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Mikroblasen und Tiefenstops nach Pyle

Das Thema ist nicht neu, kommt aber seit einigen Jahren auch in der Sporttaucher-"Szene" an. Einige Tauchcomputer werben mit neuen Berechnungsmodellen und selbst der VDST greift nun das Thema auf.
Dabei ist es, wie gesagt, keine neues Thema. Tiefenstops nach Pyle beim Presslufttauchen in größeren Tiefen sind bekannt und bewährt. Allerdings wird das meist in Theorie und Praxis nicht gelehrt, bei PADI schon gar nicht, aber auch CMAS ließ sich bei der Ausbildung darauf nicht groß ein. Die Deko-Tabellen waren/sind bisher zwar nicht das Maß der Dinge, allerding eben die einzuhaltenen Richtwerte.
Vielleicht deshalb ein kurzer Ausflug in die Dekommpressionstheorie mit Blick auf Tiefenstops .
Eigentlich gibt es zwei verschiedene Ansätze für die
Dekompressionstheorie:

1)
Sättigungsmodelle, die nur das im Körper gelöste Gas berücksichtigen
Hier wird davon ausgegangen, dass der Taucher so schnell aus der Tiefe aufsteigt, dass aus dem Geweben noch keine gefährlichen Gasblasen austreten und die Dekostops so im relativ flachen Bereich beginnen. Dadurch ist das führende Gewebe allerding maximal gesättigt.

2)
Blasenorientierte Modelle, die neben dem gelösten Gas auch bereits vorhandene Blasen im Blut berücksichtigen. Man geht davon aus, dass bei jedem TG Mikroblasen entstehen. Man muss den Aufstieg nun so verändern, dass keine kritische Größe der Blasen entstehen. Daraus resultieren tiefere Dekostops, die das Anwachsen der Mikroblasen verhindern, allerdings die anderen Gewebe weiter aufsättigen.

Kurz zu den Geweben:
Obwohl das mathematische Konzept der "Gewebe" bzw. "Kompartimente", das bei der Erstellung der Austauchtabellen verwendet wird, nie dazu gedacht war, echte anatomische Gewebe wiederzuspiegeln, weiß man, dass bestimmte Teile des Körpers schneller auf Gasdruckveränderungen reagieren als andere. Entsprechend stellen "
schnelle" Gewebe mit 5, 10 oder 20- minütigen Halbzeiten wahrscheinlich das Blut und das stark durchblutete Nervengewebe von Rückenmark und Gehirn dar. Das Bindegewebe der Gelenke ist hingegen schwach durchblutet und benötigt viel mehr Zeit um Gas aufzunehmen um eine ausreichende Übersättigung zu erlangen. Das sind die sogenannten "langsamen" Gewebe.
Beispiel:
Bei einem Tauchgang von 25 Minuten auf 30 m - ein typischer Sporttauchgang - wären die Gewebe, in denen sich am meisten Inertgas (vom Körper nicht verwendete Teilgase) ansammelt, das schnell sättigende Blut und Nervengewebe (5, 10 und möglicherweise 20 Minuten) in Rückenmark und Gehirn. Durch eine relativ schnelle Aufstiegsgeschwindigkeit zur Oberfläche hat das Gas nicht genügend Zeit, um ohne erhebliche Übersättigung, mit einhergehender Blasenbildung, abgebaut zu werden. Diese Übersättigung ist wahrscheinlich im Blut, und, was noch wichtiger ist, im Rückenmark nachweisbar. Das Sporttauchen belastet somit die schnellen Gewebe stärker als die langsamen.

