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F - wie Fälschung
(F for Fake/Nothing but the Truth)
Frk/Iran/BRD 73/75 9o Min. Of.
R: Orson Welles
D: Orson Welles, Oja Kodar, Elmyr de Hory,
Ein Film über das Fälschen von Kunst und die Kunst des Fälschens. Ein Filmessay, eine Recherche nach dem wahren und dem Warenwert der Kunst. Welles, der als Zauberkünstler und als Erzähler auftritt, führt Ermittlungen über den Kunstfälscher Elmyr de Hory. Die Reflexion über Kunstfälschung entpuppt sich als Frage nach dem Wesen der Kunst, diese wieder als Frage nach der Wahrheit.'Wahrheit ist eine Lüge' sagt Picasso.'Eine Lüge die hilft, Wirklichkeit zu begreifen', ergänzt Welles in 'F - for Fake'. PS: gleich im Anschluß läuft Alan Rudolph's 'The Moderns'. Auch eine einzige Fälschung oder nicht?



Face
GB 1997, 105 Min., Regie: Antonia Bird, Darsteller: Robert Carlyle, Ray Winstone,
Steve Waddington, Damon Albarn
Robert Carlyle (den einige wohl schon aus "Ganz oder gar nicht" oder "Carla's Song" kennen) sehen wir hier als Ray, einem ehemaligen politischen Aktivisten, der sich nun auf bewaffneten Raubüberfall spezialisiert hat.



Fahrraddiebe
Ita. 48 88 Min.
R: Vittorio de Sica
D: Lamberto Maggiorani, Enzo Stoiola, Lianella Carell
Für alle die, die neulich in 'The Player' saßen und lediglich fünf Minuten dieses Meisterwerkes der Filmgeschichte zu Gesicht bekamen. Aber auch durchaus aktuell, sind mir doch schon drei Räder in Kreuzberg abhanden gekommen, bin ich auch arbeitslos und hab mich schon oft mit dem Gedanken getragen mir einfach ein Fahrrad zurückzuklauen.




Fahrradseufzer
Japan 1989 O.m.U. 93min
R.: Sion Sono
D.: Sion Sono, Hiromi Kawanishi
Als Oberschüler haben Shiro und Keita einen druchgeknallten Super-8-Film über ein Baseballspiel gedreht. Da sie nicht genug Mitspieler hatten, haben sie einen unsichtbaren Läufer erfunden, der "die Basis hält", während die anderen den Ball schlagen. Dieser Unsichtbare nimmt immer mehr Gestalt (s.Foto) an und fängt an eigenartige Dinge zu tun.Shiro und Keita schaffen den Sprung auf die Universität nicht, sondern müssen ihren Lebensunterhalt mühsam verdienen. Shiros Schwester Katako versucht ihren Bruder zu ermutigen, sein Leben endlich in die Hand zu nehmen. Aber er schafft es nur, mit Keita zusammen einen neuen Super8 Film zu machen. Das Unterfangen scheitert. Shiro sieht dies als letzte Chance zu entfliehen. Er holt das Kostüm hervor, das er trug, als er den unsichtbaren Läufer spielte, und macht sich auf, Keita zu besuchen... Nagisa Oshima kommentiert die Preisträger des Pia-Filmpreises, bei dessen Verleihung er von Anfang an Jurymitglied war: Selbst zu drehen, die Kamera selbst in die Hand zu nehmen, allein das war am Anfang wie eine Manifestation. Kazuki Oomori, Shunichi Nagasaki, Sogo Ishii usw. gehoren zu dieser aufregen- den Anfangszeit. Das Merkmal der folgenden Phase war die methodische Emeue- rung , die harte innere Auseinandersetzung und Reflexion von Regisseuren, z.B. Naoto Yamakawa. Jetzt ist die Zeit von Anarchie und Vandalismus, wie beim Werk von Masashi Yamamoto, bei Katsuyuki Hirano und Sion Sono. (Pia Film Festival, 1988)



Fahrstuhl zum Schafott
Eine verheiratete Frau plant mit ihrem Liebhaber die Ermordung des Ehemannes, um ungestörter zu sein. Leider bleibt der Täter im Fahrstuhl stecken, sein Wagen wird gestohlen usw.. Wie im film noir traben hier zwei, die das Glück mit unfairen Mitteln erzwingen wollen, von einem Fettnapf in den nächsten.



