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"DieAusrottung der Haie ist eine der größten ökologischen Katastrophen dieses Jahrhunderts.
Und das unbemerkt von der Öffentlichkeit!
"

Am 31.01.2003 schrieb ich dies in meine Website nach einem Vortrag von Dr. Ritter und Sharkproject. Acht Jahre sind vergangen. Jahre in denen ich mit Haien tauchte, Schülern und Eltern versuchte zu erklären, dass Haie keine Monster sondern faszinierende Raubtiere sind, die ihren evolutionär wohldurchdachten Platz an der Spitze der Nahrungskette haben. Dass sie keine Killer sind, sondern einfach nur Tiere, die man mit Respekt behandeln muss und vorallem in Ruhe lassen soll.
Was hat sich seither getan? 100.000.000 Millionen Haie wurden damals weltweit getötet. Acht Jahre Aufklärungsarbeit durch viele Organisationen, viele Prominente sind vergangen.
Nun wird alles gut, oder?

NEIN! 200.000.000 Haie werden jährlich abgeschlachtet.
Brutal wie vor acht Jahren.
Profitgier, Profitspannen von ungeahnten Ausmaßen, Korruption sowie  Armut aber auch politische Inkompetenz und Ignoranz, zum Beispiel der Europäischen Union, führen in eine angesagte Katastrophe. Und wie beim Öl, beim Klimawandel, beim Versagen der Finanzwirtschaft - wir gehen unter mit wehenden Fahnen und haben doch vorher alles gewusst.
Nichts ist schlimmer und gefährlicher als Inkompetenz gepaart mit Dummheit bei maximaler Profitgier. Das ist der Stand nach acht Jahren. Deprimierend.

Kulturfabrik Moabit: Jedes Jahr im November findet hier "die lange Nacht des Tauchens" statt. Diesmal war sie Vortragsort einer Dokumentation von Sharkproject. Unermüdlich und wider der vielen negativen Erfahrungen und Eindrücke, kämpft die Organisation für den Schutz der Tiere, die für uns so lebenswichtig sind, aber von fast allen Menschen ignoriert werden. Außer von den wenigen Forschern, die uns warnen, einigen Enthusiasten wie Tauchern, Hai-Liebhaber (wie mir) und den Natur- und Umweltgruppen und - der Mafia, die weltweit agiert mit Gewinnspannen, höher als im Drogenbereich.

Eindrucksvoll schilderte Gerhard Wegner von Sharkproject Erkenntnisse und Stand der Arbeit seiner Organisation. Einige Fakten:
- während das Kilo Fisch (je nach Qualität) bei 8-50€/kg liegt, kostet ein kg Haiflossen über 500€
- Asiaten geben damit an, sich eine Haifischflossensuppe für 120$ leisten zu können
- nur diese "Angeberei" lässt diese nach Nichts schmeckende Suppe, so teuer werden
- 200.000.000 Haie werden jährlich gejagt, um sie zu finnen für genau diese Suppen
- weltweite Mafiastrukturen werden durch korrupte Regierungen gedeckt
- 75% der Haie im Nordatlantik sind im letzten Jahr für immer "verschwunden"
- gefinnt wird sogar in Naturschutzzonen, z.B. im Bereich des Weltkuturerbes rund um Isla de Coco (Kostarika)
- Mosambique hat für 2400km Küste genau EIN Wachschutzboot
- ...
Zur Erinnerung: Der Sauerstoff für jeden zweiten Atemzug den wir machen, wird in den Ozeanen produziert. Ozeane sind ein kompliziertes ökologisches Netzwerk. Die Evolution hat ein ausgeklügeltes Räuber-Beute-System geschaffen. In jedem Biologieunterricht wird analysiert, wie das Eingreifen in ein Räuber-Beute-System dieses kippen lässt. Haie stehen an der Spitze der Nahrungskette in Ökosystem Ozean. Ihr verschwinden lässt andere Fische kurzzeitig in der Population anwachsen, die dann aber durch die daraus resultierende überdimensionale Anzahl ihre eigene Nahrungsgrundlage vertilgt. Unwiederbringlich zieht das weitere Konsequenzen nach sich. In Flora und Fauna des Meeres. Das Ökosystem ist so hochsensibel, dass kleinste Änderungen katastrophale Auswirkungen hat. Selbst bei naturgeschaffenen Situationen wie El Ninjo beobachten wir, wie empfindlich das Ökosystem Korallenriff reagiert. Aber wir töten Haie, die eine evolutionäre Fortpflanzungsbarriere besitzen (sie werden spät geschlechtsreif und haben nur wenige Nachkommen, ...) ohne Grund aus Profitgier, Angeberei und Potenzgehabe. Wir kippen das ganze System Ozean.

