Die Inder begannen um 300 v. Chr. zunächst mit Ziffern. Als Zwischenschritt zum Stellenwertsystem wurde die Wertigkeit jeder Stelle mitangegben (also z.B. 3T9H5Z2 für 3952). Ein solches Verfahren kannten auch die Chinesen. Spätestens im sechsten Jahrhundert n. Chr. hatten die Inder das Stellenwertsystem voll entwickelt bevor es zu den Arabern kam.
Erst durch dieses Zahlensystem wurde das schriftliche Rechnen
möglich. Was aber ebenso bedeutsam war, war die Erfindung
der Zahl "Null". Als die arabischen Zahlen im Abendland
bekannt wurden, tat man sich besonders mit dem Verständis
dieser "Null" schwer.
Im Abendland wurde das neue Zahlensystem durch Papst Silvester II.
(Papst seit 999) verbreitet, der bereits als junger Mann in Kontakt mit dem
Kalifat in Cordoba stand und so Einblick in die neuen Wissenschaften
hatte.
Die Zahlwörter hatten zunächst (zumindest teilweise) noch
die arabischen Bezeichnungen, z.B. hieß vier
"arbas" (von arba`a) und acht
"temenias" (von thamania).
Zu dieser Zeit war die "Null" im islamischen Westen
aber noch unbekannt. Dadurch konnten sich die arabischen Zahlen
nicht durchsetzen, weil man so mit ihnen noch nicht rechnen konnte.
Erst ein Jahrhundert später wurde im Westen die "Null"
eingeführt, so daß sich das neue Zahlensystem durchsetzen
konnte. "Null" heißt auf Arabisch sifr.
Daraus ist unser Wort "Ziffer" entstanden (auch
"zero" und "chiffrieren" ist davon abgeleitet).
Ursprünglich hießen die Zahlzeichen "Figuren".
Nur die "Null" war "die Ziffer". Da das einfache
Volk damit aber durcheinanderkam und alle Zahlzeichen plötzlich
"Ziffern" genannt wurden, führte man den Begriff
"Nulla figura" - keine Figur - ein, der zunächst zu
"Nulla" und schließlich zu "Null" wurde.
Zurück geht dieser Begriff auf ein Werk des
Muhammad ibn Musa al-Chwarismi, der zur Zeit des Kalifen
al-Ma'mun (813-833) lebte. Er verfaßte ein Lehrbuch mit dem
sehr theoretisch klingenden Titel al-jabr wa-lmuqabala
(Wiederherstellung und Ausgleich). Hier geht es um die Umformung
von Gleichungen. Der Begriff al-jabr wurde nicht
übersetzt und hat sich bis heute als "Algebra" erhalten.
Die lateinische Überstetzung behielt im Mittelalter diesen
Begriff bei, so daß er bis heute in dieser Form existiert.
Aus al-Chwarismi wurde dann "Algorithmus".
Schon im 13. Jahrhundert hatte man vergessen, woher dieses Wort kommt
und stellte die abenteuerlichsten Vermutungen an.
Die Araber wurden auch zu den Begründern der sphärischen
Geometrie. Sie nutzten diese Forschungen, um Probleme der Optik
zu lösen. Einer der berühmtesten Wissenschaftler dieser
Zeit war al-Hassan ibn al-Heitham (965-1039), der als
Alhazen im Abendland bekannt wurde. Er löste das Problem,
in einem sphärischen Spiegel, den Punkt zu berechnen, von dem
ein Gegenstand von gegebener Entfernung zu einem gegebenen Bild
berechnet wird über eine Gleichung vierten Grades. Noch heute
heißt diese komplizierte Aufgabe Alhazensches Problem.
Auch das "x" als Zeichen für die Unbekannte stammt
von den Arabern. In ihrer Algebra benutzten sie dafür den arabischen
Buchstaben schin, als Abkürzung für schai'
(Sache, Ding). Die Spanier nahmen dann den Buchstaben, der damals im
Altspanischen wie "sch" gesprochen wurde. Und das war
das "x".
Auch den Begriff "Sinus" haben wir den arabischen Forschern
zu verdanken. Sie erfanden die Sinus-
und Tangenssätze, die es bei den Griechen noch nicht gab.
"Sinus" ist die direkte lateinische Übersetzung des arabischen
jaib (Tasche, Bausch, Busen).
Die Algebra
Dem Begriff "Algebra" sieht man es bis heute an,
daß es sich hierbei offensichtlich um ein arabisches
Wort handelt.
Kultur und Wissenschaft unter dem Islam