Therapie durchs Filmemachen - Der Koreaner Kim Ki-Duk (Samaria | Bin
Jip | Die Insel | Frühling, Sommer, Herbst, Winter … und
Frühling) meldet sich nach einer längeren Auszeit zurück. Eine schwere
Depression hatte ihn befallen, nachdem eine Schauspielerin am Set
seines letzten Drehs lebensbedrohlich verunglückt war. Arirang ist das
Dokument dieser Verzweiflung, aufgenommen in völliger Einsamkeit.
Völlig zurückgezogen in einer Hütte lebte der Regisseur seitdem,
bastelte technische Geräte, trank viel, fror und filmte, interviewte
sich ein- ums andere Mal selbst, zweifelte an sich, beschimpfte sein 2.
und 3. ich, das Publikum, das eigene Werk, die Gesellschaft.
Immer wieder hören wir in verschiedenen Versionen Arirang, eine alte
Koreanische Ballade voller Sehnsucht und Verzweifelung.
„Bei
aller Rohheit ist Arirang das wohl schonungsloseste und ehrlichste
Selbstporträt, das wir von einem Filmemacher kennen. Kim Ki-Duk ist
auch im Moment der Lethargie noch zu sehr ein Künstler, um etwas
Kunstloses zu machen. Seine Bilder haben das, was den meisten anderen
in Cannes bisher fehlte: eine Notwendigkeit, einen Grund, dass es sie
gibt.“
Daniel Kothenschulte, Berliner Zeitung
Im
Anschluss bieten wir noch den 30-minütigen „Night Fishing“
an,
ein Perspektivwechsel der etwas anderen Art. Der von
den Brüdern Park Chan-wook (Regisseur der Vengeance-Trilogie) und Park
Chan-kyong (Video- und Medienkünstler) mit einem Smartphone gedrehte
Paranmanjang wurde bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären für den
besten Kurzfilm ausgezeichnet. Was wie ein punkig-experimenteller
Geister-Horror-Film an einem Flußufer beginnt, wechselt plötzlich den
Schauplatz und zeigt ein schamanistisches Toten-Befriedungsritual, das
schließlich mit einer Familienversöhnung endet. Wie sich herausstellt,
hängt beides eng miteinander zusammen und das Ganze ergibt am Ende den
schönsten Sinn, ohne doch rational fassbar zu sein.