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Quelle : Leitlinie Tauchunfall  Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V., 13.10.2002, gültig bis 10/2005  PDF 1,2 MB

Definition

Der Tauchunfall ist ein potentiell lebensbedrohliches Ereignis, hervorgerufen durch raschen Abfall des Umgebungsdruckes beim Tauchen mit und ohne Tauchgerät in der sogenannten Dekompressionsphase. Er ist gekennzeichnet durch die Bildung freier Gasblasen in Blut und Geweben. Aus dem Tauchunfall kann eine Dekompressions-Erkrankung entstehen (englisch „Decompression Illness“, die international übliche Abkürzung hierfür ist „DCI“). Der Tauchunfall wird daher auch als Dekompressions-Unfall bezeichnet. Tauchunfälle können abhängig vom Entstehungsmechanismus in Dekompressions-Krankheiten (englisch „Decompression Sickness“, Abkürzung „DCS“) und arterielle Gasembolien (englisch „Arterial Gas Embolism“, Abkürzung „AGE“) unterschieden werden .
Die DCS tritt nach längerem Aufenthalt im Überdruck und entsprechender Inertgas-Aufsättigung auf. Sie wird klassisch in die „DCS Typ I“ mit dem Leitsymptom „muskuloskeletale Schmerzen“ und die „DCS Typ II“ mit neurologischer Symptomatik unterschieden. Diese Systematik wird auch in dieser Leitlinie verwendet. Parallel hierzu wird weltweit eine für medizinische Laien (=Taucher) gedachte Einteilung in „Milde Symptome“ (starke Müdigkeit, Hautjucken) und „Schwere Symptome“ unter Einbeziehung der AGE verwendet . Daneben werden weitere Klassifizierungen verwendet, die sich jedoch bisher nicht allgemein durchsetzen konnten. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden sie in der Leitlinie nicht genannt, obwohl sie in mancher Hinsicht Vorteile gegenüber der klassischen Einteilung bieten.
Die AGE ist typischerweise die Folge eines Lungen-Barotraumas mit Überdehnung der Lunge. Ursächlich ist ein ungenügendes Entweichen von Luft aus der Lunge während der Reduktion des Umgebungsdrucks beim Aufstieg. Als Nebenbefunde sind ein Pneumothorax und/oder ein Mediastinalemphysem möglich. Darüber hinaus kann es bei massiver Blasenbildung auf der venösen Seite durch verschiedene Shuntmechanismen zu einem Übertritt von Gas ins arterielle System kommen, z.B. durch ein persistierendes Foramen ovale (Abkürzung „PFO“) oder direkte transpulmonale Passage von Gasbläschen. Klinisch sind DCS Typ II und AGE in vielen Fällen nicht differenzierbar .

Erste Hilfe durch Laien

Entscheidung für Verdachtsdiagnose Tauchunfall bei folgenden Voraussetzungen:
• es wurde zuvor aus einem Tauchgerät unter Wasser geatmet, unabhängig von dem verwendeten Atemgas / der Atemgas-Mischung (eventuell nur ein Atemzug)
• es wurde zuvor aus einer Luftansammlung unter Wasser geatmet (zum Beispiel Wrack oder Höhle)
• es wurden zuvor Apnoe-Tauchgänge durchgeführt (in der Regel mehrere tiefe Tauchgänge)
und
• es liegt/liegen eines/mehrere der folgenden Symptome vor:

Milde Symptome
• extreme Müdigkeit
• Hautjucken („Taucherflöhe“) mit kompletter Rückbildung innerhalb von 30 Minuten nach Einleiten der spezifischen

Erste Hilfe Maßnahmen
• Sauerstoffgabe (100%)
• Flüssigkeitsgabe, 0,5 - 1 Liter oral (keine hypertonen, alkohol- oder coffeinhaltigen Getränke!)
• bei Unterkühlung weiteren Wärmeverlust verhindern (Decken, Dampfsperre)
• orientierende neurologische Untersuchung ( „5 Minuten-Neurocheck", siehe unten )
• keine nasse Rekompression
• wenn symptomfrei innerhalb 30 Minuten: Arzt verständigen, 24 Stunden beobachten
• wenn noch Symptome nach 30 Minuten: wie schwere Symptome behandeln

Schwere Symptome

Bei Auftreten von Symptomen noch unter Wasser oder Vorliegen von anderen Symptomen wie

