Die Senatorin Lillian DeHaven möchte ihrer Karriere etwas Zugkraft verleihen und verurteilt scharf die sexistischen Zustände in der Armee, die nicht einmal in allen Kategorien Frauen zulassen. Als politischen Schachzug einigen sich die Lager darauf, eine Test-Frau in einem beliebigen Trainingsprogramm aufzunehmen, welches bisher ausschließlich Männern zugestanden wird. Dass es sich dabei um das schwierigste und unmenschlichste Programm der amerikanischen Militärgeschichte handelt, den Navy SEALs, aus dem sowieso durchschnittlich 60 % der Teilnehmer freiwillig ausscheiden, stört auch die Senatorin nicht weiter, geht es ihr doch nur um das eigene Prestige, und das verbietet, während ihrer Amtsperiode Mütter in Särgen aus zukünftigen Invasionen einzuführen. Nur hat niemand mit dem ungebrochenen Durchhaltevermögen des Intelligence Officers Lt. Jordan O'Neil gerechnet...
Auch
viele Frauen (und Lesben und Schwule) möchten morden, um das jeweilige
Vaterland zu verteidigen, zur Not, indem in andere Länder einmarschiert
wird. Klar, die nicht gegebene Entscheidung, dies zu tun, ist unfair. Viel
unfairer, nämlich für die Leidtragenden imperialistischer Gelüste,
ist natürlich die Entscheidungsmöglichkeit, an solchen Aktionen
überhaupt teilzunehmen. Unser Sinn nach Gleichberechtigung wäre
demnach die Abschaffung dieser Karrierewege für alle. Nun denn, die
Welt sieht anders aus, und wir müssen uns mit Filmen wie Die
Akte Jane auseinandersetzen:Dieser lässt uns mit der Protagonistin zittern, obwohl eher weniger davon auszugehen ist, dass die Heldin des Films versagt, noch dazu bei diesem brisanten Thema. Wir erleben also zwei Stunden lang, wie sehr die tapferen Elite-Soldaten der USA geschunden werden, um im Ergebnis unbesiegbar zu sein – und dass Frauen dazu auch geeignet sind. Mal ehrlich, wer bezweifelt letzteres überhaupt noch? Mal abgesehen von unserer LeserInnenschaft geht es bei den meisten Befürwortern der sexuellen Separation in Militärdiensten heutzutage wohl eher um das krampfhafte Aufrechterhalten des Patriarchats, als um den Glauben, die Armee nicht mit unfitten Individuen schwächen zu wollen. Schließlich sind ähnliche Gründe auch dafür verantworlich, dass sich längst bewiesene Lesben und Schwule nach der "Enttarnung" aus der US Army in Unehren entlassen wurden.
So viel Credit muss Die Akte Jane zugestanden werden, das Action-Drama scheut nicht vor Komplexitäten und Details, welche sich vom eigentlichen Trainingsprogramm loslösen. Die unbeholfene Behandlung der neuen Frau in der dem weiblichen Geschlecht bisher verschlossenen Armee-Einheit wird ebenso zerpflückt, wie die politischen Interessen in Washington und die zunächst nicht ersichtlichen unheiligen Allianzen, die die Gegner und BefürworterInnen der sexuellen Gleichberechtigung miteinander eingehen.
Die Akte Jane folgt dem altbewährten Top Gun - Muster, erst die persönlichen Konflikte während des Trainings, dann die Team-Prüfung beim realen Einsatz. Erschreckend, dass es überhaupt nicht mehr erschreckt, dass, egal wieviele Filme mit dazugehörigen angegriffenen Ländern es gibt, es immer im Rahmen des Glaubwürdigen bleibt, dass die USA mal eben eine wie auch immer intensive Invasion durchführt. Diesmal muss Libyen dran glauben. Interessant, dass der Konflikt selbst herbeigeführt wurde und die militärische Auseinandersetzung, der sich unsere Figuren aussetzen müssen, eigenverschuldet ist.
Fast schon vergnüglich, wäre es nicht so traurig, darf der Sexismus hinter den Kulissen Die Akte Janes belächelt werden. So gibt die Drehbuchautorin und ausführende Produzentin des Films, Danielle Alexandra, von sich, dass sie sich zu jedem Zeitpunkt der Entstehungsgeschichte des Films, auch schon während der frühesten Drehbuchentwürfe, einzig und allein Demi Moore in der Rolle der Soldatin hat vorstellen können. Heißt das, hätte Moore eine andere als die Filmkarriere eingeschlagen, wäre das Drehbuch, geschweige denn der Film nie entstanden? Ist Moore also die Ausnahme unter den Frauen, die eine solche Rolle spielen kann, geschweige denn in Wirklichkeit ausführen könnte?
Des weiteren erläutert Alexandra, dass das Drehbuch zu Die Akte Jane von einer Frau, für eine Frau, über eine Frau geschrieben wurde. Dass aber erst die Action-Sequenzen von einem Mann, David Twohy, den Film großartig machten. Mit anderen Worten, Frauen können sich nicht einmal richtige Action vorstellen, bzw. richtig in Szene setzen? Action, "Männersache", ist großartiger als Drama, "Frauensache"?
So bleibt der etwas faule Nachgeschmack, dass wir einen Film haben, so ein typisch "politisch korrektes" Ergebnis der 90er, dem intelektuell eine jede dahinterstehen muss, obwohl an dessen Aussage eigentlich nicht einmal die FilmemacherInnen selbst stehen.
Natürlich muss Jordan O'Neil zu Trainingsbeginn sicherstellen, dass sie nichts als heterasexuell sei. Als sie allerdings droht, das Programm mit Erfolg abzuschließen, soll ihr genau mit dieser Thematik eine Falle gestellt werden...
Filmdaten:
Offizieller Link: http://www.movies.com/GIJane/