Blitz-Besprechung
Auf der Jagd
(U.S. Marshals)
USA, 1998, 133min
Regie: Stuart Baird
Cast: LaTanya Richardson, Amy E. Jacobson, Marie
Ware
Durch einen dummen Zufall werden Mark Roberts Fingerabdrücke abgenommen,
die ihn für einen Doppelmord verantwortlich machen. Auf einem Gefangenentransportflug
versucht ein offensichtlich speziell trainierter Mithäftling, Roberts
zu liquidieren, bringt stattdessen allerdings dass Flugzeug zum Absturz,
womit er zwar weitere Insassen tötet, aber wieder nicht Roberts, der
von nun an auf der Flucht ist.
Mit an Bord war Chief Deputy U.S. Marshal Samuel Gerard, der bereits
vor fünf Jahren erfolgreich Dr. Richard Kimble jagte und es nun als
persönlichen Affront nimmt, dass ihm erneut ein Gefangener entkommen
ist. Doch irgendetwas scheint mit diesem Fall wieder einmal nicht zu stimmen.
Gerards Crew erhält ungewollte Unterstützung durch den Agenten
mit diplomatischem Status John Royce und die Video-Überwachungsaufnahmen
des sogenannten Doppelmordes enthüllen selbstverteidigende Maßnahmen
während einer Kofferübergabe...
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Während
der erste Teil, Auf der Flucht, als Remake eine gesamte TV-Serie
auf Spielfilmlänge komprimierte und sich die ZuschauerInnen die Fingernägel
zerbissen, wie und ob es der flüchtige und unschuldige Dr. Kimble
schaffen würde, dem langen Arme des Gesetzes zu entweichen, erleben
wir im nächsten Teil eine Geschichte aus der Perspektive des Jägers.
Damit ist die Spannung so gut wie dahin, denn wir bangen keineswegs mit
irgendeinem Charakter. Das Schlimmste, was den Marshals geschehen kann,
ist eine sinkende Erfolgsquote in ihren Akten, während der Killer
wider Willen ein fremder Charakter ist und bleibt. Dass er unschuldig ist,
dürfte wirklich der letzten ZuschauerIn klar sein, zu stark sind die
entsprechenden Hinweise gesät und die Sehgewohnheiten von Thrillern
mit "Überraschungen" eingefleischt. Bei dieser Serie wäre etwas
anderes ohnehin schwer vorstellbar. Im Endeffekt ist Roberts für uns
ein ebenso undurchsichtiger Agent, wie sein Jägerkollege Royce und
vermag es nicht, großartige Sympathien im Publikum zu wecken.
Die teilweise gewollt witzigen aber vollkommen überflüssigen
Dialoge und oneliner befinden sich teilweise hart im Mittelfeld
niedrig budgetierter Fernsehkrimis (die deutsche Synchro wollen wir uns
gar nicht erst antun), was Auf der Jagd fast ebenso unerträglich
macht wie der doch moderate Asiaten-Rassismus. Nicht nur sind diese allesamt
Böslinge, was sich aus der Handlung noch einigermaßen erklären
ließe, sondern sie werden in den allerseltesten Fällen mit ihren
Namen bezeichnet – im Gegensatz zu allen nicht-asiatischstämmigen
Gaunern –, sondern mit stigmatisierenden Wörtern wie "the chinaman",
wofür es im Deutschen glücklicherweise kein richtig passendes
Äquivalent gibt. (Hierfür wäre die deutsche Fassung doch
wieder interessant, war bei Besprechung dieses Artikels aber noch nicht
fertig.) Die altbekannte Reduzierung asiatischer Lebenswelten auf die chinesische
kommt ironischerweise als Bumerang zurück, wenn die ZuschauerIn vergeblich
auf eine Entnebelung der politischen / geheimdienstlerischen Intrige wartet.
Eine grobe Übersicht wird ihr zwar angeboten, aber auch nur vage Details
bleiben aus. Dies ist symptomatisch sowohl für die Behandlung der
Asiaten (irgendwie China-relevante Dokumente tragen die Aufschrift "Süd
Korea"), wie auch für den praktisch nicht vorhandenen Identifikationseffekt
mit dem Gejagten, dessen falsch verlaufenen Auftrag wir nicht einmal vollends
durchblicken können.
Was bleibt sind ein übertrieben schneller Schnitt, der keine einzige
ruhige halbe Minute erlaubt, selbst spektakuläre Stunts werden auf
diese Weise zerschnitten, und mäßige Situationsspannung beim
Flugzeugabsturz und der Jagd im Altenheim.
ki, Berlin
Foto ©: 1998 Warner Bros. / by
Michael Weinstein
US: 6. März '98
GB: 24. April '98
Frankreich: 15. April '98
Filmdaten:
Offizieller Link: http://www.usmarshals.com/
copyright:
Queer View, 11. April 1998