• Hautsymptome • Schmerzen • Ameisenlaufen • Körperliche Schwäche
• Taubheitsgefühl • Lähmungen • Atembeschwerden • Seh-, Hör-, Sprachstörungen
• Schwindel • Übelkeit • Eingeschränktes Bewusstsein • Bewusstlosigkeit

Spezifische Erste Hilfe-Maßnahmen

Lagerung  
bei bewusstseinsklarem Taucher:  Rückenlagerung
bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

Sauerstoffgabe (schnellstmöglicher Beginn)
bei intakter Eigenatmung unabhängig vom Bewusstseinszustand Atmung von 100% Sauerstoff (Abkürzung „O2“) über dicht abschließende Maske mit
a) Demand-Ventil oder
b) Kreislauf-System mit Absorber für Kohlendioxid (Abkürzung „CO2“),
c) gegebenenfalls über Konstantdosierung (mindestens 15 Liter/Minute) mit
Reservoirbeutel und Rückschlagventilen, wenn keine besseren Systeme zur Verfügung stehen.
Bewußtseinsklare Taucher können die Maske eventuell selbst halten.
bei insuffizienter Eigenatmung Masken-Beatmung mit 100% O2-Zufuhr
a) Beatmungsbeutel mit O2-Reservoir und O2-Konstantdosierung (mindestens 15 Liter/Minute) oder
b) Beatmungsbeutel mit 100% O2 Demand-Ventil oder
c) Kreislauf-System mit CO2-Absorber

Die Sauerstoffgabe soll ohne Pause bis zum Erreichen der Behandlungsdruckkammer weitergeführt werden.
Auch bei sehr begrenztem O2-Vorrat soll O2 immer in der höchst möglichen Konzentration gegeben werden, keinesfalls mit Raumluft-Zumischung oder bei Konstantdosierung mit weniger als 15 Liter/Minute.

Flüssigkeitsgabe
Bei bewußtseinsklaren Opfern mit stabiler neurologischer Symptomatik und intaktem Schluckreflex schluckweise orale Gabe von 0,5-1 Liter Flüssigkeit/Stunde (keine hypertonen, alkohol- oder coffeinhaltigen Getränke!)
Bei eingetrübten oder bewusstlosen Opfern oder bei gestörtem Schluckreflex keine orale Flüssigkeitsgabe! (intravenöse Volumengabe erforderlich)

Weitere Maßnahmen
• Gegebenenfalls Herz-Lungen-Wiederbelebung
• Orientierende neurologische Untersuchung ( „5 Minuten-Neurocheck“, siehe unten )
• Wärmeverlust verhindern (geschützter Ort, Decken, Dampfsperre, möglichst wenig bewegen), keine aktive Wiedererwärmung (zum Beispiel auch heiß duschen), da dies evtl. zur Verschlechterung der Tauchunfall-Symptome und anderen Problemen führen kann.

Taucherärztliche Telefonberatung
Schnellstmögliche Kontaktaufnahme mit Taucherarzt, um Vorgehen zu koordinieren, zum Beispiel
• nationale DAN-Hotline in Deutschland:
0431-54090, Kennwort „Tauchunfall“
• internationale DAN-Hotline:
+39-0396057858, Kennwort „Tauchunfall“
• Eine aktuelle Liste mit Telefonnummern weiterer Hotlines finden Sie auf der Website
der GTÜM e.V. unter
http://www.gtuem.org

Transport-Organisation
• Rettungsleitstelle alarmieren, „Verdacht auf Tauchunfall“ angeben
Transportmittel
Es gibt keine prinzipielle Präferenz für ein bestimmtes Transportmittel, es ist das im Hinblick auf die Gesamt-Transportzeit schnellste und schonendste Transportmittel zu verwenden. Es besteht keine Einschränkung für einen Helikoptertransport (möglichst nicht höher als 1000 Fuss / 300 Meter Flughöhe über Grund).
Transportziel
nächste erreichbare Notfallaufnahme, möglichst in Nähe einer Behandlungs-Druckkammer
Dokumentation
Bei Übergabe des Opfers an Rettungsdienst/Transportbegleitung Dokumentation von Tauchgangsdaten, Symptomverlauf und bisherigen Behandlungsmaßnahmen mitgeben.
Gerätesicherstellung
Alle Geräte, die zur Rekonstruktion des Unfall-Tauchgangs beitragen können (zum Beispiel Dekompressions-Computer, Tiefenmesser), sollten dem Taucher mitgegeben werden.
Tauchpartner des verunfallten Tauchers sollen in die Beobachtung mit einbezogen werden.

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