Blitz Besprechung
The Last Time I Committed Suicide
USA, 1997, 92min
Regie: Steven Kay
Cast: Thomas Jane, Keanu Reeves, Tom Bower, Adrien
Brody, Joe Doe, Clair Forlani, Marg Helgenberger,
Gretchen Mol
Eines Tages lockt ihn eine mysteriöse Frau aus dieser Existenz, indem sie ihm einen Job in Aussicht stellt und mit Joan wieder zusammenführt. Alte Träume flammen auf, die Liebe zwischen Joan und Neal hat die Zeit der Ungewissheit überstanden. Eine glückliche Zukunft ist in unmittelbare Nähe gerückt. Doch noch während Neal nach ihr greift, scheint sie ihm abermals zwischen den Fingern zu entgleiten...
Die
im Film vorangetriebenen Geschehnisse seien nicht das letzte Mal gewesen,
dass das Beatnik Idol Neal Cassady Selbstmord begannen hätte.
Mit diesen übertragen gemeinten Worten schließt der Protagonist
die letzte Szene. Tatsächlich beruht The Last Time I Committed
Suicide auf einem achtseitigen Brief Cassadys an Jack Kerouac,
in dem er von einer Liebesgeschichte seines frühen Lebens als Erwachsener
berichtet, deren Ausgang sehr wahrscheinlich Cassadys weiteres Leben fundamental
beeinflusst hatte.Regie-Debütant Steven T. Kay hat sich sogleich unter Beweis gestellt, seine Anliegen bestmöglich vermitteln zu können. Die Liebe zwischen Joan und Neal ist die glaubhafteste dieser Kino-Saison, der sich langsam aber stetig aufbauende, schlichtweg nichtendenwollende Alptraum der eben noch überaus realen, jetzt zu versanden drohenden Liebes-Chance, und ein Keanu Reeves, der als leicht abgehalfteter Überredungskünstler Harry eine souveräne Schauspielleistung darbietet. Überzeugend gibt Thomas Jane einen Neal Cassady wieder, der als Charmebolzen und Hallodri seine Mitmenschen und seine ZuschauerInnen zu Zeiten für sich vereinnahmt, zu anderen nicht viel Zuversicht als Lebenspartner ausstrahlt. Gekonnt findet Kay die Balance zwischen einem festentschlossenen Neal und den kaum kontrollierbaren Umständen, die ihn selbst von dem denkbar einfachen Ziel abhalten, sich einen Anzug abzuholen, um zu seiner Geliebten noch in der Nacht zurückzukehren.
The Last Time I Committed Suicide ist ein sehr poetischer, impressionistischer und jazziger Film ohne straffe lineare Zeitlinien, stellenweise etwas wortlastig vielleicht, aber schließlich handelt es sich um den Lebensabschnitt eines Schriftstellers der Beat Generation.
ki, Los Angeles – Berlin
Foto ©: Kushner-Locke International
Noch kein deutscher Kinostart.
Gesehen während des:
American Film Market '97
FilmTestival 1997
Außerdem gelaufen während des:
Sundance Film Festival 1997
copyright: Queer View, 29. Juli 1997