Cyril ist vom Vater ins Heim abgeschoben worden. Der Junge steckt
bereits mitten im Überlebenskampf: Erwachsenen glaubt der Elfjährige
kein Wort mehr, seine Freiheit erzwingt er jederzeit durch Flucht, und
wenn ihm das Fahrrad gestohlen wird, holt er es sich mit imponierender
Zähigkeit zurück. In dieses unsentimental inszenierte Unleben tritt mit
der Friseurin Samantha jemand, der, selber tatkräftig und illusionslos,
Cyrils Ersatzmutter werden könnte. Genau darin probiert sie sich an ein
paar turbulenten Wochenenden – und der Film tut scheinbar nicht viel
mehr, als mit aufmerksamer Nüchternheit seinen alltagstapferen,
streitbaren Helden dabei zuzusehen, wie sie stets an der Kante zum
Scheitern entlangschlingern. Dann aber, in Augenblicken höchster
Aufgewühltheit des kleinen Cyril, atmet in den sonst betont
filmmusiklosen Film das Streicherthema aus dem zweiten Satz von
Beethovens Fünftem Klavierkonzert hinein – immer für ein paar Takte
nur. Sagen wir so: Wer kein Herz hat, dem geht es auch hier nicht
über. (Jan Schulz – Ojala)
Wie immer geht es auch bei
diesem Dardenne - Film um Alles: Um den Überlebenskampf, um
hartnäckiges Anrennen gegen alle Widerstände, das Boxen in alle
Richtungen, sich dabei - scheinbar unvermeidlich - schuldig
zu machen und Trost, ganz unverdient, als Geschenk wahrnehmen zu
können. Und doch gibt es am Ende weniger eine Erlösung, als vielmehr
eine tiefe, all umfassende Erschöpfung.