Fallen Angels
(Duoluo tianshi) kantonesische OF mit engl. Untertiteln
Hongkong '95 90 Min.
R.: Wong Kar-wai
D.: Leon Lai Ming, Michele Reis, Takashi Kaneshiro, Charlie Young
Bereits seit 155 Tagen arbeitet Killer für Agent. Die Geschäfte könnten nicht besser laufen, doch Killer beginnt, sich Fragen über den beruflichen Kodex zu stellen. Agent (eigentlich eine Agentin) kümmert sich um seine Termine, beseitigt die Spuren nach seinen Einsätzen und scheint sich ein bißchen zu viele Sorgen um seinen Lebenswandel zu machen. Einen Fremden zu lieben, ist leichter als den eigenen Boß. Killer muß weiter. Statt eines Liebesbriefs oder einer Kündigung hinterläßt er Agent eine Münze mit der Nachricht:"Lied Nr 1818 der Musikbox", der Titel lautet "Vergiß ihn"....



Familienleben
La vie de famille
F 1984 98 Min. frz.OFm.engl.UT
R.: Jacques Doillon
D.: Sami Frey, Mara Goyet, Juliet Berto, Juliette Binoche
Vater und Tochter auf einer gemeinsamen Reise nach Madrid, die bald zu einem Machtkampf wird, in dessen Verlauf der Vater die schmerzliche Erfahrung macht, daß er umso weniger Liebe bekommt, je mehr er davon fordert.


Far away from St.Petersburg
Lettl./Östr. 1992 O.m.U. 79min
R.: Alexander Hahn
D.: Dzintars Belogrudovs, Igor Klass, Zhenja Krjukowa, Larisa Tatunova
Irgendwo zwischen 'Die letzte Nacht des Boris Gruschenko' und noch was anderem angesiedelte Persiflage über Klischees von der russische Seele, vom Exil, vom Melodram, vom Filmemachen, New York; alles ohne die Worte "Samowar" oder "Leningrad" im Titel zu verwenden.



Fargo
USA 1995, 97 Min.
R. Joel Coen, B. Joel und Ethan Coen
D. W. H. Macy,S. Buscemi,P.Stormare,F.Mc-Dormand,H.Presnell
Jerry Lundegard ist Autoverkäufer, gewöhnt zu schachern und zu dealen, schönzureden und zu überreden. Um an das Geld seines stinkreichen Schwiegervaters heranzukommen, läßt er seine eigene Frau entführen. Fargo ist eine True-Crime-Geschichte, die Morde, die Jerrys abstruser Plan zur Verbesserung seiner Wirtschaftslage zur Folge hat, sind 1987 in Minnesota wirklich passiert. Deshalb gibt es auch keine Helden in dieser bösen Ballade, nur schwache, dumme Menschen, abgesehen allenfalls von Marge Gunderson, einer Art weiblicher Columbo, die den Fall mit an Phlegma grenzendem Stoizismus und Hartnäckigkeit klärt.
Fargo, dieser weißeste aller Filme Noirs ( schon Hitchcock träumte von rotem Blut im Schnee ), schafft seine eigene Welt - mit eigener Sprache, eigener Kleidung, eigener Logik. Dafür liebe ich ihn.
( Robert Fischer in epd Film )






