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3 Tagestour auf der Artur Becker

26-29.Juli 2007

fünf Männer, ü 40, suchen Herausforderung ihrem Alter entsprechend,
interessante Angebote unter Chiffre 23

So oder so ähnlich ging es los. Nicht ganz, aber fast. Machen hätte man fast alles können. Geeinigt haben wir uns auf ein "Tauchabenteuer" - Wracktauchtour Ostsee. Aber wie Männer ü40 so sind, suchten wir uns schon einen günstigen Monat - Hochsommer 2007, Tour Nr. 20 vom 26.07.-29.07.. Abenteuer schon, aber warm und Sonne ist auch nicht schlecht. Dachten wir.

Aber der Reihenfolge nach. Mike, Achim, Klaus, Frank und ich planten schon im März diese Tour. Ostseewracktauchen. Gute Wracks riefen - U-Boote, Flugzeuge, Fähren. Alle warteten auf uns. Im Netz erkundigt, kamen wir schnell auf die "Artur Becker". Ehemaliges Versorgungsschiff, dann Tauchschiff der Marineschule und nun größtes Tauchboot auf der Ostsee. Knapp 300 Euro kostet so ein Turn inklusive Vollverpflegng und Non-Limit-Tauchen mit 3 Übernachtungen an Bord. Also sprachen wir an einem Grillabend die wesentlichen Dinge ab, einigten uns auf 2 Autos, Abfahrtzeiten und warteten auf den Tag der Tage. Donnerstag 16 Uhr Treffpunkt bei mir, Autos beladen und ab auf die A10, A11. A20 bis nach Greifswald, dem Liegeplatz der Artur Becker. Richtig unglücklich waren unsere Frauen nicht über unser Vorhaben, was uns zu denken geben sollte, aber das war uns dann auch egal :-)
Nach ca. 2 1/4 Stunden Fahrt kamen wir gut an, dank Navi, aber eigentlich war alles gut ausgeschildert. Aber wer sieht schon auf Schilder, wenn man sanft geführt wird. Angekommen im Hafen, fuhren wir direkt bis an die AB, meldeten uns an Bord, wurden nett empfangen und in die Manschaftsräume eingewiesen und luden unserer Gepäck aus. Tauchzeugs komplett samt Blei und Flasche. Flaschen hätten wir auch von der AB bekommen, aber eigenes Equipment kennt man eben besser.
Da es schon im Magen rumorte, machten wir uns auf Erkundungstour durch den Yachthafen, der etliche Gaststätten zur Auswahl hat.

Schließlich konnten wir uns alle einigen, indem Achim es einfach festlegte. Nur - in diesen komischen Restaurants im Hafen gibt es fast auschließlich Fisch. Eigentlich nur Fisch. Aber Fische sind Freunde - und Freunde isst man nicht!!! Also fragten 2 der 5 Leute am Tisch die verwunderte Kellnerin, ob der Koch auch ein ordinäres Bauernfrühstück hin bekommt, schließlich wären wir ja von Berlin nach Greifswald nicht wegen dem Fisch gefahren. Verdutztes Gesicht und schallendes Gelächter vom Nebentisch. Wir waren angekommen :-)
Später zurück an Bord, erkundeten wir das Schiff und fanden neben der Bar auch die anderen Räumlichkeiten und zum Schluss die Koje.
Etwas zum Schiff selbst:

  • 1951 gebaut,
  • knapp 40m lang, 3,50m Tiefgang
  • Platz für 29 Gäste in 2 Mannschaftsräumen á 12 Personen und zwei 2-er sowie einer 1-er Kabine
  • ein Gemeinschaftswaschraum mit 6 Waschbecken und 2 Duschen, großen Heißwasserboiler und 2 WC's, alles sauber
  • eine kleine Bar,
  • Atemluftkompressor für die Tauchflaschen
  • 4 Malzeiten pro Tag, sehr wohlschmeckend, denn ich nahm etwas zu :-(

Je zwei Leute teilen sich einen Schrank und schlafen in Doppelstockbetten. Gegessen wird im Mannschaftsraum, man holt sich das Essena aus der Kombüse ab, bringt das Geschirr zurück und bekommt es sauber retour. Kaffee und Tee ist non Limit, andere Getränke werden angeschrieben und zum Schluss abgerechnet. Bei uns waren es glaube ich 1,50 Euro für eine 1,5L Wasserflasche, 1,80 Euro für ein 0,5L Bier, das weiß ich genau :-) Ein kleines Bier 0,3L kostet einen Euro. Schotten sollten also zum kleinen Bier greifen und  3 nehmen und auf 2 große Gläser verteilen lassen *lol*

hier ein paar Mannschaftskabinenimpressionen

Für alle Besorgten hinsichtlich Gemeinschaftsraum - es gibt eine große Belüftungsklappe!! Außerdem sind die Betten in der unteren Etage zu empfehlen. Nachts hört man es schön an der Bordwand plätschern - allerdings über einem. Man schläft quasi unter der Wasseroberfläche. Ein Hauch von U-Boot :-)
Da unsere Wracktour nicht ausgebucht war, kamen auch nur 7 Leute auf unser "Zimmer". Neben uns zwei Potsdamer, mit denen wir uns super verstanden.Wenn es voll ist, wird es allerdings etwas eng.

