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Reise nach Danzig auf familiären Spuren

70. Geburtstag meines Vater. Was schenkt man? Was macht man? Letztendlich hat man an materiellen Dingen in dem Alter fast alles. Andererseits hat man in der heutigen hektischen Zeit und Arbeitswelt meist wenig Zeit zum Reden, Erinnern, Zeit miteinander verbringen usw. Das brachte uns auf die Idee, ihm eine Reise mit mir zu unseren familiären Wurzeln zu schenken. Also,  Danzig - wir kommen :-)
Eigenes Auto, Polen, Vorurteile - der erste Weg führte zur Versicherung :-), der zweite zu eBay, eine Navigations-CD zu ersteigern.  Dann Hotel buchen etc., etc. . Grenzübergang Stettin, alles schnell und freundlich. Wir sind in Polen. Insgesamt sollten es ca. 600km werden, von Stettin aus knappe 400. Fast keine Autobahn, Geschwindigkeit offiziell auf Landstraßen 90 - das kann dauern. Überholt wurden wir stets, Blitzer sahen wir stationär bis Danzig 3 Stück, die auch angekündigt waren. Es gab eine Lasermessung auf der ganzen Stecke. Aber auch ich kann vorbildlich fahren.
Hinweg mit Pause und Tanken - 8 1/2 Stunden. Auf dem Rückweg passte ich mich der polnischen Standardgeschwindigkeit an - mit Pause und Tanken 7 Stunden :-)

Ich hatte mehrere Hotels ins Auge gefasst, aber Ostermontag waren noch viele von Osterbesuchern besetzt. Unsere Wahl fiel dann auf das Mercure, ein 3 Sterne Hotel am Rande der Altstadt, mit schönem Blick auf diese.

Nett und freundlich wurden wir empfangen. An der Rezeption kann man sich in englisch oder auch deutsch gut verständigen. Im Hotel gibt es auch eine Wechselstube, die Ostermontag allerdings zu hatte. Zum Glück fanden wir eine auf dem Hauptboulevard. Wir bekamen ein Zimmer im 11. Stock mit Sicht auf die Altstadt. Vorher konnten wir Raucher/Nichtraucher Zimmer bestimmen.
Frühstück gab es als Büffet, abwechslungsreich und sehr ausreichend. Das Auto konnte man für 6 Euro am Tag hinter dem Hotel auf einem bewachten Parkplatz abstellen. Aus dem Zimmer konnte man auf den Parkplatz schauen, was nicht geholfen hätte, aber trotzdem beruhigte :-D.
Nach einem Blick aus dem Fenster sagte dann mein Vater, dass er direkt auf seine Taufkirche schaue - ich hatte  intuitiv also richtig gebucht :-).


Also ließen wir Gepäck Gepäck sein und machten uns auf Erkundungstour. Taufkirche, Taufbecken, Orientierung in der Stadt gesucht und schnell gefunden. Die Altstadt ist fantastisch wieder aufgebaut worden. Viele kleine Lokale, in denen man für den Hauptboulevard günstig essen kann (ca. 6-10 Euro für eine Hauptmahlzeit), Kaffees, Eisdielen, Szenekneipen. Wir tauschten Geld, aßen dann zum Abendbrot, denn wir hatten im Hotel nur Frühstück gebucht. Die Vielzahl der Gaststätten und Szenekneipen bestätigten diese Wahl.
Dann machten wir uns auf die Suche nach dem Geburtshaus, Fleischergasse 43. Nicht weit von der Altstadt fanden wir es dann. Was früher Hinterhaus war, ist heute durch das weggebombte und nie neuerrichtete Vorderhaus, gut zu sehen.


Im rechten Bild gut zu erkennen, auch der Pulvertum im Hintergrund. Weiter dahinter sind die Bunkeranlagen, in die man sich bei Bombenangriffen zurückzog. Dazu später mehr. Vor Ort kamen natürlich viele Dinge aus der Kindheit meines Vaters zu Tage, Dinge die ich zum ersten Male erfuhr und die wahrscheinlich nur durch die geschichtliche Berührung wieder "aufgewühlt" wurden. Aber dadurch wurde die Reise allein schon zu einer auch für mich sehr familiengeschichtlichen Reise, denn mir wurde bewusst, es ist auch meine ureigene Geschichte.

