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[über den Film] [Kritiken]
Inhalt
1969 drehte Louis van Gasteren Begrijpt u nu waarom ik huil?
(Verstehst du jetzt, warum ich weine?), einen Film über einen
Überlebenden eines Konzentrationslagers. DER PREIS DES
ÜBERLEBENS ist gewissermaßen die Fortsetzung jenes Films und
geht der Frage nach, wie es der Familie eben jenes Mannes inzwischen
ergangen ist. Entstanden ist dabei das bestürzende Porträt
eines Vaters, der unter dem Eindruck eines posttraumatischen
Stress-Symptoms seine Lagererfahrungen an seine Frau und seine Kinder
weitergibt. Anhand von Interviews mit der Witwe und dem jüngsten
Sohn sowie Briefen zweier weiterer Kinder wird deren Erziehung
skizziert. Über Traumata und ihre Auswirkungen spricht der
Direktor der Gedenkstätte Sachsenhausen; an diesem Ort verbrachte
der Vater den größten Teil seiner vierjährigen
Gefangenschaft. Daneben beschäftigt sich der Film mit dem
Phänomen der Bindung, die durch regelmäßige Besuche des
Lagers und intensiven Kontakt mit ehemaligen Mitgefangenen
aufrechterhalten wird, sowie dem Verhalten der Ehefrau und der Kinder,
die sich mit dem Leid des Vaters identifizieren, was so weit geht, dass
sie Alpträume von Geschehnissen in dem Lager haben, in dem sie
selbst nie gelebt haben. Der Film richtet sich sicherlich nicht nur an
Familien, für die die Zeit des Zweiten Weltkriegs von besonderer
Bedeutung ist, sondern auch an Menschen, die an einem posttraumatischem
Stress-Symptom, gleich welcher Ursache, leiden.
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Biofilmographie
Louis van Gasteren wurde am 20. November 1922 in Amsterdam geboren.
Sein Vater war der Schauspieler Louis van Gasteren, seine Mutter die
Konzertsängerin Elise Menagé Challa. In seinen Zwanzigern
stellte er Filmprogramme für die Amsterdamer Film-Liga zusammen,
1949 veranstaltete er ein Konzert mit Filmmusik in der Konzerthalle
Amsterdam. Auf den Rat von Alberto Cavalcanti hin machte er eine
Ausbildung zum Tontechniker in den Epernay Studios in Paris und
übte diesen Beruf anschließend in den Polygoon Newsreel
Studios in Haarlem aus. Seit seinem ersten Film Brown Gold von 1952
produzierte und realisierte er mehr als achtzig Filme und
Fernsehreportagen. Louis van Gasteren war Gastprofessor u.a. an der
Amsterdam Art School, dem Carpenter Center for Visual Arts (Harvard
USA) und der UCLA (USA).
Filme (Auswahl) 1952:
Brown Gold (35mm, b/w, 45 min.). 1953: Accra, Harbour Without Cranes
(35mm, b/w, 10 min.). 1956: S.O.S. Ecuador (35mm, b/w, 90 min.). 1960:
New Village on New Land (35mm, b/w, 25 min.). 1962: Marl
das Rathaus (16mm, b/w, 56 min.). Jazz and Poetry (16mm, b/w, 14 min.).
1965: Out of My Skull (16mm, b/w, 15 min.). 1967: Do You Get It Series
Nr. 1-9 (16mm, b/w). 1970: Waterwalk (16mm, b/w, 7 min.). 1975:
Corbeddu (16mm, colour, 72 min.). 1979: Open the Grave (16mm, b/w, 15
min.). 1980: Hans Life Before Death (35mm, b/w and colour, 155 min.).
All Rebels (16mm, b/w and colour, 150 min.). 1997: Beyond Words (35mm,
colour, 30 min.). 2002: In Japanese Rapids (16mm, colour, 85 min.).
2003: THE PRICE OF SURVIVAL.