Faster, Pussycat! Kill! Kill!
USA 1967 75 Min. R.: Russ Meyer D.: Tura Satana, Haji, Lori Williams
Russ Meyer lebt einmal wieder seine Angstvisionen von der 'Superfrau', die kraft ihrer Weiblichkeit die Männer anzieht, um sie dann umzubringen, voll aus: Die 'Satansweiber von Tittfield' (so der deutsche Titel, als der Film in den hiesigen Bahnhofskinos lief) leben auf einer Farm in der amerikanischen Provinz. Sie terrorisieren die Bevölkerung, haben Spaß an schnellen Autos und am Männermorden. Das kann auf die Dauer nicht gutgehen. '3 Amazonen gehen hier mit Männern um wie Valerie Solanas', so Hans Scheugl in 'Sexualität und Neurose im Film, nun ja, jedenfalls so ähnlich, wie diese es in ihrem Manifest 'SCUM' 3 Jahre später forderte.



Fegefeuer der Eitelkeiten
USA 1990 125min
R.: B.de Palma
B.: M.Christofer nach dem Roman von Tom Wolfe
D.: Tom Hanks, Bruce Willis, Melanie Griffith
Bitte keine Vergleiche mit einem Buch, das ihr sowieso nur bis zur 400.Seite und nicht bis zum Ende schafft! Dies hier ist die ironisch überzogene, komische, andere Seite von 'Aus Mangel an Beweisen', will heißen alle Beteiligten sind korrupt, blöd, naiv oder gar ihrer Position verhaftet.



Female Perversions
USA 1995 116 Min. OmU
R : Susan Streitfeld B : S.St., nach dem Roman von Louise J. Kaplan) K : Teresa Medina M
: Debbie Wiseman D : Tilda Swinton, Amy Madigan, Karen Sillas, Laila Robins, Clancy
Brown
... er (der Titel des Films) trifft den Inhalt sehr genau. Der Film setzt sich mit der Natur der Frauen, ihren Gefühlen und ihrem physischen Verlangen auseinander und andererseits mit unseren Vorstellungen von Normalität und Perversität. Jeder hat darüber eigene Vorstellungen. Diese Aufforderung zur inhaltlichen Auseinandersetzung spiegelt der Titel wider. Er ist sicher für viele provokant, provoziert aber nicht inhaltslos um der Provokation willen. Wenn er Zuschauer mit pornographischen oder ähnlichen Vorstellungen ins Kino lockt, dann um so besser, denn ihre Erwartungen werden zerstört. ...'
Soweit Tilda Swinton, die eine ehrgeizige, kurz vor ihrer Ernennung zur Richterin stehende Anwältin spielt.Daß sie ihrer Schwester, die wegen Diebstahls verhaftet wurde, gerade jetzt helfen muß, kommt ihr nicht gerade recht. Susan Streitfelds distanzierte Inszenierung alltäglicher Rituale, verschiedener Lebensentwürfe sowie der unterschiedlichen Neurosen' der dargestellten Frauen, ergibt das lebendige Bild eines eigentlich abstrakten Themas.



Feuerland II
Schweiz 1992 103min
R+B.: Clemens Klopfenstein, Remo Legnazzi
D.: Max Rüdlinger, u.a.
10 Jahre später in Feuerland II sieht alles gleich - naja, ähnlich aus. Die Stimmung ist schwarz wie eh und jeh, die Frauen stärker und Max immer noch Reporter. Doch wird jetzt nicht mehr so viel über Politik geredet und neben der obligatorischen Resignation gibt es eine Prise Zynismus. Die Hoffnungsträger von 1981 scheinen vom Erdboden verschluckt, statt von Weltveränderung oder dadaistischen Pamphleten wird sich über Potenzstörungen unterhalten. Zum Schluß kommt noch ein wenig Zauber und Voodoo ins Spiel, um die (Beziehungs-) Welt wieder ins Lot zu bringen. Doch wahrlich, ich sage euch, die nächsten 10 Jahre werden nicht besser.