Morgens gegen halb 8 gab es die Einweisung vor der Ausfahrt. Der Kapitän zeigte uns die Handhabung der Rettungswesten und nahm uns gleich unsere Träume. Sturmwarnung, laut Funk schon zwei Treibende in einem Rettungsboot,  Ausfahrten weit weg von Land können wir knicken. Windstärken 7-8 und 2 bis 3m hohe Wellen. DAS GANZE WOCHENENDE soll es so bleiben. Hochsommer, ü40 Warmwassertour áde - doch eine Tour für richtige Männer. Juhu, oder lieber kleingeschrieben juhu.

Im Bodden sah alles noch ok aus - morgens halb 10 in Deutschland. Die Sonne kam raus und es war eigentlich schön. Aber man spürte schon, dass das so auch nur in Küstennähe und landgeschützt war, weil der Wind aus süd-ost blies. Wir machten es uns bequem, sonnten uns und hofften bzw. harrten der Dinge, die da kommen würden und genossen die Rügener Landschaft..

 

So verging der Vormittag. Man döste oder besuchte die Brücke, las, baute am Equipment oder laberte nur so rum. Sturmspitzen bis Windstärke 9 kamen gerade durch den Funk, als ich auf der Brücke war. Wir sind eben doch Männer!!!
 
Sechs einhalb Stunden fuhren wir um ganz Ost-Rügen und ankerten dann direkt vor Kap Arkona. Dort könnten wir windgeschützt Tauchgänge unternehmen und dort würden wir übernachten. Was erwartet einen dort Unterwasser? Wir bekämen die SS Q zu sehen. Cool, die SS Q, Was ist das für ein Schiff? Wie alt? Wann gesunken? Gefährlich? Bestimmt, oder? Na ja, SS Q steht für Sand, Steine, Quallen - alles haben wir dann auch erforscht :-) 10 bis 11m Tauchgang, Muscheln, Schollen, Aale. Eher ein Checkdive, aber was soll. Das Wetter untersteht der Caos-Theorie, ist also nicht ganz berechenbar. Meine Frau kommt schon seit 23 Jahren nicht gegen mein Caos an. Man muss es nehmen, wie es ist.
Wir machten 2 Tauchgänge, einen nachmittags, einen in den Abend hinein. Die anderen machten eine Nachttauchgang, der auch sehr interessant gewesen sin soll, weil dann ja doch etliche "Räuber" unterwegs sind.

Vor dem Tauchgang sah es stürmisch aus. Aber egal, es sollte Klaus' 100-er werden und nur
das zählte in diesem Augenblick.



Zwischen den Tauchgängen kam wieder die Sonne heraus und abends wurde es fast romantisch. Süd-östlich von uns ankerte dann auch die "Seefuchs" auf der Helle Menzel aus dem Berliner-Taucherstammtisch schon fast 2 Wochen fuhr und wir telefonierten dann auch.
Aber eigentlich gehörte der Abend Klaus - und uns, weil er ja was ausgeben musste. Vorsorglich fanden wir uns alle in der Bar ein :-)


Das Leben ist schön und Taucher können so gemein sein. Deko-Bier auf Kosten des anderen :-) Wir lieben 100-ste Tauchgänge!!!
Trotzdem Gratulation, Klaus!!

Und weil Klaus schnarchte, wurde er nach Abstimmung von 6 Zimmerkameraden in die direkt angrenzende Doppelkabine verlegt. Nachtruhe wurde dann auch Nacht - RUHE :-)

Morgens war richtig gute See. Aber auffrischend bis Windstärke 6 angesagt. Zur Jan H.würde es nicht reichen, also ging der Käptn auf Nummer sicher. Die Amazone wurde angelaufen. Sie liegt direkt vor dem Königsstuhl auf 20m und ist 1920 gesunken. Ein Motorsegler, der an Bord die Buchungsunterlagen einer Lederfabrik mit sich führte von denen 1991 dann auch noch etliche geborgen wurden . Als "Zettelwrack" wird es deshalb bezeichnet. Toilette und Glühkopfmotor sind die angesagten Highlights dort.