Pyle-Stops

Zitat:
Richard Pyle entwickelte in den 80er Jahren ein Verfahren um so genannte Deepstopps in seine Tauchprofile zu integrieren. Pyle ist Ichthyologe (Fischkundler), er führte Dekompressionstauchgänge mit Pressluft in größeren Tiefen durch, mit dem Ziel Fische für sein wissenschaftlichen Untersuchungen lebend zu fangen.
Nach den Tauchgängen war er öfters müde oder schläfrig, bzw. fühlte sich nicht sonderlich wohl. Seltsamerweise traten diese sehr unspezifischen Symptome nur dann auf, wenn er bei Tauchgängen keine Fische mit an die Oberfläche brachte und nach Dekotabelle oder Tauchcomputer dekomprimierte. Sobald er Fische lebend mit an die Oberfläche bringen wollte, mußte er deutlich langsamer Aufsteigen, damit sich der Druck in der Schwimmblase des Fisches ausgleichen konnte. Bei diesen Tauchprofilen fühlte sich Pyle an der Oberfläche deutlich wohler. Er führte die auftretenden Symptome auf eine nicht optimal durchgeführte Dekompression zurüc
k.

Auf der Grund dieser Beobachtung, entwickelte er folgendes Verfahren um "Deep Stopps" in seine Profile zu integrieren.

1. Tiefe des ersten Deep Stopps = Mittelwert aus Maximaltiefe und der Tiefe des ersten Dekostopps
   
 (z.B. Tauchcomputer oder Tabelle)
2. Tiefe weitere Deep Stopps = Mittelwert aus aktueller Tiefe ( Deep Stopp) und aktuellem Dekostopp
3. Die Stoppdauer beträgt 1-3 min
4. Führe dies solange durch bis Du in ca. 10m Tiefe bist
   dekomprimiere ab hier nach Tabelle oder Tauchcomputer.

Beispiel-Brechnung mit und ohne Pyle-Stops
Tiefe 30m , 24min Grundzeit:
Nach Bühlmann
DECO 2000

Stop
auf m

Zeit
in min

30

24

6

1

3

6

 

Gesamtzeit Deko: 7min
Gesamtzeit TG: 35min

Nach ZPLAN
ohne Pylestop

Stop
auf m

Zeit
in min

30

24

3

11

 

Gesamtzeit Deko: 11min
Gesamtzeit TG: 39min

Nach ZPLAN
mit Pylestop

Stop
auf m

Zeit
in min

30

24

18

2

12

2

3

11


Gesamtzeit Deko: 15min
Gesamtzeit TG: 43min



Fazit:
ZPLAN rechnet ohne Pylemodell sättigungsorientiert.
Mit dem Pylemodell wird der TG nach ZPLAN gegenüber Bühlmann um 8min. verlängert, was eine andere Gasplanung erfordert. Nach heutigen Erkenntnissen dürfte der gesundheitliche Sicherheitsdazugewinn aber überwiegen. Die Gefahr einer DCS wird verringert.
Außerdem scheinen Müdigkeit etc. positiv zurückgedrängt zu werden.

DAN führte dazu auch interessante Untersuchungen durch, um neue Informationen auch den Sporttaucherbereich zu bringen.
DAN Forschungsstudie Stand Ende 2004

Der VDST schlägt in seinen neuen Äußerungen zur Blasenminimierung eine Druckhalbierung alle 2min vor, was zu einer deutlichen Verlangsamung der Aufstiegsgeschwindigkeit führt.

Tiefe in m Aufstiegsgeschwindigkeit in m/min
30 10
20 7,5
10 5
5 2,5

Gegenüber den bisherigen Werten und vorallem gegenüber Ausbildungsrichtlinien anderer Organisationen, schon fast revolutionär. :-)
Ziel bleibt es, die Gefahr der Mikroblasen zu verringern, also neueste Forschungsergebnisse aus der Medizin zu berücksichtigen. Dazu sollte auch die Körperhaltung beim Deko-Stop berücksichtigt werden. Aufrechte Haltung ist wegen dem Druckgefälle im Körper ungünstug. Man sollte also auch den Deko-Stop austariert in waagerechter Haltung durchführen.
 

 

 


 
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