Few of us
Der Film spielt in einer gottverlassenen Gegend Sibiriens, bewohnt von den Tofalaren, einem asiatischen Nomadenvolk, das um 1930 zur Seßhaftigkeit gezwungen wurde. Durch die Ankunft einer rätselhaften Fremden ( K.G.) gerät das Leben im Dorf durcheinander. Doch erzählt uns Bartas nicht wirklich eine Geschichte, sondern zeigt uns Bruchstücke, die wir zusammensetzen können: eine atemberaubend schöne Landschaft, die er liebt, Nomaden, die, ihrer Lebensform beraubt, sich dem Alkohol ergeben und läßt in unseren Köpfen das Bild der Persönlichkeit der Heldin entstehen: Die Narben in ihrem Gesicht, die schnellen, brutalen Tritte, mit denen sie sich einiger zudringlicher Männer erwehrt, sagen mehr über die Geschichte dieser Frau als tausend Worte. R+B. : Sharunas Bartas
K.: Sharunas Bartas, Vytautas Survila, Vaidotas Digimas, Montage :Mingaile Murmurlaitene,
Ton :Vladimir Golovnitski, D.: Katerina Golubeva, Sergey Tulayev,
Piotr Kishteev, Minoru Hideshima, Yulia Inozemtseva



Filme von Trinh T.Minh-ha
Trinh T.Minh-ha genießt im Anglo-Amerikanischen Raum große Aufmerksamkeit für ihre theoretisch-potitich-lyrischen Arbeiten zu women of color und der daraus folgenden infragestellung traditioneller Darstellungsformen 'anderer' Kulturen. Sie ist in Vietnam geboren und Professorin für 'Women's studies + Film' in Berkley+ San Francisco. Ihr Film 'Naked Spaces - Living is round' handelt von ländlicher Architektur in West-Afrika, 'Surname Viet, given name Nam' befragt anhand von interviews Geschichte und Mythen zur Rolle der vietnamesischen Frauen, 'Shoot for the contents' thematisiert politische und Kulturelle Fragen von Macht und Veränderung in China nach den Ereignissen am Tiananmenplatz, 'Reassemblage' erzählt mit frappierenden Brüchen filmischer Codes das Alltagsleben von Frauen im Senegal. Alle Filme bestechen durch ihre leuchtende Farbigkeit und sind in ihrer Reflektion dokumentarischer und fiktiver Erzählweisen einzigartig. Die Filme sind zum erstenmal hierzulande zu sehen.




Flame
Zwei junge Frauen beschließen, sich der Befreiungsarmee gegen das Rhodesische Regime anzuschließen, ohne recht zu wissen, worauf sie sich einlassen. Nicht nur das Leben im Camp und der Krieg sind hart, zusätzlich müssen sie in diesem männerdominierten Terrain um Gleichberechtigung und Anerkennung kämpfen. Für die Regisseurin, die in Zimbabwe lebt und arbeitet, ist dies nach mehreren Dokumentationen der erste Spielfilm. Ingrid Sinclair zur Entstehungsgeschichte : Nahezu alle Ereignisse basieren auf Vorfällen, die mir Ex-Kämpferinnen erzählt haben. Ursprünglich hatte ich einen Dokumentarfilm drehen wollen, aber damit stieß ich auf eine Grenze. Keine der interviewten Frauen war bereit, vor einer Kamera zu wiederholen, was sie mir erzählt hatte. Sie fürchteten, es könne gefährlich für sie werden für ihren Job oder sonstwie. ...'
Zimbabwe 1996,90 Min., OmU
R : Ingrid Sinclair, B : I.S., Barbara Jago, Philip Roberts
D : Marian Kunonga, Ulla Mahaka, Norman Madowo, Moise Matura