Bug und Heck sind gut erhalten, die Seitenwände des Seglers abgeklappt. Sicht war ca. 3-5m. Wassertemperatur 17 Grad.
Achim wollte genau um 12:35Uhr einen zweiten Tauchgang machen. Den Grund nannte er nicht, aber ich ging natürlich mit. Ein einsamer, sehr relaxter Tauchgang alleine am Wrack. Eindrucksvolle Stille, die man körperlich spürte.

Das Wetter hielt und selbst der Kapitän ärgerte sich, dass die Vorhersagen nicht zutrafen, denn die Jan H. wäre drin gewesen. So fuhren wir dann allerdings nach Wunsch und Absprache zum Gaffelsegler "Harald". Da dieser direkt an/in der Fährrinne liegt, mussten wir eine Fähre abwarten und hatten dann ein maximales Zeitfenster von einer Stunde. Die Harald liegt auf 30m und weil es schon nach 16 Uhr war, hatte man auch wenig Licht in dieser Tiefe. Die Wellen nahmen zu und wir tauchten an der Leine ab. Unten angekommen, sah man nicht viel, es gab starke Strömung und wir waren im Nu weg vom Wrack. Achims Lampe fiel aus und wir sahen einen kleinen Schimmer der nachfolgenden Taucher. Also zurück gegen die Strömung, dort musste das Wrack sein. Das allerdings wurde vor nicht allzu lange Zeit wohl durch eine Schleppanker fast völlig zerstört. Durch die Strömung, der vielen gleichzeitigen Taucher (siehe Zeitfenster) und damit verbundener schlechter Sicht (viel Sediment aufgewirbelt) und dem Ausfall der Lampe, haben wir den Tauchgang dann nach knapp 20min abgebrochen und waren froh, an der Leine aufzutauchen. Viele andere Taucher fanden diese nicht mehr und hatten so etliche Meter bis zur AB zu "keulen".
Trotzdem eine Erfahrung :-).
Dann ging es zum Übernachten wieder in eine windgeschützte Bucht. Dort überraschte der Smutje mit einem Grillfest, sehr idyllisch vor der Kreideküste.


"Guide" der AB und Smutje sowie die beiden Potsdamer und Klaus

Abendstimmung und letzte Fähre nach Rügen


Sonnenuntergang auf der Artur Becker vor Rügen

Panorama - klick zur Vergrößerung


Early Morning Tauchgang - zu early für mich, aber nicht für Achim und Klaus. Jeder hat so seine Art und Weise, sich frisch zu halten :-)

Frühstück, Aufbruch - aber es wurde wieder windig und wellig. Windstärke 6. Was bleibt? Der Kapitän muss sich wieder für ein küstennahes Wrack entscheiden. Diesmal vor Saßnitz das Wrack der SAS 33 "Sturmvogel".
Die damals größte Fähre auf der Linie nach Trelleborg, die "Rostock", konnte 49 Güterwaggons übersetzen und hatte ein extra LKW-Deck, für die Fahrer waren 36 Schlafplätze vorhanden. Am 2. 11. 1984 befand sie sich auf der Reise von Trelleborg nach Sassnitz, als es zur unglücklichen Nebelkollision mit dem Sassnitzer Kutter SAS-33 Sturmvogel kam, in deren Folge der Kutter verloren ging und zwei Fischer als vermisst gemeldet werden mussten. Das Wrack liegt auf 17m, wir hatten 17 Grad Wassertemperatur und ca. 3-4m Sicht. Es sah nach Strömung aus, was aber nicht eintraf. Getroffen habe wir große Dorsche unter dem Wrack.


ein Blick, wie aus dem Seerohr, aber so erging es uns dort

Sicht ca. 3-4 Meter

Tauwerk und Netze an der SAS 33

aber keine Schiffsschraube mehr, die war wohl zu wertvoll

meine erste flureszierende Qualle, eindrucksvoll und bezaubernd


einigen war die Strecke zur AB dann doch zu weit
für uns nicht - abschleppen lassen wir uns (wo)anders :-)

Dann ging es wirklich zurück. Nach 4 Stunden hatte uns Greifswald wieder. Während der Rückfahrt trafen wir Backbord die "Seefuchs" wieder. Ein kurzes Telefonat mit Helle, der auch Richtung Heimat schipperte. Schön, sich auf See zu treffen.

Einige kauften noch zollfrei ein. Gegen 17:30 Uhr waren wir im Hafen. Dann gings wirklich nach Hause und das Wasser lies uns nicht los.

Regen und Stau, gegen 22 Uhr wieder in Falkensee. Trotzdem ein klasse Ausflug.

 
die Ankerplätze und Wracks

Nachtrag nach 2 Tagen:
Etwas "Seegang" hatte ich am ersten Tag noch - und ich musste mein Abendbrot selbst machen. Völlig ungewohnt nach den 3 Tagen an Bord:-)
 

 

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