Nächsten Tag früh Dampferfahrt gebucht zur Westerplatte, Geschichtsunterricht quasi an aktueller Stelle. Los ging es hier:

Links vorne der Dampfer und die Bezahl- und Anlegestelle. Fahrt ca. 35 min. für die Hintour, 25 min. zurück. Auf der Westerplatte hatte man dann 2 Stunden Zeit, was sich als zu lang erwies. Man sieht alte Bunkeranlagen, Denkmäler etc, kann durch Grünanlagen spazieren. Da wir um 10 Uhr abfuhren, gegen 10:30 Uhr auf der Westerplatte waren und uns ca. 1 Stunde dort aufhielten, der Dampfer aber erst wieder gegen 13 Uhr die nächstmögliche Rücktour hatte, saßen wir etwas fest. Hinweis: Man kann auch ohne Rückfahrt buchen und von der Westerplatte aus mit dem Bus zurück in die Altstadt, was wir allerdings nicht wußten. Die Busse fahren ca. alle 50 Minuten.
Wir machten uns nach dem Besuch der Westerplatte auf zum Hauptbahnhof und fuhren mit dem Vorortzug nach Zoppot, dem immer schon etwas reicheren Danziger Vorort. Vom Bahnhof dort aus ca. 15 min. Weg, ist man auf der riesigen Seebrücke. Genau gegenüber lässt es sich dann auf dem Boulevard gur spazieren.

Mit dem Zug ging es dann zurück. Das ist relativ billig, bequem und schnell. Mit etwas englich kommt man auch gut an den Kassen zurecht. Abends dann wieder Gaststättensuche - die Qual der Wahl :-)
Am nächsten Tag fuhren wir, gut geleitet durch die Navigation, zum Geburtsort meines Großvaters, nach Karthaus (ca. 40km). Sie wohnten damals direkt gegenüber dem Kloster, was am einem See sehr idyllisch liegt. Nun wurde mir auch klar, warum es meine Großeltern nach der Vertreibung aus Danzig 1946 nach Templin zogen. Seen, Wälder, Altstadt - wenigstens ein Gefühl von Vertrautheit in der Fremde damals.
Wir fanden auf dem Friedhof die Gräber der Verwandtschaft, konnten durch nachfragen auch in das Innere des verschlossenen Klosters hinein und waren rundum von der Geschichte überwältigt. Klostermäßig wie familiär.

See am Kloster, das Kloster selbst

Kloster von innen, das Wohnhaus meiner Großeltern gegenüber des Klosters

Wir fuhren zurück und machten einen Abstecher nach Oliwa, sahen uns die Kathedrale und den schönen Park drumherum an und ließen uns dann zu einem Kaffee und einem Bier dann in Danzig nieder, um die Dinge rekapitulieren zu lassen.

Dann machten wir uns auf eine weitere Zeitreise. Wir fanden die Bunkeranlage, in der mein Vater Schutz vor den Bombardierungen suchen musste. Auch hier kamen dann wieder fast vergessene Erinnerungen zu Tage.

Am letzten Tag vor der Abreise machten wir uns auf die Suche nach dem deutschen Ritterorden, also wir fuhren nach Marienburg, was etwa 80km von Danzig weg ist. Die Burg ist sehr eindrucksvoll, klasse restauriert, teilweise noch im Umbau. Eintritt kostetete 30 Zlotty, Führungen kann man buchen. Nicht immer bekommt man eine auf deutsch. Mit einem Handbuch und den Hinweisen in der Burg kommt man aber auch gut zurecht.

Abends setzten wir uns in eine gemütliche Eckkneipe direkt vor dem Hotel am Parkplatz, einem schön restauriertem kleinen Haus am Bach. Großes Bier 5 Zlotty und dann natürlich Danziger Goldwasser.

Nach dem Frühstück dann die Abreise. Check out, Auto gefunden :-) und 7 Stunden per Landstraße zurück, vor der Grenze tanken (1,07 Euro gegenüber 1,38 Euro).

Ich habe viel über meine Familie erfahren, habe die Wurzeln kennengelernt. Meinem Vater hat, denke ich, die Rückkehr zu seinem Ursprung auch noch einmal sehr gefallen. Außerdem hatte man mal wieder mehr Zeit füreinander, was im Arbeitsalltag nicht immer möglich ist.

Andere Bilder auf der Fotoseite.
 

 


 
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