Flammende Herzen
BRD 77 95 Min.
R: Walter Bockmeyer
D: Peter Kern, Barbara Valentin
Eigentlich sollte das eine Reihe werden, die 'Amerika hin und zurück' heißen sollte, mit Fil men wie z.B. 'Stroszek', 'Per manent Vacation' und 'Überall ist es besser, wo wir nicht sind'. Übriggeblieben ist - aus Platzmangel - erst einmal: 'Flammende Herzen', in dem ein Kioskbesitzer aus Bayern eine New York-Reise im Preis ausschreiben gewinnt. Dort angekommen, lernt er eine Pornoshow-Tänzerin kennen, verliebt sich ein wenig, zumal sie - so wie er, ein Peter-Kraus- Fan ist, wird mit ihr auf einem deutsch-amerikanischen Okto berfest zum Kornblumen-Königspaar gewählt und gewinnt noch - schwubs die wups - bei einer Verlosung eine lebendige Kuh...
Zum Schluß stellt sich nur noch die Frage, warum eigentlich nach New York fahren, wenn wir auch hier schon einsam sind - oder: macht euch nix vor: überall ist es gleich, wo wir auch sind.



Flucht aus dem Kino "Freiheit"
(Ucieczka Z Kina 'Wolnosc')
Polen 1990 O.m.U.
Erstaufführung
R: Wojciech Marczewski
D: Janusz Gajos, Zbigniew Zamachowski, Teresa Marczewska,
Eine Komödie. Ein Film oder vielmehr seine Darsteller machen sich selbstständig. Sie beginnen einen Dialog mit dem Publikum das wiederum begeistert reagiert. Die staatliche Zensur ist alamiert, doch unfähig angesichts der Unangreifbarkeit des Zelluloids. Eine der lustigsten Szenen ist die offizielle Analyse des Phänomens, die mit dem Bekenntnis endet, daß die Amerikaner wieder einmal die Nase vorn haben. 'Purple Rose of Cairo' wird zur Anschauung gespielt und prompt verläßt der Held erneut die Leinwand, diesmal nicht in Richtung Mia Farrow, sondern zu seinen rebellierenden polnischen Kollegen und das Chaos ist perfekt.
Wojciech Marczewski dürfte in Deutschland weitgehend unbekannt sein trotzdem er bereits 1982 den Silbernen Bären mit dem Film 'Shivers' gewann.
'Flucht aus dem Kino "Freiheit"' sollte als polnischer Beitrag in Cannes laufen wurde aber zugunsten der 'Zwei Leben der Veronica' von Kyslowski zurückgezogen. Was Cannes nicht will, können wir schon lange.



Fluchtpunkt
Portugal/Frankreich/Spanien 1993 O.m.U. 92min
R.: Fernando Lopez
D.: Claude Brasseur, Andrea Ferréol, Ana Padrao, Antonio Valero
Ein Mann, ein Pathologe (sic!), wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Plötzlich erscheint ihm seine Lebensgeschichte in einem anderen Licht. Wie unter Zwang steigt er immer weiter in sie hinab, um am Ende sich selbst zu begegnen. - Ziemlich morbide, das ganze. Dazu fallen einem Filme ein, die irgendwie eine Verbindung von Begriffen herstellen, wie: Doppelgänger, Zeitschleife, Paralleluniversum, Psycho Thrill, Identitätsverlust/suche, also: Die 2 Leben der Veronika, Wenn die Gondeln Trauer tragen, und diverse Folgen von Raumschiff Enterprise.