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Credits
"De Prijs van Overleven"
Land: Niederlande 2003. Produktion: Spectrum Film, Louis van Gasteren. Regie, Buch: Louis van Gasteren. Kamera: Gregor Meerman. Ton: Jacqueline van Vught. Schnitt: Daphne Rosenthal. Format: Digi Beta PAL, Farbe. Länge: 56 Minuten. Sprachen: Niederländisch, Deutsch. Uraufführung: 26. September 2003, Filmfestival Utrecht. Weltvertrieb: Spectrum
Film, Kloveniersburgwal 49, NL-1011 JX Amsterdam. Tel.: (31-20) 624 19
21, Fax: (31-20) 625 35 01. E-mail: 4cent.nedjap@wxs.nl
Pressematerial: www.kinopresseservice.de
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Der Regisseur über seinen Film
(...) Der deutsche Redakteur der Abteilung Wissenschaft beim WDR,
Alexander von Cube, beschloss 1974, meinen Film Verstehst du jetzt,
warum ich weine? zu senden. Eine mutige Entscheidung: Ihm zufolge war
dies das erste Mal, dass im deutschen Fernsehen eine Sendung
über die Folgen von Gewalt im Zusammenhang mit dem Zweiten
Weltkrieg gezeigt wurde. Um den Zuschauern die Möglichkeit zu
geben, nach der Sendung Fragen zu stellen, wurde ein Forum
zusammengestellt, an dem u.a. Professor Eugen Kogon, die Psychiater
Paul Matussek und Erich Wulf und ich selbst teilnahmen. Die Diskussion
geriet jedoch ziemlich aus den Fugen: Das Forum widmete der
akademischen Frage Was ist Faschismus? mehr Zeit als der
Not der Fragesteller, die kaum Gelegenheit bekamen, sich zu
äußern. (...) Damals konnte ich noch nicht voraussehen, dass
der Film Verstehst du jetzt, warum ich weine? fast dreißig Jahre
später eine Fortsetzung bekommen sollte. Ich blieb immer in
Kontakt mit der Familie der Hauptperson: mit seiner Frau und den drei
Kindern. Im Oktober 2000 starb der Mann, und ich erfuhr, dass bei der
Einäscherung Wir sind die Moorsoldaten , ein altes Lied aus
den Lagern, vom Tonband abgespielt werden sollte. Ich selbst kannte das
Lied aus den dreißiger Jahren. Es erschien mir wichtig, dieses
Lied für nachfolgende Generationen zu erhalten. Als ich
hörte, dass die Witwe die Asche im Lager Sachsenhausen ausstreuen
würde, beschloss ich, sie und ihren jüngsten Sohn zu
interviewen. Die beiden anderen Kinder hatten bereits seit Jahren
keinen Kontakt mehr mit den Eltern. Es gelang mir schließlich
doch, sie zu erreichen; sie haben ihren Lebenslauf aufgeschrieben und
ich durfte Fragmente daraus benutzen. Diese Fragmente erscheinen als
Briefe im Film. DER PREIS DES ÜBERLEBENS behandelt die
Auswirkungen des, wie man heute sagt, posttraumatischen Stress-Syndroms
innerhalb der Familie. Das so genannte Konzentrationslager-Syndrom, das
in den sechziger und siebziger Jahren viel diskutiert wurde, ist ein
Teil davon. Das bedeutet, dass sich in dem Film nicht nur Familien
erkennen, deren Väter am Konzentrationslager-Syndrom leiden. Eine
Chinesin zum Beispiel, die den Film sah, erkannte darin wieder, was mit
ihr nach Mao Zedongs Kulturrevolution geschehen war. Veteranenfrauen
erkennen wieder, dass ihren Männern der Kontakt mit ihren
Schicksalsgenossen oft wichtiger ist als die Familie und dass die
Frauen nicht dazugehören, wenn sich die ehemaligen Kameraden
treffen. Die Eltern dieser Menschen haben ihre Kinder fortwährend
mit der Vergangenheit belastet. Es gibt auch Eltern, die schweigen.
Aber der Druck und die Belastung bleiben.
Louis van Gasteren
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Kritiken (Auswahl)
Berliner Zeitung
Aviva
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