Bisher war dies für viele Menschen weit von sich geschobene Theorie. Doch die Theorie wurde von der Realität eingeholt. Vor der Küste Mosambiques gibt es für die einheimischen Fischer keine Fische mehr. Aus zwei Gründen, die so paradox wie eigentlich lächerlich sind. WIR, die Europäer, bezahlen den schwarzen Mann wieder mit Glasperlen. Es hat sich nichts geändert im 21. Jahrhundert. Die EU bezahlt dem Staat 4 Millionen Euro pro Jahr. Dafür darf sie mit 45 Fang- und Verarbeitungsschiffen ein Jahr lang die Gewässer vor Mosambique abfischen. Wahrscheinlich mit einem Gewinn von 4 Millionen Euro pro Woche. Resultat - die einheimische Fischerei ist tot. Die Fischer müssen aber ihre Familien ernähren, also gehen sie auf die Angebote der meist asiatischen Mafia ein und finnt Haie. Bei einem sonst vorhandenem Monatslohn von 50 Euro bringt hier ein Kilo Haiflossen den Fischen 15-20 Euro ein. Die Mafia bekommt 500€ dafür. Nun sind Haie vor Mosambique fast ausgerottet und das Resultat schildern uns Tauchbasen - die Riffe sind völlig tot. Tote Ozeane erzeugen aber auch keinen Sauerstoff, ernähren keine Milliaden Menschen. Die Bevölkerung dort vor Ort hat dann noch weniger zu essen. Aber das geht die EU ja nichts mehr an. Das wären landestypische Probleme. Spielt mal mit euren Glasperlen!

Wegner zeigt deutlich die Konsequenzen auf, analysiert ehrlich und offen die drei Säulen der angesagten Katastrophe. Er macht den kleinen Fischern keine Vorwürfe aber zeigt in seinem Vortrag in aller Deutlichkeit die Verantwortungen.
 
60% der Fischfangquote sind Beifang. Und diese großen Fischereiflotten sind vorallem asiatische und europäische Flotten. Die Hai-Mafia mit taiwanesischen und chinesischem Drahtziehern, die Regierungen wie in Kostarika korrumpieren sind "perfekt" strukturiert. Sie haben Gewinnspannen, die weit über die von südamerikanischen Drogenbaronen liegen. Auch ein Grund, warum diese umsatteln. Die Küstenfischer werden quasi zum Finning gezwungen, denen kann man, verursacht durch Überfischung und Profitgier der Industriestaaten, nur wirklich keinen persönlichen Vorwurf machen. Die kämpfen ums tägliche überleben, um Essen und Geld für den Arzt.

Gerhard Wegner hat in den genannten Gebieten sehr gründlich recherchiert, hat Kampagnen organisiert und versucht seit 2002 die Welt aufzurütteln. Bei denen, die in seinem Vortrag da waren, läuft er offene Türen ein. Er hat ein Buch geschrieben, in dem er seine Erfahrungen in einem Thriller verarbeitet. Alle Einnahmen gehen zu 100% zu Sharkprojekt, um das Finning zu stoppen.

Ein deprimierender Abend in gleichgesinnter Gesellschaft, der aber durch Webers Arrangement einen selbst in der Aufklärungsarbeit um Ängste, Ignoranz, Profitgier und Unwissenheit vorantreibt.

 

 

 


 
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