[Focus]
Kanemura hat ein ausgefallenes Hobby: er belauscht Telefon- und Funkgespräche. Ein Fernsehteam macht sich auf, um ihn zu interviewen. Regisseur Iwai legt dabei eine fast obszöne Neugier an den Tag: er ignoriert Kanemuras Rechte und versucht ihn bloßzustellen, in sein Privatleben einzudringen, es zu interpretieren, zu sezieren und eine klischeehafte Geschichte über diesen jungen Mann zu konstruieren, der vom Abhören genauso besessen ist wie Iwai von der Manipulation der Wirklichkeit. Kanemura hat sich z.B. übers Telefon verliebt, ganz naiv und platonisch. Als Iwai das mitbekommt, reagiert er darauf mit der ihm eigenen Art von Voyeurismus.
Mit nur einem Schnitt pro Szene und dem Kunstgriff, die Geschehnisse des Films mit der Kamera des Fernsehteams aufzunehmen, erzeugt er beim Zuschauer die Illusion, unmittelbar dabei zu sein, macht ihn zum Komplizen: Iwai und Kanemura sind unsere Geschöpfe - meint Satoshi; ihre einzigen Rollen sind die des Benutzers und des Benutzten in einem Film, dessen letzte Steigerung geistige Erniedrigung und Tod ist." Mark Schilling
Japan 1996, OmU, 73 Min.; Regie: Satoshi Isaka, Darsteller: Tadanobu Asano, Keiko Unno,
Akira Shirai





Fool for Love
USA 1985 107min
R.: Robert Altman
B.: Sam Shepard
M.: Sandy Rogers
D.: Sam Shepard, Kim Basinger, Harry Dean Stanton
Die schäbigen Hütten eines Motels am Rande der Wüste bilden die Arena für ein Paar, daß sich in Haßliebe zerfleischt. Voneinander lassen können sie nicht, die Wüste hält sie auf, außerdem sind sie Geschwister und natürlich "Verrückt nach Liebe". So müssen sie sich eben hassen. Chaotisch und sehr gesprächig - eben Robert Altman.



Frame up
USA 1993
R. B. K.: Jon Jost
D.: Nancy Carlin, Ricky-Lee Gruber
91 Min.
Ein ziemlich proletarisches Päärchen auf der Reise durch die USA, zunächst ziellos, dann nach Kalifornien - ihrem Traumland. Eigentlich läßt sich die Geschichte von 'Frame up' nicht so einfach erzählen. Die Machart des Films ist sehr entscheidend: Durch Dekonstruktion des konventionellen amerikanischen Films und die Neuzusammensetzung der einzelnen Teile ( Hallo Tarantino- du Waisenknabe ), erschafft Jon Jost eine andere Welt, die nicht von der Freiheit des einzelnen, sondern vom Ein - bzw. Ausgeschlossensein erzählt. Das alles entbehrt nicht einer gewißen Komik, schafft aber vor allem Distanz - also ein analytisch-soziologischer Blick vielleicht? Spätestens am Ende merkt man dann doch, wie nah man den Personen eigentlich war.



Frankie, Jonnie und die anderen
BRD 1993 90 Min.
R.: Hans-Erich viet
D.: Detlef Kuper, Paul Herwig, Marco Meulenkamp u.a.
Ein nettes neues Genre haben wir da: Den Friesenfilm. Langsame Kamerafahrten durch schönes plattes, Land, liebenswürdiger Dialekt, Humor, so staubtrocken wie gut abgelagerter Torf und eine erstaunliche Nähe zur drögen Realität. Buck hat mit "Erst die Arbeit und dann?" einen furiosen Start hingelegt, um dann mehr und mehr im Mittelmaß zu versinken, sodaß wir inzwischen meinen: Der Viet kann das besser! und nach "Schnaps im Wasserkessel" einen weiteren Film von ihm (diesmal einen Spielfilm) anbieten:
Fünf junge Männer auf der ständigen Flucht vor der Langeweile üben sich im Wattenmeer in einer asiatischen Kampftechnik und tapern auf der Suche nach dem Abenteuer im Alltag von einer Bredouille in die andere. Wer weiß, wie langweilig das Leben sein kann,muß diesen sympathischen Trotteln einfach die Daumen drücken, schon allein deshalb, weil sie so schön inbrünstig die Internationale singen können.
Wir halten zu dieser friesischen Kommödie Tee bereit, auch ein paar Schachteln Jever-Bier sind kaltgestellt, und wer Beck's trinkt, fliegt natürlich 'raus.



