei andauernder Ohnmacht auf jeden Fall einen Notarzt rufen und wenn nötig (also bei Atem- bzw. Herzstillstand) Beatmen (Kopf nach hinten überstrecken, Mund zuhalten, mit weit geöffnetem Mund die Nase umschließen und 2 Atemstöße geben) und Herzmassage (Hände übereinander auf die Mitte des unteren Brustbeins legen und mit gestreckten Armen durch das eigene Körpergewicht schnell 15 bis 30 mal den Brustraum 4-5 Zentimeter niederdrücken) durchführen.  Dem Notarzt beschreiben, was inhaliert wurde.

Nicht in Panik geraten und vor allem die betroffene Person nicht alleine lassen!!
Nicht einfach wegschauen, wenn es jemand schlecht geht!!