Die Klasse der Schirmquallen umfasst ca. 200 Arten und ist
die wohl am meisten bekannte, da sie oft an Strände gespült
werden. Die Schirmdurchmesser reichen von wenigen cm bis
hin zu einem Meter, bei einigen Arten sogar bis zu 2 m, deren Tentakel sind
dann 30 m lang
. Die Nesselwirkung gleicher Arten kann
ungewohnt großen Schwankungen unterliegen.
Schirmquallen
besitzen am Schirmrand eine kräftige Ringmuskulatur, die für die
Kontraktion beim Schwimmen sorgt. Der Schirmrand selbst ist durch Einkerbungen
in Randlappen gegliedert. Durch asymmetrisches Schlagen der Randlappen sind
Richtungsänderungen möglich. Die Sinnesorgane
zwischen den Randlappen (Rhopalien) enthalten meist einfache Augen, Chemorezeptoren
und Mineraleinlagerungen, die als Schweresinnesorgan (Statolith) dienen. Schirmquallen
sind fast alle getrenntgeschlechtlich. Die Spermatozoen werden ins freie
Wasser abgegeben, die Befruchtung der Eizellen erfolgt im Inneren der weiblichen
Qualle, dort erfolgt auch die Brutpflege, d.h. die befruchteten Eizellen
verbleiben bis zur fertigen Planula-Larve in der erwachsenen Meduse. Die
Larve wandelt sich nach einer kurzen pelagischen Phase zum kleinen, unscheinbaren
Polypen um, der dann wiederum durch Querteilung (Strobilation) viele Medusen
abschnürt oder sich durch Knospung ungeschlechtlich vermehrt. Diese
Polypen wandeln sich nie vollständig in Medusen um, es bleibt stets
ein Restkörper übrig, der sich wieder vollständig regeneriert.
Bei einigen marinen Formen entwickelt sich die Planula-Larve direkt unter
Umgehung des Polypenstadiums zur Meduse. Viele Quallen bilden mit anderen
Tieren faszinierende Lebensgemeinschaften. Häufig besitzen sie symbiontische
Algen, aber manche bevorzugen Fische oder Krebse als Partner. Trotz ihrer
Nesselzellen haben auch Quallen Freßfeinde: Seeschildkröten sowie
einige Schnecken und Fische wissen eine solche Mahlzeit wohl zu schätzen.
(aus:"FUTURA, 4/1996, Boehringer Ingelheim Fonds"
)
Im Mittelmeer sollte man
sich vor der im Hochsommer bisweilen in Schwärmen auftretenden Leuchtqualle (Bild
oben links) hüten, auch sie kann starke Hautreizungen
auslösen. Bisweilen sperren die Behörden wegen ihr sogar Strände.
Leuchtquallen haben einen ca. 5-10cm großen Schirm mit etwa
1m langen Tentakeln. Sie ist eine Hochseeform, wird aber
oft durch Strömungen in Strandnähe getrieben und tritt
häufig in großen Schwärmen auf. Sie ernährt sich von
Plankton und kleinen Fischen. Das Gift der Leuchtqualle besteht
aus Eiweißen.
Die Gelbe Haarqualle (Bild
oben rechts) kann in der Arktis einen
Schirmdurchmesser bis zu 2m erreichen. In der Nord- und
Ostsee immerhin noch bis zu 50 cm. Sie ist an einen höheren Salzgehalt (westlich der Darsser Schwelle
und manchmal östlich davon im Tiefenwasser) gebunden und kommt meist nur in sehr warmen Sommern durch Strömungen aus dem Kattegat.
Da die auch als Feuerqualle
bekannte Art stark
nesselt, sollte eine Berührung vermieden
werden.
Meist auf dem Boden liegend
und nicht wie ihre Artverwandten treibend, trifft man die
Mangrovenqualle (beide Bilder oben) im Indopazifik vom Roten Meer bis
Hawaii. Dabei ist die Unterseite nach oben gerichtet. Wie alle Wurzelmundquallen, zu denen die Cassiopeia-Arten
gehören, besitzen sie keine Mundöffnung und keine Randtentakeln. Sie strudeln
sich mit Hilfe von Wimpern winziges Plankton durch kleine Öffnungen in den
Körper. Über eine zentrale Röhre wird das Futter durch die Mundtentakeln
in den Innenraum geführt. Zusätzlich erhalten sie Nahrung durch Zoochlorellen, also pflanzliche Lebewesen, mit denen sie in Symbiose leben. Dabei liefern die Zoochlorellen den zur Atmung der Cassiopeia
wichtigen Sauerstoff und werden ihrerseits von der Qualle mit stickstoffhaltigen
und kohlensaueren Stoffwechselprodukten versorgt.
Teilweise gehen
sie sogar eine Symbiose mit Krebsen ein, von denen sie
sich tragen lassen. Diese
Qualle kann bei Berührung heftig nesseln.
Vorkommen
Symptome
starker, stechender Schmerz,
Hautverletzungen heilen
nur langsam, bei
großflächigem Kontakt
kann Übelkeit,
Kopfschmerz, Erbrechen,
teils Bewußtlosigkeit
eintreten
Erste Hilfe
1. aus dem Wasser bringen
2. Nesselkapseln durch Aufstreuen von trockenem Sand und anschließendem
vorsichtigen Abschaben entfernen
3. Tentakelreste mit Pinzette entfernen
4. bei starker Vernesselung ist ärztliche Betreuung angeraten