Frau Bu lacht
BRD 1995, 90 Min.
R.: Dominik Graf, B.: Günter Schütter
D.: Miro Nemec, Udo Wachtveitl, Anna Villadolid
.Der Konditor Mauritz wird erschossen. Nachdem die beiden Kommissare, Ivo Batic und Franz Leitmayr, an der Arbeitsstelle von Mauritz keine verwertbaren Hinweise finden, wird seine thailändische Ehefrau Sita zur Hauptverdächtigen. Nach dem Tod ihres Mannes droht der jungen Frau die Abschiebung.
" Das Beste zum Schluß: Dominik Graf hat sich zurückgemeldet...All die inszenatorische Leichtigkeit...ist hier in jeder Szene, in jeder Einstellung vorhanden-trotz der schwergewichtigen Themen Kinderhandel und Kindesmißbrauch...Ausgerechnet ein `Tatort` besaß die größten Kinoqualitäten..."
(... schwärmt Volker Gunske im Tip )
Dummerweise gibt es keine geeignete Filmkopie, drum zeigen wir ihn mit Hilfe einer Videogroßprojektion




Freak Orlando
BRD 1981 126min
R.+B.+K. Ulrike Ottinger
D.: M.Montezuma,D.Seyrig, H.Uschiyama, E.Constantine,F.Magnani
Ein Episodenfilm über 'Irrtümer, Inkompetenz, Machthunger, Angst, Wahnsinn, Grausamkeit und Alltag.' Ein hübsches Durch- und Ineinander rund um den Teufelsberg.


Freaks
USA 1932 64 Min.
R: Tod Browning
D: Wallace Ford, Olga Baclanova, Leila Hyams
Ein ausgesprochen schöner Märchenfilm über mißglückte Liebe zwischen Liliputaner und Trapezkünstlerin. Sie will sein Geld und dringt Zähne bleckend in die Gemeinschaft der 'Freaks' ein, deren Wärme und Menschlichkeit sie mit ihrer finsteren Schurkigkeit ausnutzt um ihn zu heiraten, zu vergiften und das Geld mit einem Grobklotz durchzu bringen. Wir warten derweil auf die Rache der Schwachen, Unter drückten, die schließlich in einem furiosen Alptraum gipfelt.



Fremde Stadt
BRD 1972 106min
R.: Rudolph Thome
D.: Eva Kinski, Roger Fritz, Karin Thome
Schwarz-Weiß Krimi über einen Bankräuber, der sein Geld verliert, wie das Bankräuber in Thomes Filmen so tun. "Ein Kassenerfolg liegt in der Luft", spürt damals der "Spiegel", aber das finanzielle Desaster von "Fremde Stadt" beendete vorläufig Thomes Karriere und seinen Versuch eine deutsche B-Film Tradition zu schaffen.



From dusk till dawn
USA 1995, 108 Min.
R.: Robert Rodriguez
B.: Quentin Tarrantino"D.: Harvey Keitel, Juliette Lewis, Quentin Tarrantino, George
Clooney"Das Ganze beginnt wie die x-te Version des beliebten Serienm"rderroadmoviemaniacfilms, sehr liebevoll und ebendrum sehr zynisch, bis denn die gute Pfarrersfamilie (Vater Harvey Keitel und Tochter Juliette Lewis) die Killer über die Grenze und in eine übelste Spelunke bringt, wo sich der Film in einen Vampirfilm verwandelt. Wobei Vampire hier nicht grade aristokratische Transsylvaner sind, sondern eher eine Art Alternativbetrieb, der es sich in der Nische 'Trucker und Biker aussaugen' gemütlich gemacht hat. Der Rest ist ein munteres mutieren, bei en , wieder mutieren, metzeln, sonstwie gemein sein und Anti-Vampirwaffen erfinden ("Was wissen wir eigentlich über Vamire?)



