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In Abbas Kiarostamis "Ten" geht es um eine Frau, die ihren Wagen in
zehn schönen Sequenzen durch Teheran lenkt.
Kiarostami schraubt eine Digitalkamera auf die Motorhaube eines Autos
und filmt, was während der Fahrt im Innern des Wagens, auf dem Fahrer-
und dem Beifahrersitz passiert (mit Ausnahme einer kurzen, nach außen
führenden Kamerabewegung). Eine schöne Verbindung von Geschlossenheit
und Offenheit, von Innenraum und im Hintergrund vorbeiziehender Stadt
ist das. In der ersten, in einer Einstellung gedrehten Episode sieht man
nur den etwa acht Jahre alten Sohn der Fahrerin, der voller Vorwürfe gegen
die Mutter ist, weil die sich hat scheiden lassen. Man hört ihre Erwiderungen,
sieht sie aber erst in der zweiten Sequenz. Auch die Figur der Prostituierten
sieht man nicht, solange man ihre Stimme hört und sie auf dem Beifahrersitz
weiß. Erst wenn die Kamera ihr für wenig Augenblicke nach draußen, bis
zum Wagen eines Freiers, folgt, wird ihr Rücken sichtbar. Und in den Schnitten
zwischen den Sequenzen bewegt sich die Zeit: Kiarostami weiß, dass ein
Film nicht nur von dem lebt, was Bild wird, sondern auch von dem, was
zwischen den Bildern unsichtbar bleibt. Er muss nicht alles erklären,
er kann Dinge offen lassen und gelangt dabei durch die Reduktion und das
Einfache der Struktur zu einer Form kinematografischer Freiheit. Auch
wenn er Laiendarstellerinnen spielen lässt (die an der Ausarbeitung des
Drehbuchs beteiligt waren), hat man nie den Eindruck, er wolle das Kino
im Realitätseffekt auflösen. En passant entsteht ein Panorama weiblicher
Befindlichkeiten, das im Film von großer Schlüssigkeit ist. Ob "Ten" etwas
repräsentiert - eine Realität, den Status von Frauen, das iranische Kino
-, ist dann unerheblich.
(CRISTINA NORD, taz)
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Frankreich/Iran 2002, 94 Minuten, OmU
Regie: Abbas Kiarostami
Darsteller: Mania Akbari, Amin Maher,
Kamran Adl, Roya Arabashi, Amene Moradi, Mandana Sharbaf, Katayoun Taleidzadeh
Links:
Trailer
frz. Webseite
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