Blitz Besprechung
Jeckes – Die entfernten Verwandten
1997, 99min
Regie: Jens Meurer, Carsten Hueck
Cast: Gitta Sherover, Dr. Elly Freund, Naomi Fränkel
Zwei deutsche Filmemacher, anfang der 60er geboren, suchen vier deutsche
Jüdinnen und drei Juden der Jahrgänge 1909 - 1926 auf, die einst
zur Machtergreifung Hitlers das Land verließen, bzw. nach dem zweiten
Weltkrieg den neuen Staat Israel mitaufbauten. Unter ihnen eine ehemalige
Kinderärztin, eine Unterstützerin des Nahost-Friedensprozesses,
die einzige Majorin der israelischen Armee während des Krieges '73,
einer der letzten Überlebenden des Aufstandes im Warschauer Ghetto
und der einstige stellvertretende Bürgermeister Jerusalems, der im
Sommer '97 verstorbene Paul Jacobi.
-
Naiv und neugierig sind die treffendsten Bezeichnungen für die deutschen
Dokumentarfilmer, die auf die Jeckes treffen. Vor ihrem Projekt hatten
sie sich nicht einmal Gedanken darüber gemacht, dass es überhaupt
deutschsprechende Juden in Israel gibt. Es ist somit vor allem den sieben
Interviewten zu verdanken, dass so ein lebendiges und offenes Dokument
dabei herausgekommen ist. Auch wenn sie sich kaum Nachgehaktem stellen
müssen, liefern sie tiefverwurzelte Ein- und Ansichten, die das Kinoticket
lohnen. Die talking heads - Runden wurden sehr traditionell umgesetzt,
wenn auch einige Stadtrundläufe miteinbezogen wurden. Jeckes
ist ein nachdenklich stimmendes Erlebnis, welches mehr Fragen aufwirft,
als unbedingt bewantwortet. Und das mag gut sein: So fühlt sich die
ZuschauerIn vielleicht motiviert, im Alltag bei Menschen des eigenen Umfelds
nachzufragen.
ki, Berlin
US: ?
GB: ?
Frankreich: ?
English version
Filmdaten:
Offizieller Link: Nicht vorhanden oder nicht bekannt.
copyright:
Queer View, 5. Januar 1998