Früchte paradiesischer Bäume
CSSR 1969 ca.100 Min. O.m.engl.U.
R.: Vera Chytilova
K.: Jaroslav Ku era
Die Geschichte von Adam und Eva neu erzählt. Diesmal ist es nicht Gott, der sie aus dem Paradies vertreibt, weil sie vom Baum der Erkenntnis aßen, sondern sie selbst katapultieren sich durch ihre Sehnsucht nach Wahrheit aus dem paradiesischen Zustand. Vehikel für die eigenwilligste Verfilmung dieser Bibelgeschichte ist ein Dreiecksverhältnis zwischen Adam, Eva und Robert, erzählt mit den experimentellen Bildern und Klängen der 60er Jahre (typisch besonders die zehnminütige psychedelische Bilderflut am Anfang) voller Anspielungen und Symbole -da wäre z.B. der häufige Einsatz der Farbe Rot- ...aber seht am besten selbst!



Funny Bones
GB 1994 128 Min.
R.: Peter Chelsom
D.: Oliver Platt, Lee Evans, Jerry Lewis
Ein amerikanischer Komiker, über den niemand lacht, reist nach Blackpool, um Gags zu kaufen. Dabei lernt er seinen Halbbruder kennen. Weniger um diese minimalistische Geschichte geht es jedoch, als darum, das Komikermilieu liebevoll vorzustellen. Zu sehen gibt's dann jede Menge traurige Komiker, was den Schluß nahelegt, daß der am besten trösten kann, dem das Leben selber übel mitgespielt hat.



Funny Games
Östr. 1996, 103 Min.
R.+B.: Michael Haneke
K.: Jürgen Jürges
D.: Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering
Eine Familie (Vater, Mutter, Sohn) fährt zu ihrem noblen Wochenendhaus, bestens gelaunt und in Erwartung einiger erholsamer Tage. Dann steht plötzlich der, ihnen bis dahin unbekannte, Besucher der Nachbarn vor der Tür. Unbeholfen und schüchtern möchte er ein paar Eier borgen. Später will er und sein Kumpel die Familie nach und nach umbringen, nicht ohne vorher noch grausamst Katz und Maus mit ihnen zu spielen.
Funny Games funktioniert wie ein Thriller. Man sitzt in den Sessel gepresst und hofft, und sucht nach einem Ausweg. Normalerweise gibt es den im Film dann auch. Hier nicht. Und so kriegt die dargestellt Gewalt, statt sich in kontrolliertem Wohlgefallen aufzulösen, eine beunruhigende Wirklichkeit.
"Ich versuche Wege zu finden, um Gewalt als das darzustellen, was sie immer ist, als nicht konsumierbar. Ich gebe der Gewalt zurück, was sie ist: Schmerz, eine Verletzung anderer." Michael Haneke


Familles je vous hais
Der Vater ein rechtsradikaler Aktivist, die Mutter eine untreue Ehefrau, das Familienleben geprägt von Intoleranz, Lügen und Verstellung. Kein Wunder, daß Jessica auch an der Aufrichtigkeit der Gefühle zweifelt, die der Barkeeper Thierry für sie hegt. Als ihr Vater seinen Angestellten und Parteigänger Regis mit nach Hause bringt, stellt Jessica sich und ihre Umwelt auf eine harte Probe... Bruno Bontzolakis Spielfilm handelt von jungen Menschen, die in der intoleranten, von wirtschaftlichen Problemen geprägten Umgebung einer nord- französischen Provinzstadt ihren Platz und ihre Haltung suchen; ein genau beobachtender und in all seiner Lakonie anrührend erzählter Film. Frankreich 1997, 78 min., OmeU, Buch/Regie: Bruno Bontzolakis, Darsteller: Caroline Trousselard, Denis Cacheux